Umstrittene Plakate Gamescom 2018: Bundeswehr erntet heftige Kritik nach provokanter Werbung

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Die Bundeswehr wirbt auf der Gamescom 2018 mit provokanten Plakaten um Rekruten. Foto: imago/photothekDie Bundeswehr wirbt auf der Gamescom 2018 mit provokanten Plakaten um Rekruten. Foto: imago/photothek

Köln. Auch die Bundeswehr ist auf der Gamescom 2018 vertreten und sorgt mit provokanten Plakaten für Kritik.

In Köln findet derzeit die Gamescom 2018 statt – bereits zum zehnten Mal. Die Bundeswehr ist dort – wie zum Beispiel auch auf der Cebit – mit einem eigenen Stand vertreten. Die Truppe wirbt um Nachwuchs, vor allem für die IT-Berufe bei der Bundeswehr. Mit zwei provokanten Plakaten erregt das Referat Arbeitgebermarke Bundeswehr – sowas wie das Social-Media-Team dabei nicht nur Aufmerksamkeit in der Zielgruppe.

"Schon unsere Werbung zur Gamescom gesehen?", fragt das Social-Media-Team der Truppe bei Twitter. Darunter die zwei Plakate, die für Diskussionen sorgen. Auf dem einen steht "Multiplayer at its best!" (zu dt. "Multiplayer von seiner besten Seite"). Auf dem anderen steht "Mehr Open World geht nicht!". Beide Aussprüche beziehen sich auf der Gamer-Jargon. In sogenannten Multiplayer-Spielen zocken mehrere Teilnehmer gemeinsam oder gegeneinander. Open-World-Spiele (zu dt. "offene Welt") Computerspiele, bei denen der Spieler überdurchschnittlich viele Freiheiten und Möglichkeiten besitzt, das Spiel zu spielen. Die Besonderheit bei Open-World-Spielen ist die von Spielbeginn an ungehinderte Bewegungsfreiheit.

Die Kritik: Stellt die Bundeswehr also Krieg auf eine Stufe mit einem Spiel? Viele Nutzer im Internet finden: Ja! Eine Auswahl:



Doch ist es wirklich so einfach mit der Kritik oder ist alles vielleicht sogar noch viel schlimmer?

Am Stand der Bundeswehr in Halle 5, wo die Truppe zwischen Panzer und Tarnnetz mit möglichen Rekruten zusammenkommt, reagiert Standleiter Nils Feldhoff gegenüber unserer Redaktion gelassen. "Die Plakate sind eine Einladung, um darüber zu diskutieren." Bei ihm habe sich allerdings noch niemand beschwert. Auch in der Pressestelle der Bundeswehr winkt man ab. "So wie andere Arbeitgeber auch wollen wir dort mit IT-affinen jungen Menschen ins Gespräch kommen und ihnen die beruflichen Chancen bei der Bundeswehr nahebringen", sagte ein Sprecher der Bundeswehr in Köln dazu am Donnerstag.

Die Truppe wolle ein ernstes Thema ansprechen: "Krieg spielen oder für Frieden kämpfen?" Der (kleingedruckte) Text am unteren Ende der Plakate würde die Absicht erläutern. Dort steht: Multiplayer in Spielen entspreche Kameradschaft bei der Bundeswehr, Open World stünde für Freiheit und Sicherheit auf der ganzen Welt. Die Provokation sei aber erwünscht.

2010 waren Videospiele noch "widerwärtig"

Offenbar hat in der Truppe vor einiger Zeit ein Umdenken stattgefunden. Noch 2010 empörte sich die Bundeswehr über ein Ego-Shooter-Spiel namens "Medal of Honor". Damals sagte Bundeswehrverbandssprecher Wilfried Stolze in einem Interview: "Es ist widerwärtig, so ein Spiel auf den Markt zu bringen, während in Afghanistan Menschen sterben." Gegenüber der Süddeutschen Zeitung sagte Standleiter Feldhoff im vergangenen Jahr, man versuche "eine klare Trennung zwischen Ego-Shootern und der Bundeswehr herzustellen." Doch weder er noch in den zuständigen Pressestellen der Bundeswehr sieht man da einen Widerspruch zu der diesjährigen Aktion.

Übrigens: Es ist nicht das erste Mal, dass die Bundeswehr bei einer großen Veranstaltung für negative)Schlagzeilen sorgt. Von der re:publica wurde die Truppe im Mai 2018 noch ausgeschlossen. Die Soldaten sollten keine Uniformen tragen, das akzeptierten diese nicht, und mussten darum draußen bleiben. 

Und was soll man nun von den Plakaten auf der Gamescom halten? Auf der Gamescom hatten viele Besucher kein Problem mit den provozierenden Plakaten. Dafür umso mehr die Nutzer in den Sozialen Netzwerken.


Der Blogger und Satiriker Schlecky Silberstein steigt in die Diskussion mit einem eigens erschaffenen Plakat ein.



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