Abfrage von Finanzdaten? Facebook will mit Banken kooperieren

Von dpa

Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Foto: Marcio Jose Sanchez/AP/dpaFacebook-Chef Mark Zuckerberg. Foto: Marcio Jose Sanchez/AP/dpa

New York. Wollte Facebook Finanzdaten seiner Nutzer abgreifen? Das Unternehmen plant zumindest, Bankgeschäfte mit abzuwickeln.

Facebook will Banken bestimmte Dienstleistungen zur Kundenbetreuung anbieten, fragt nach eigenen Angaben dabei aber nicht aktiv nach Finanzdaten von Nutzern. 

Das Online-Netzwerk dementierte am Dienstag teilweise einen Bericht des "Wall Street Journal", wonach Facebook sich aus Interesse an Informationen etwa zu Einkäufen mit Kreditkarten oder Kontoständen im vergangenen Jahr an große US-Geldhäuser wie JPMorgan Chase, Wells Fargo, Citigroup und US Bancorp gewandt habe. "Die aktuelle Geschichte des "Wall Street Journal" behauptet fälschlicherweise, dass wir Finanzdienstleister aktiv nach Finanztransaktionsdaten fragen – das ist nicht wahr", erklärte ein Firmensprecher. 

Wie viele Online-Unternehmen arbeite Facebook mit Banken und Kreditkartenunternehmen zusammen, um Dienstleistungen wie Kundenchat oder Kontoführung anzubieten. Es sei einfacher, mit einer Bank über Facebook zu kommunizieren, statt am Telefon auf Informationen zu warten. "Wir benutzen die Bankdaten allerdings für nichts anderes – weder für Werbezwecke noch sonst irgendwas." Die Anwender könnten selbst entscheiden, ob sie diese Dienste nutzen wollten (Opt-in).

Laut einem Bericht des Onlineportals "Techcrunch" ermöglicht es Facebook etwa Citibank-Kunden in Singapur ihren Bankaccount mit dem des sozialen Netzwerks zu verknüpfen. Auf diese Weise können sie über den Messenger-Chatbot ihre Bank ansprechen, um beispielsweise den Kontostand zu überprüfen, Betrug zu melden oder Hilfe vom Kundenservice zu erhalten. Diese Chatbot-Integration startete in diesem März.  Facebook arbeitet auch mit dem Bezahldienst PayPal in mehr als 40 Ländern zusammen, Nutzer können so ihre Quittungen für Einkäufe über den Messenger abrufen.  

Facebook-Aktie mit Kursgewinn 

Das "Wall Street Journal" berichtete, Facebook habe in den Gesprächen mit den Banken auch nachgefragt, ob sie Informationen zur Verfügung stellen können, wo die Nutzer mit ihren Debit- und Kreditkarten einkaufen. Der Bericht verwies darauf, dass die Finanzwirtschaft Bedenken wegen der Datensicherheit habe. Gegen Facebook laufen nach dem Cambridge-Analytica-Skandal Ermittlungen, was die Gespräche erschwere und bereits eine Bank habe abwinken lassen.

Die Investoren reagierten positiv auf die Aussichten auf ein zusätzliches Dienstleistungsgeschäft. Der Aktienkurs von Facebook stieg am Montagabend an der New Yorker Börse Nasdaq um 4,45 Prozent, nachdem das Papier Ende Juli nach der Vorlage der jüngsten Quartalsergebnisse noch um rund 20 Prozent abgestürzt war.


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