Zum Start der IFA 2018 in Berlin Samsungs Q9FN im Test: So gut ist das südkoreanische Flaggschiff

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Samsung tritt mit seinem Flaggschiff, dem Q9FN, auch auf der IFA in Berlin auf. Foto: SamsungSamsung tritt mit seinem Flaggschiff, dem Q9FN, auch auf der IFA in Berlin auf. Foto: Samsung

Hamburg. Der TV-Markt ist umkämpft. Samsung setzt weiter auf seine hauseigene QLED-Technik und punktet mit dem Q9FN im Test.

Der Sommer neigt sich so langsam dem Ende entgegen, draußen wird es kälter und früher dunkel. Für viele gibt es dann nichts Schöneres, als einen Film oder eine Serie auf Netflix, Amazon Prime, Sky oder einem der anderen Videoportale zu schauen. Und während die einen sich schon mit dem Smartphone oder Tablet zufrieden geben, brauchen Cineasten und Qualitätsjunkies dafür einen Fernseher – am besten flach, am besten groß, am besten mit hoher Auflösung. Ein solches TV-Gerät hat Samsung in petto, den Q9FN. Das 4K-Modell ist das aktuelle Flaggschiff der Südkoreaner. Im Test überzeugt das Gerät nicht nur bei der Bildqualität. 

Der Samsung Q9FN 55 Zoll im Test

Um zu sehen, wie schlank und raffiniert der Samsung Q9FN designed ist, muss man das Gerät zunächst aus seinem schrankgroßen Karton befreien. Ist das geschafft und der Fernseher auf den Standfuß oder an der Wand montiert, fällt auf, dass es überhaupt keine Anschlüsse an der Vorder- oder Rückseite gibt. Den Grund dafür finden wir etwas tiefer im Karton: Die One-Connect-Box, einer Art Set-Top-Box, die alle Anschlüsse (zwei TV-Anschlüsse ("Twin Tuner"), ein Slot für CI+-Karten, drei USB- und vier HDMI-Buchsen sowie ein Netzwerkanschluss) in sich vereint. Die Box wird über ein dünnes, nahezu unsichtbares Kabel mit dem Q9FN verbunden. Hobby-Innenausstatter freut's: So bleibt der Fernseher selbst von störendem Kabelgewirr verschont.

Die Fernbedienung des Samsung Q9FN kommt angenehm minimalistisch daher. Foto: Samsung

Das TV-Gerät macht einen imposanten Eindruck. In unserem Test hat uns Samsung die 55-Zoll-Variante zur Verfügung gestellt. Der Bildschirm ist scharfkantig und edel, die Rückseite ist leicht abgerundet. Dazu passt die silberne Fernbedienung, die nur mit wenigen Tasten daher kommt und intuitiv zu bedienen ist. Außerdem lässt sich der Fernseher per Sprachbefehl (Mikro in der Fernbedienung oder wahlweise in der Smartphone-App) steuern. Dazu reichen kurze Sätze wie "spiele 'Haus des Geldes' bei Netflix ab" aus. Das TV-Gerät übernimmt den Rest.

Wie ist das Bild des Samsung Q9FN?

Das wichtigste für einen Fernseher ist unbestritten die Bildqualität, und diese ist eine Frage der Technik. OLED (Organic Light Emitting Diodes) war lange Zeit die vorherrschende Technologie, wenn es um gutes Bild ging. Samsung setzt seit einiger Zeit jedoch auf QLED (das Q steht für Quantum Dots). Der Unterschied zwischen den Technologien ist folgender: Bei OLED-Displays bringen viele Millionen Bildpunkte den Schirm zum Leuchten. Im Vergleich zu herkömmlichen Fernsehern benötigen OLEDs keine Hintergrundbeleuchtung. Jeder Bildpunkt besteht aus einer organischen Leuchtdiode. Auf Fernsehbildschirmen werden aus roten, grünen, blauen und weißen OLEDs beliebige Farben gemischt, und das in tausenden Helligkeitsabstufungen bis hin zu finsterstem Schwarz.

QLED-Fernseher dagegen sind in ihren Herzen LCD-Fernseher; die Bildschirmfläche wird von Hintergrundlicht bestrahlt. Zusammen mit Flüssigkristallen und Farbfiltern wird das Bild erzeugt. Die Quantum Dots geben intensives rotes und grünes Licht ab, sobald sie von Licht angestrahlt werden. Samsung setzt blaue LEDs (Leuchtdioden) in seinen QLED-Fernsehern ein, zusammen mit den rot und grün leuchtenden Quantum Dots ergibt sich weißes Licht – heller und breitbandiger, als von üblichen weißen LEDs.

Einen 55- oder 65-Zoll Fernseher frei ins Wohnzimmer stellen, ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Gut, dass sich der Q9FN auch an der Wand befestigen lässt. Foto: Samsung

Neu ist nun neben Optimierungen der Quantum Dots, dass die Leuchtdioden nicht mehr im Rand des Bildschirms stecken, sondern nun 480 Leuchtdioden (LED) über die gesamte Fläche verteilt sind. Das erlaubt eine genauere Steuerung der Bildschirmhelligkeit. Samsung nennt das Full Array Local Dimming, kurz FALD. Hinter hellen Bildbereichen strahlen die LEDs mit voller, hinter dunklen Partien mit gebremster Energie. 

Dieser technische Exkurs zeigt zum einen: Samsung überlegt sich sehr genau, wie das Fernsehbild verbessert werden kann, zum anderen, dass die Südkoreaner weiterhin an ihre Haustechnik glauben. Der Test des Samsung Q9FN macht deutlich: Das ist gut so. die Bildqualität des Fernsehers ist herausragend. Egal ob Filme, Sport oder Videospiele an der Konsole: Der Q9FN gehört bei der Bildqualität zur Spitzenklasse unter den TV-Geräten. Durch die Quantum-Dot-Technik ergibt sich ein gesteigerter Kontrast mit tieferem Schwarz und ein plastischerer Bildeindruck. Auch der Betrachtungswinkel ist sehr gut. Mit seinen maximal 2000 Nit (das ist die Einheit der Leuchtdichte) ist er einer der hellsten Fernseher auf dem Markt. Hinzu kommt eine  Kontrastscheibe an der Vorderseite des Geräts, die ermöglicht, dass der scharfe Bildeindruck auch in heller Umgebung erhalten bleibt. So lassen sich Filme auch am Tag genießen, ohne dass der Raum abgedunkelt werden muss.

Am besten kommt die starke Farbdarstellung bei HDR-fähigen Medien zum Vorschein. Der Q9FN unterstützt die Standards HDR10, HDR10+ und HLG. Dolby Vision hingegen ist bei Samsung "kein Thema". Das hat TV-Produktmanager Sang-Won Byun unserer Redaktion im Gespräch verraten. Die Südkoreaner setzen ganz auf HDR10+, das System sei "offener und flexibler". 

Überraschung: Der Ton beim Q9FN ist ok

Von einem Fernseher, der flach wie eine Flunder an der Wand hängt, erwartet man keinen guten Ton. Wie auch? Wo sollen Höhen und Bässe herkommen? Zu unserem Erstaunen zeigte sich (in der Standardeinstellung) des Q9FN, dass der Ton des Samsung-Geräts mehr als brauchbar ist. Wer all sein Erspartes in die TV-Neuanschaffung (die Preisspanne für Samsungs Spitzenmodell liegt zwischen 2000 und 5000 Euro) ausgegeben hat, kann sich ein Soundsystem erstmal sparen. Filme oder lineares Fernsehen, etwa Nachrichten, hören sich gut an. Eine Soundbar oder gar eine 5.1-Anlage kann der Q9FN aber nicht ersetzen.

Betriebssystem und Ruckel-Apps

Samsung geht auch beim Betriebssystem eigene Wege und bleibt seiner Entwicklung Tizen treu. Im Test lassen sich die Menüs komfortabel und nahezu ruckelfrei steuern. Im Vergleich zur Konkurrenz darf Samsung das als Plus verzeichnen. Hinzu kommen zahlreiche Apps von Drittherstellern. Die Auswahl ist gut: Von den Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen, Netflix, Amazon, Sky Q, DAZN und Amazon Prime bis hin zu Youtube und Twitch ist alles da. Ein Wermutstropfen: Fußballspiele per Sky-Q-App auf dem Q9FN zu schauen, macht nur wenig Spaß. Egal welche Bildeinstellung wir gewählt haben: Das Bild ruckelt und der Ball ist selten als Ball zu erkennen. Der Samsung-Kundenservice sagt, dass "Bildruckler unabhängig von Content-Anbieter-Apps nicht bekannt sind". Produktmanager Byun sagt: "Der Prozessor ist leistungsfähig genug." Wir sagen: Die Sky-App scheint auf TV-Geräten offenbar noch Optimierungspotenzial zu haben. Denn bei schnellen Filmszenen bei Netflix oder Amazon Prime trat das Problem nicht auf. Auch nicht beim Schauen von Fußballspielen via Vodafone-Kabel-Box. Und auch nicht bei der DAZN-App.

Der Samsung Q9FN bietet mit dem "Ambient Mode" die Möglichkeit, die schwarze große Bildfläche aus dem Wohnzimmer zu verbannen. Foto: Samsung

Vernetzte Fernsehwelt auch beim Q9FN

Für alle die, die ungerne auf ein pechschwarzes Wandgemälde schauen, hat Samsung noch ein Schmankerl im Angebot. Der Bildschirm des Q9FN lässt sich mit der Wand verschmelzen. Dazu verbindet man den Fernseher mit der App, fotografiert die Wohnzimmerwand und schickt das Bild an das Gerät. Kurze Zeit später ist der Fernseher – bis auf den schwarzen Rahmen – fast nicht mehr zu erkennen. Wer nur eine weiße Wand hat und mehr Farbe in den Raum bringen will, wählt eine der vorinstallierten Wandfarben des Q9FN. Alternativ lassen sich auch Nachrichten, das Wetter oder Fotos in diesem "Ambient Modus" verwenden. Der Fernseher verbraucht in diesem Modus etwa 20 Prozent weniger Energie. Laut Samsung 80 Watt, was etwa zwei Cent pro Stunde entspricht. 

Samsung folgt und fördert mit dem Q9FN offenbar auch aktuelle Trends. Laut einer neuen Bitkom-Studie wollen sieben von zehn Nutzern mit einem digitalem Sprachassistenten wie Amazon Echo oder Google Home vor allem Smart-Home-Geräte steuern. Samsung macht das nun auch beim Fernseher möglich. Die Schnittstelle ist aktuell noch die Smartphone-App "SmartThings". Mit zukünftigen Updates soll die Sprachsteuerung noch mächtiger werden, Samsung will sie mit seinem hauseigenen Sprachassistenten Bixby verknüpfen. Von Kühlschrank über Waschmaschine, Saugroboter, Lampen, Heizung, Türkamera, Schloss und Herd bis hin zu Audioequipment kommunizieren nun schon alle Geräte miteinander; steuer- und einsehbar ist das auf dem Fernseher. So lässt sich etwa vom Sofa aus ein Blick den Kühlschrank werfen. Schöne neue Technikwelt.

Fazit zum Samsung Q9FN

Samsung setzt mit dem Q9FN auf hauseigene Technik und punktet damit. Sowohl das Betriebssystem Tizen, als auch die QLED-Technologie überzeugen uns beim Test. Gerade die Bildqualität ist hervorragend. Doch diese hat auch ihren Preis. Die Q9-Serie von Samsung kostet zwischen 2000 und 5000 Euro (je nach Größe der Bildfläche).


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