Tests laufen bereits Künftig automatisch startende Videoclips im Facebook Messenger

Von dpa

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Bislang war der Facebook Messenger werbefrei – das soll sich nun ändern. Foto: dpaBislang war der Facebook Messenger werbefrei – das soll sich nun ändern. Foto: dpa

Menlo Park/Berlin. Zwischen Nachrichten von Freunden laufen künftig automatisch startende Videos - ausschalten kann man die Werbung nicht.

Der Facebook Messenger soll um Videowerbung erweitert werden. Erste Tests laufen bereits, dabei werden automatisch startende Videoclips abgespielt, wenn Nutzer durch ihre Nachrichten blättern. Das hat das Unternehmen gegenüber dem Onlinemagazin "Quartz" bestätigt. Die Werbung soll schrittweise für alle Nutzer aktiviert werden. 

Im Gegensatz zum eigentlichen Netzwerk Facebook und dem Fotodienst Instagram war der Messenger bislang weitgehend frei von Werbung. Wie Messenger-Werbechef Stefanos Loukakos gegenüber "Recode" erklärt, laufen seit rund 18 Monaten bei einer eingeschränkten Anzahl von Nutzern Experimente mit statischen Werbebannern. Bei diesen Tests habe es keine messbaren Veränderungen im Nutzerverhalten gegeben. Ob sich Nutzer von den neuen Werbevideos belästigt fühlen, will Facebook genau überwachen.

Werbung lässt sich nicht ausschalten

Im Fokus soll laut Facebook das Nutzererlebnis stehen. Was allerdings nicht heißt, dass Nutzer die Werbung ausschalten können. Wie in der regulären Facebook-App oder Instagram dürfte sich unpassende Werbung allenfalls im Einzelfall ausblenden oder melden lassen.

Der kostenlose Facebook Messenger ist eine der am häufigsten genutzten Chat-Apps weltweit. Werbefreie Alternativen gibt es aktuell mit – dem ebenfalls zu Facebook gehörenden – Whatsapp. Wobei auch hier unklar ist, ob es nicht doch eines Tages Werbeeinblendungen geben wird. Andere Alternativen sind zum Beispiel die Apps Signal (kostenlos, Android/iOS), Threema (rund 3 Euro, Android/iOS/Windows Phone) oder Wire (kostenlos (Android/iOS/Windows/Mac).

Verknüpfung von Angeboten gefordert

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) will sich derweil auf EU-Ebene dafür einsetzen, dass Verbraucher von Messengern wie WhatsApp aus auch mit Nutzern anderer Dienste kommunizieren können. Beim Mobilfunk sei das schon möglich, sagte Barley der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Beim Telefonieren auf dem Handy kann zum Beispiel der eine bei Vodafone sein und der andere bei der Telekom – das spielt keine Rolle, das merkt man nicht einmal." Bei den Messenger-Diensten wäre das technisch ebenso möglich, sagte sie. 

Es müsse künftig machbar sein, "dass zum Beispiel WhatsApp-Nutzer auch mit den Nutzern anderer Messenger-Dienste wie zum Beispiel Threema oder Signal kommunizieren können", sagte sie. "Das müsste man gesetzlich auf europäischer Ebene regeln und die Betreiber verpflichten, entsprechende Schnittstellen zu öffnen." Über diese Frage sei sie in Gesprächen mit ihren Amtskollegen aus anderen EU-Staaten und mit Vertretern der EU-Kommission.

"Wer in einer WhatsApp-Gruppe sein möchte hat keine andere Wahl, als diesen Messenger-Dienst zu installieren – egal was der Konzern mit den eigenen Daten macht", kritisiert Bundesjustizministerin Katarina Barley. Foto: dpa

Messenger-Dienste setzen zum Teil auf sehr unterschiedliche Protokolle und Verschlüsselungs-Systeme, was einen Datenaustausch grundsätzlich erschwert. So ist zum Beispiel Apples iMessage nur auf Geräten des iPhone-Konzerns verfügbar. Viele Dienste – wie unter anderem iMessage, WhatsApp oder Signal – arbeiten mit sogenannter Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, bei der Inhalte nur für Absender und Empfänger, aber nicht für den Dienst selbst im Klartext verfügbar sind. 

Nachrichten in Online-Messengern haben für viele Nutzer weitestgehend die SMS abgelöst. Bei SMS ist Kommunikation zwischen Netzen verschiedener Anbieter problemlos möglich. Zugleich gibt es aber auch keine Komplett-Verschlüsselung und per Gesetz sind Überwachungsmöglichkeiten für Sicherheitsbehörden vorgesehen.

"Man muss die Monopole aufbrechen"

Facebook spielt eine besonders starke Rolle in dem Markt mit seinen Diensten WhatsApp und Facebook Messenger, die jeweils mehr als eine Milliarde Nutzer haben.

"Man muss die Monopole aufbrechen, denn die führen dazu, dass ein Konzern machen kann, was er will", mahnte Barley. 

Bei den Messenger-Diensten gebe es bereits eine Vielzahl von Anbietern mit hohen Datenschutzstandards. "Wenn man das System öffnet und die verschiedenen Messenger-Dienste verknüpft, müssen sich Anbieter beim Datenschutz mehr anstrengen." Wer die Privatsphäre seiner Nutzer schütze, hätte so eine größere Chance am Markt. "Die große Herausforderung ist, dass die Sicherheitsstandards dabei nicht absinken – auf das Niveau des Anbieters mit den schlechtesten Datenschutzvorgaben."


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