Permanente Überwachung? Google und Amazon melden neue Patente für Sprachassistenten an

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Intelligente Lautsprecher könnten bald nicht nur auf Kommando Gesprochenes abhören. Foto: dpaIntelligente Lautsprecher könnten bald nicht nur auf Kommando Gesprochenes abhören. Foto: dpa

Osnabrück. Für manche sind Alexa und Siri bereits zu ihren besten Freundinnen geworden. Was ist aber, wenn die beiden einen auf Schritt und Tritt überwachen? Ist das bald die Zukunft?

Angenommen, man liegt krank im Bett, hustet, putzt sich die Nase – und ohne zu fragen schlägt Google einem direkt Taschentücher und Nasenspray vor. Oder man telefoniert gerade mit einem Bekannten, erzählt wie schön der Urlaub und wie lecker der Wein war – und prompt bekommt man Angebote für den nächsten Urlaub und Vorschläge für ein Weinabonnement.

So oder so ähnlich stellen sich Amazon und Google wohl bald Technologien vor. Wie die „New York Times“ berichtet, haben beide Unternehmen Patentanträge gestellt, in denen deutlich wird, welche Möglichkeiten sich durch die modernen Sprachassistenten bietet.

Dauerhafte Überwachung – ohne Sprachbefehl

Die beiden führenden Anbieter betonen zwar immer wieder, dass die Sprachassistenten nur dann einen Ton aufnehmen, wenn sie von Benutzern konkret dazu angewiesen werden – durch einen Knopfdruck oder Phrasen wie „Hey, Alexa“ oder „Ok, Google“. Laut der neuen Patente allerdings könnten Geräte wie smarte Lautsprecher oder Handys dauerhaft überwachen, was Nutzer gerade machen und sagen – auch ohne konkrete Anweisung an die Sprachassistenten – und so die persönlichen Interessen analysieren und für Werbung und Produktvorschläge nutzen, wie die Times schreibt.

So beschreibe Amazon in einem der angemeldeten Patente einen Algorithmus, der Sprache über alle möglichen Geräte in Echtzeit auf Schlüsselworte wie „mögen“ oder „gekauft“ analysiert. Google hingegen führe in einem Antrag auf, wie Audioüberwachung dabei hilft, zu erkennen, ob ein Kind Unfug treibt. Dabei würde über Sprachmuster und Intonation die Anwesenheit des Kindes erfasst und in einem weiteren Schritt auf Bewegungen, Flüstern oder Stille geachtet. Eltern könnten dann sogar einen der smarten Lautsprecher so programmieren, dass dieser das Kind verwarnt.

(Weiterlesen: Startschuss für die Ära des intelligenten Smartphones)

Beachtung der Privatsphäre

In einem weiteren Antrag von Google heißt es, anhand der Stimme – durch Lautstärke, Atmung oder eben Weinen – könne die Stimmung des Nutzers erschlossen werden. Und den Gesundheitszustand wolle man über husten, niesen und so weiter ermitteln.

Ein anderes Anwendungsbeispiel aus der Patenvorlage skizziert, wie Geräte beispielsweise im Kleiderschrank ein T-Shirt mit Will Smith darauf gedruckt erkennen könnten. Findet das Gerät dann auch noch im Suchmaschinen-Verlauf, dass der Nutzer kürzlich nach dem Schauspieler gesucht hat, könnte es Filmvorschläge geben wie: „Sie scheinen, Will Smith zu mögen. Sein neuer Film wird in einem Kino in Ihrer Nähe vorgeführt.“ All das soll allerdings unter Beachtung der Privatsphäre geschehen, da laut Antrag keine Daten außerhalb des privaten Netzwerkes gesendet werden.

In einer Erklärung teilte Amazon der New York Times mit, dass das Unternehmen Privatsphäre Ernst nehme und die Stimmenaufnahmen der Nutzer nicht für gezielte Werbung nutze. Es gehe mehr um vorausschauende Patente für jegliche Möglichkeiten von neuer Technologie und spiegele nicht die aktuellen Produktentwicklungen wider. Ähnliches formulierte auch Google in einer Mitteilung: „Aus unseren Patenanmeldungen sollten nicht unbedingt voraussichtliche Produktankündigungen gefolgert werden.“

Angst vor Datenmissbrauch und Abhören

Laut einer Umfrage des Bundesverbands Digitale Wirtschaft vom Oktober 2017 hat mehr als jeder zweite Deutsche der 1038 Befragten ab 16 Jahren bereits einen Sprachassistenten genutzt. Am beliebtesten ist dabei der Google Assistant (29 Prozent) und Siri von Apple (22 Prozent), dahinter liegen Cortana von Microsoft und Alexa von Amazon mit 14 bzw. zwölf Prozent. Auf welchem Gerät – also Smartphone, den Computer oder vernetzte Lautsprecher – wird dabei nicht differenziert. Allerdings könnte Amazon bei den Lautsprechern als Pionier mit dem Amazon Echo die Nase vorn haben. Deutlich später als Amazon brachte Google mit „Home“ seinen smarten Lautsprecher auf den Markt, Apples „HomePod“ soll noch im Frühjahr 2018 kommen.

Fast 80 Prozent gaben allerdings Bedenken bei der Nutzung der digitalen Helfer an, meist wegen befürchteten Missbrauchs der Daten sowie Überwachung und Abhören durch Andere. In einer weiteren Studie der deutschen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers machten sich dreiviertel der Befragten Sorgen darum, zum gläsernen Kunden zu werden, sprich: vollkommene Transparenz für die Anbieter.


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