Umstrittener Modellbausatz Nach Produktionsstopp: Nazi-Ufo für Kinder führt Bestseller-Listen an

Von Jakob Koch und dpa

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Das Ufo wird in der Produktbeschreibung wie ein Kriegsgerät aus der Zeit des Nazi-Regimes präsentiert. Foto: RevellDas Ufo wird in der Produktbeschreibung wie ein Kriegsgerät aus der Zeit des Nazi-Regimes präsentiert. Foto: Revell

Bünde. PR-Coup oder normaler Vorgang? Auf Amazon und Co. erklimmt das eigentlich gestoppte Spielzeug die Verkaufscharts.

Der Spiel- und Modellbau-Anbieter Revell kommt mit seinem umstrittenen Kinderprodukt nicht aus den Negativschlagzeilen: Das eigentlich gestoppte Nazi-Ufo, das offenkundig rechte Verschwörungstheorien bedient, hat für einen regelrechten Ansturm auf Online-Händler gesorgt: So wird es etwa bei Amazon in der Spielzeug-Sparte auf Platz eins geführt, mit dem Hinweis "Bestseller". Und auch auf Ebay finden sich mittlerweile zahlreiche Angebote zu dem Spielzeug - mit Preisen von mehr als 1000 Euro statt der ursprünglichen 50 Euro.

Hintergrund: Nach massiver Kritik an dem Produkt hatte Revell Anfang der Woche die Produktion und Auslieferung des Bausatzes gestoppt. Der Vorwurf: Das Ufo wird in der Produktbeschreibung wie ein Kriegsgerät aus der Zeit des Nazi-Regimes präsentiert, ohne dass dies belegt ist. Laut Hersteller ist der Bausatz für Kinder ab 12 Jahren geeignet. Revell hatte sich nach Aufkommen der Vorwürfe entschuldigt.

"Da wurde eine Mücke zum Elefanten gemacht"

Nun heißt es: Auf den massiven Nachfrageanstieg habe der Anbieter keinen Einfluss, sagte eine Sprecherin auf Anfrage unserer Redaktion. Da es sich um keinen Rückruf gehandelt habe, konnten bereits ausgelieferte Stückzahlen durch Händler wie Amazon weiter verkauft werden. Der Sprecherin zufolge sei zudem nicht Revell für den Ansturm verantwortlich, sondern die Medien: "Da wurde eine Mücke zum Elefanten gemacht." Man sei sicher: Das Publikum, das sich nun für das Produkt so stark interessiere, habe keinen rechtsradikalen Hintergrund - lediglich ein starkes Sammlerinteresse. Und überhaupt: Seit Jahren biete man militärhistorische Produkte an.

Bereits am Montag hatte der Anbieter eingestanden, dass die Existenz und Umsetzbarkeit des in seinen Worten "legendenumwobenen" und "außergewöhnlichen" Produkts nicht belegt sei. "Unser Verpackungstext bringt dies aber leider nicht adäquat zum Ausdruck, wir entschuldigen uns hierfür", hieß es in einer Stellungnahme des Unternehmens. Revell distanziere sich ausdrücklich von jeder Art der Verherrlichung von Kriegen und des Nationalsozialismus.

In den Sozialen Netzwerken fallen die Reaktionen auf die Entwicklung entsprechend aus:





Die „Reichsflugscheibe Haunebu“ steht seit Jahren im Fokus rechtsextremer Verschwörungstheoretiker. Auf dem Verpackungstext des Kindermodellbausatzes heißt es unter anderem: "1934 begannen die Arbeiten an den Rundflugzeugen. Ihr Antrieb und die Neutralisierung der Fliehkräfte im Innenraum erfolgten über Vril-Energiefelder. Flugfähige Exemplare der bis zu 6000 Km/h schnellen Haunebu II starteten Mitte 1943, kamen aber kriegsbedingt nicht über die Erprobungsphase hinaus."

Doch das fiktive Fluggerät existierte nie, wird in entsprechenden Kreisen aber als großartige Leistung von NS-Forschern gefeiert. SS-Kräfte seien damit nach Kriegsende zum Südpol geflogen und hätten dort eine uneinnehmbare Eisfestung errichtet, lautet eine der Theorien. 


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