Review zum Release: Im Bann der Sekte Far Cry 5 im Test für Xbox One: Waffen, Wahnsinn, wunderschön

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Osnabrück. Im fünften Teil der Far-Cry-Serie schickt uns Entwickler Ubisoft in den amerikanischen Staat Montana. Dort treibt eine mysteriöse Sekte ihr Unwesen. In der Rolle eines jungen Hilfssheriffs sollen wir die Fanatiker stoppen. Klingt eigentlich spannend, es wäre jedoch deutlich mehr drin gewesen in Far Cry 5.

Far Cry 5 beginnt mit einer Mission, die zum Scheitern verurteilt scheint. Wir unterstützen als junger Deputy, also Hilfssheriff, unseren Vorgesetzten und zwei Regierungsbeamte bei der Festnahme des Sektengurus Joseph Seed. Der charismatische, aber ebenso wahnsinnige Anführer der „Project at Eden‘s Gate“-Sekte ist der Antagonist in Far Cry 5. Und gleich am Anfang sollen wir ihn mitten in seinem Hauptquartier stellen. Vier Mann gegen gefühlt Hundert. Wir scheitern, und zwar spektakulär mit einem Hubschrauberabsturz irgendwo in den dichten Wäldern Montanas. Ein toller Auftakt für Far Cry 5. Nur zu schade, dass Ubisoft unsere anfängliche Motivation im Laufe des Spiels wegen einiger Schwächen nicht aufrecht halten kann.

Vereint gegen den „Vater“ in Far Cry 5

Wir geben Far Cry 5 also wieder einmal den Einzelkämpfer, suchen uns aber schnell Hilfe im von verrückten Sektenmitgliedern verseuchten Landstrich Hope County in Montana. Schließlich ist „Vater“ Joseph ja auch nicht alleine. Nach einiger Zeit stoßen wir etwa auf Dutch, dessen Insel wir in den ersten Spielstunden von den ungewollten Gästen befreien und der uns via Funk hilfreiche Tipps für die Jagd auf die Peggies, die Sektenmitglieder, gibt. Später hilft uns Hund Boomer oder wir heuern schießwütige Bürger an, um uns zur Seite zu stehen.

Aufgaben in Hülle und Fülle

An allen Ecken und Enden der Landkarte gibt es Aufgaben, etwa das Erklimmen eines Fernsehturms, um die Karte aufzudecken, das zerstören von Sekten-Außenposten oder die Suche nach einem Eingang zu einer Wasserversorgungsstation, in der besonders lukrative Beute wartet. Das macht zu Beginn Spaß, nach dem x-ten zerstörten Sekten-Nest aber sinkt die Laune.

Rasante Verfolgungsjagden: Die Kämpfe spielen sich in Far Cry 5 nicht nur auf dem Land, sondern auch in der Luft oder im Wasser ab. Foto: Ubisoft

Denn wofür das alles? Die Karte ist unterteilt in drei Gebiete: In einem herrscht John Seed, „der Täufer“, in dem anderen Jacob Seed, „der Soldat“, und in einem weiteren Faith Seed, „die Sirene“. Erfüllen wir in den Gebieten nun Missionen, gewinnen wir die Unterstützung der übrigen, nicht bekehrten Bewohner, und kommen somit einem Kampf gegen die Familienangehörigen des Sektenführers näher. Das kann, besonders in den kleinen Nebenmissionen, mitunter recht mühsam werden.

Spaßiger Trip durch Hope County

Aber: Wer will und seinen inneren Erkunder- und Rechtschaffenheitsdrang unterdrücken kann, widmet sich ganz den Storymissionen – und die sind fast immer gut gelungen. Zum einen wirken die Figuren in den geskripteten und gerenderten Zwischensequenzen deutlich lebhafter, als Gespräche oder Treffen mit Bürgern in Spielgrafik. Zum anderen machen die Missionen zumeist auch richtig Spaß. In der einen verfolgen wir einen Hubschrauber via Quad durch die (wunderschöne!) Landschaft Montanas, in der anderen liefern wir uns in einem Flugzeug einen Dogfight mit einem feindlichen Flieger. Wir befreien Plantagen, stehlen Autos (zurück) oder helfen einem Verschwörungstheoretiker auf der Suche nach Aliens.


Neben unseren computergesteuerten oder menschlichen Koop-Partnern können natürlich auch große Wummen bei den Missionen nicht schaden. Far Cry 5 bietet einige davon, die wir bei Händlern wahlweise mit Visieren, größeren Magazinen oder Schalldämpfern ausrüsten. Oder wir wählen den Weg des lautlosen Killers mit Messer und Bogen. Dafür belohnt uns das Spiel sogar mit extra Geld, von dem wir uns wiederum Kleidung, Sprengstoff oder aufgemotzte Geländewagen kaufen können.

Weiterlesen: Wann erscheint die Playstation 5 und wie sieht sie aus?

Mit den überdimensionierten Karren à la Dodge Ram fahren wir durch die wunderschöne Landschaft von Far Cry 5 – dem großen Pfund des Spiels. Teilweise fühlen wir uns wie im Abenteuerurlaub inmitten bildschöner Wälder oder an malerischen Flüssen. Auch die Städte, Dörfer und Hütten sind voller Details. Die KI-gesteuerten Charaktere machen die Welt lebendig. Geskriptete Ereignisse wie Überfälle von Sektenmitgliedern auf Familien bringen Abwechslung und Spannung nach Hope County.

Neben der bombastischen Grafik (selbst auf der normalen Xbox One) punktet Far Cry 5 mit einem tollen Soundtrack, einer gelungenen Geräuschkulisse (Rauschen im Walde) und direkter Steuerung. Letztere so wie man es aus Far-Cry-Spielen wie Primal oder dem vierten Teil noch kennt. (Weiterlesen: Jugendschutz und Computerspiele: Was macht die USK?)

Fazit zu Far Cry 5

Far Cry 5 ist ein technisch gut gelungener, wunderschöner Shooter mit ambitioniertem Plot. Doch man wird das Gefühl nicht los, dass Ubisofts Autoren einfach zuviel wollten. Verschwörungstheoretiker, Prepper, mysteriöse Sekte mit Hang zum Wahnsinn: Auf dem Papier steckt viel drin in Far Cry 5, dessen Themen jedoch weitestgehend oberflächlich angepackt werden. Es fehlt schlicht der Tiefgang. Da, wo Ubisoft sich an reale Geschichten über Prepper und Sektengurus anlehnt, hätte es in Zeiten von Schulmassakern und Demonstrationen gegen Waffengewalt gutgetan, dem ganzen (vermeintlichen) Wahnsinn einen Spiegel vorzuhalten, Kritik zu üben, zu hinterfragen. So bleibt Far Cry 5 (nur) ein guter Shooter. Ein gutes Spiel.


Far Cry 5 von Ubisoft Montreal ist ein Actionspiel für Xbox One, Playstation 4 und Windows PCs. Es kostet etwa 50 Euro und ist freigegeben ab 18 Jahren. Ubisoft hat uns eine Rezensionsversion zur Verfügung gestellt.

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