Serifen: Die Zipfel des Anstosses Amazon ändert die Schriftart – Internet-Nutzer eskalieren

Meine Nachrichten

Um das Thema Digitale Welt Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Amazons neue Optik lässt das Netz aufschreien. Foto: imago/ZUMA PressAmazons neue Optik lässt das Netz aufschreien. Foto: imago/ZUMA Press

Hamburg. Der Versandhandel-Gigant Amazon testet zur Zeit eine neue Schriftart. Viele User sind damit nicht einverstanden.

Lexika-Hersteller dieser Welt hergehört: Die Bezeichnung Luxusproblem muss neu definiert werden. Im Internet regt sich aktuell starker Widerstand, weil der Versandhandel-Gigant Amazon eine neue Schriftart testet – mit Serifen. Oh nein!

Was ist passiert? Amazon führt derzeit ein sogenanntes A/B-Testing durch, bei dem den meisten Nutzern beim Durchstöbern des Internet-Versandhauses weiterhin die alte Schrift namens "Ember" angezeigt wird. So weit, so gut. Doch einigen Auserwählten wird eine neue Schriftart angezeigt. Es handelt sich dabei um die hauseigene "Amazon Bookerly“, die auch auf den E-Readern Kindle genutzt wird. 

Die Frage, die vielen offenbar durch den Kopf schießt: Bleibt das für immer so? Müssen sich Nutzer tatsächlich umstellen, an etwas Neues gewöhnen, Sehgewohnheiten ändern? *Kreisch*



Doch Moment mal: Schriftart? Serifen? Font? Serifenfont? Wo ist überhaupt der Unterschied? Aufschluss darüber geben die Experten auf typografie.info. Eine Schriftart ist eine zusammengehörige Menge von Schriftzeichen, mit gemeinsamer Struktur und Gestaltbasis. Das englische Wort für Schriftart ist aber nicht etwa Font, sondern typeface. 

Font wiederum leitet sich vom französischen fonte (der Guss) ab. Im Bleisatz wurde so ein zusammengehöriger Satz Bleilettern einer Schriftgröße bezeichnet, wie er üblicherweise in einem Setzkasten abgelegt war, heißt es bei typografie.info. Im Englischen wurde das Wort als fount bzw. font weiterbenutzt. 

Weiterlesen: DFB-Trikot: Beflockungen sorgen für Irritationen

Im Gegensatz zur Schriftart bezeichnet Font also nicht das Abbild einer Schrift, sondern das Material, mit dem die Schriftart gedruckt werden konnte. Seit dem Einsatz der Rechentechnik werden Schriften nicht mehr in Blei, sondern in eine Datei "gegossen", erklären die Schriftexperten. Dennoch ist diese Datei aber nach wie vor der Träger des Schriftbildes, nur dass er nun digital ist. Die Bezeichnung Font lag also nahe. Eine sinnvolle Übersetzung für Font wäre demnach etwa "digitaler Schriftträger", oder kurz "digitale Schrift".

Wir lernen also: Beide Begriffe – Schriftart und Font – sind in diesem Fall nicht falsch.

Mit höherer Auflösung kamen die Serifen ins Digitale

Serifen, das sind die kleinen Häkchen am Ende von Buchstaben, etwa bei Times New Roman oder Schreibmaschinenschrift wie Courier. Bei Texten, die vor allem am Monitor gelesen werden, war das dagegen lange verpönt. Heute ist das anders, weil die Auflösung von Displays in den letzten Jahren massiv gestiegen ist. 

Bleibt Amazons Serifenschrift auf Dauer?

Doch genug des technischen Exkurses und zurück zum eigentlichen "first-world-problem": Wie sollen Internetnutzer nur mit der neuen Schriftart umgehen? Das Computerfachportal "t3n" hat sich des Themas ebenfalls angenommen. Dort heißt es: "Es ist nicht wirklich klar, ob Amazon hier einen seiner vielfältigen A/B-Tests durchführt und die Änderung nur punktuell erprobt wird oder ob es sich um eine langfristig geplante Änderung handelt, die jetzt sukzessive umgesetzt wird."

Auch der Amazon-Watchblog (ja, den gibt es wirklich) schaut genau hin. "Die Gefühlslage schwankt zwischen Entsetzen, Hass und latenter Sympathie", heißt es dort. Recht hat die Autorin:



Aber wie es immer so ist: Über Geschmack lässt sich vortrefflich streiten. Hier eine Auswahl der Befürworter der neuen Amazon-Schrift:

Mehr Fürsprecher waren für den Moment nicht zu finden. 

Doch sind Serifen denn nun wirklich so schlimm? Oder fördern sie gar die Lesbarkeit von digitalen Texten? Die Kollegen von "t3n" haben sich die Sachlage genau angeschaut und herausgefunden: "Serifentragende Schriftarten sind nicht generell schneller oder besser lesbar als serifenlose, das hängt von der Schrift ab, nicht von der Serife."

Da wir uns kein abschließendes Urteil erlauben wollen, fragen wir einfach Sie:



Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN