Größte Spielemesse der Welt in Köln Fünf Gründe, warum die Gamescom so wichtig ist wie noch nie

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Zur Gamescom strömen Videospieler schon seit zehn Jahren. Die Messe feiert in diesem Jahr Jubiläum. Foto: imago/Future ImageZur Gamescom strömen Videospieler schon seit zehn Jahren. Die Messe feiert in diesem Jahr Jubiläum. Foto: imago/Future Image

Köln. In diesem Jahr findet die zehnte Gamescom statt. Ein Besuch vor Ort zeigt: Die Spielemesse wird immer wichtiger.

Die morgendliche Fahrt vom Kölner Hauptbahnhof hin zum Messegelände der Gamescom ist ernüchternd. Zwar führt der Weg vorbei am Dom und über die Hohenzollernbrücke, mit all ihren bunten Schlössern. Schön. Doch was ist da los am Messegelände? Baustelle. Tristesse. Durcheinander. Von buntem Spielemessen-Leben ist hier überhaupt keine Spur. Nur ein paar hinter Baukränen verborgene Plakate geben Hinweise auf die Gamescom in den Hallen der Messe/Deutz. Sollte gerade die zehnte Ausgabe der Gamescom ein Flop werden? Hat die Messe mit dem großen Besucheransturm im vergangenen Jahr (350.000 Gäste) etwa ihren Zenit erreicht? Nach einem Tag in den Hallen der Gamescom lautet die Antwort: Nein, die Gamescom war nie so wichtig wie in diesem Jahr. Dafür gibt es (mindestens) fünf Gründe.

Die Gamescom will Vielfalt und zeigt diese auch

Die Gamescom ist wohl einer der wenigen Orte, an dem man sich zusammen mit einem Ritter und einer Fee den Weg durch eine Baustelle bahnen kann. Sogenannte Cosplayer – also Besucher, die sich als Videospielcharaktäre verkleiden – gibt es viele vor und auf dem Gelände. "Vielfalt gewinnt“, lautet das diesjährige Motto, und das ist nicht zufällig ausgewählt. 

Cosplayer auf der weltgrößten Computerspielmesse Gamescom 2018. Foto: imago/Future Image

Das Leitthema deutet an, welchen Weg die Szene in den vergangenen zehn Jahren gegangen ist. Spiele sind heute längst nicht mehr nur ein Thema für junge Männer, wie der Branchenverband Game nicht müde wird, vorzurechnen. Das Durchschnittsalter steige von Jahr zu Jahr und liege in Deutschland mittlerweile bei über 36 Jahren. Die größte Spielergruppe seien heute die über 50-Jährigen. Und Frauen stellten knapp die Hälfte der Spielerschaft. Cosplayer gibt es auf beiden Seiten übrigens gleichermaßen.

Wenige Branchen sind so nah dran am Endverbraucher

Auf dem Papier ist die Gamescom eine Fachmesse, zu der auch Nicht-Branchenangehörige kommen dürfen. Wie sich Firmen das zunutze machen, zeigt ein Blick auf die Xbox-Bühne. Dort steht Maxi Gräff, das Aushängeschild der Xbox-Socialmedia-Kanäle, und moderiert das Fanfest. Die Menge jubelt, als bekannte Spielercharaktäre die Bühne betreten. Einige Fans gewinnen Gutscheine für ein Essen mit Entwicklern, andere Spielecodes. Klar, das ist alles PR. Aber die Branche umsorgt ihre Fans, wie wohl kaum eine andere. Wo sonst dürfen Otto-Normal-Zocker unfertige Spiele testen, die sonst nur Medienvertretern vorbehalten sind. Die Gamescom ist eine Mitmachmesse. 

Besucher der Gamescom 2018 probieren an einem Stand das Videospiel Battlefield 5 aus. Foto: Christophe Gateau/dpa

Endlich wieder echte Premieren auf der Gamescom 2018

Die Gamescom dient darüber hinaus als Indikator für PR-Firmen, wie neue Spiele bei den Fans ankommen. So wurden auf der Eröffungsveranstaltung zwei Neuauflagen alter Spiele vorgestellt: Im Sommer 2019 kehrt "Desperados" zurück. Der Echtzeittaktik-Titel von Mimimi Productions lässt Spieler eine fünfköpfige Gruppe von Außenseitern im Wilden Westen steuern. Vom deutschen Entwickler BlueByte wird es im Herbst 2019 außerdem ein neues "Die Siedler" geben. Auf der Gamescom gezeigte Bilder lassen auf ein detailliertes Aufbauspiel in 3D mit vielen Wirtschafts-, aber auch mit Kampfszenen hoffen. 

Weltpremiere auf der Gamescom: Bald wird es ein neues "Die Siedler"-Spiel geben. Foto: Ubisoft

"Mit der diesjährigen Eröffnung zeigen wir nicht nur die große Relevanz von Games für Deutschland und die Welt, sondern präsentieren den Fans auch erstmals einige der spannendsten Neuheiten“, sagt Felix Falk, Geschäftsführer des Game-Verband der deutschen Games-Branche und Träger der Gamescom. "Wir freuen uns sehr, dass so viele internationale Publisher die Gamescom nutzen, um hier ihre neuesten Titel anzukündigen. Das unterstreicht abermals die besondere internationale Bedeutung der Gamescom als weltgrößtes Games-Event.“

Die Gamescom beweist: Spiele sind Kulturgut

Langweilig wird es auf der Gamescom nicht. Aus der einen Halle schallen Kanoneneinschläge des Spiels "World of Warships", aus der anderen klassische Spielemusik, in der dritten seilen sich Besucher von einem Turm ab und in einer weiteren spielen Profi-Zocker gegeneinander einen E-Sport-Titel. Davor tobt die Menge. Die Spielkultur hat sich in den vergangenen Jahren entwickelt. Computerspiele sind raus aus der Nische, dafür muss man auf der Gamescom den Blick nur weiter schweifen lassen. Es gibt Hardcore-Gamer und Gelegenheitsspieler, Youtuber, Cosplayer und Retro-Fans. "Klar ist, dass Computerspiele ein Massenphänomen geworden sind", sagt Christoph Bareither, der in Berlin mit Schwerpunkt Medienanthropologie forscht. 

Hinzu kommt: Seit Kurzem sind Computerspiele in Deutschland gleichgestellt mit Filmen, Büchern und Musik. Anfang August hat die Unterhaltunssoftware Selbstkontrolle (USK) eine Änderung ihrer Praxis bei der Altersfreigabe von Spielen bekannt gegeben, in denen Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen  – etwa Hakenkreuze – verwendet werden. Kritik aus der Politik wischt die Branche mittlerweile selbstbewusst beiseite. Der Geschäftsführer des Game sagte unserer Redaktion, durch die Änderung ende "lediglich die jahrelange Ungleichbehandlung von Games im Vergleich zu Filmen, Büchern oder Musik." 

Auch bei der USK löste die Kritik Irritationen aus. "Spiele können nicht nur Kunst sein, sondern dazu auch wichtige Botschaften vermitteln. Es gibt pädagogisch wertvolle Spiele im Bereich der Serious Games, die sich kritisch mit dem Zeitgeschehen auseinandersetzen", sagt Elisabeth Secker, Geschäftsführerin der USK, dazu unserer Redaktion.

350.000 Besucher kamen im vergangenen Jahr zur Gamescom. Dieses Bild lässt einen Besucherschwund nicht vermuten. Foto: imago/Rene Traut

Nie war die Gamescom politischer

Zwischen den als Elfen, Soldaten und Super Marios verkleideten Fans wächst bei der Gamescom die Gruppe der Politiker – Stichwort "Vielfalt". Im Vorjahr hat Kanzlerin Angela Merkel vorbeigeschaut, seitdem "schockt es niemanden mehr, Games zu unterstützen“, sagt die CSU-Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär. 

Die Messe sei ein "großartiges Aushängeschild für die Stadt", sagte die Kölner Bürgermeisterin Henriette Reker am Dienstag. Noch bis Samstag sollen digitale Spiele in den Messehallen wie auch verteilt in der Rhein-Metropole präsent und erlebbar sein. Auf solches Lob musste die Branche lange warten. 

Man merke mittlerweile jedenfalls, dass es nun Politiker gibt, die selbst spielen, sagt Peter Smits, einer der bekanntesten Youtuber Deutschlands. "Wir sind jetzt in diesem Zeitalter, auf das ich schon lange gewartet habe", sagt Smits. "Irgendwann werden wir eine Bundeskanzlerin oder einen Bundeskanzler haben, die oder der mit Spielen schon aufgewachsen ist", sagt er. "Spätestens dann haben wir es geschafft."

Mit dpa


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