Datenschützer warnt Facebook-App: „Sicherheitsfunktion“ gibt sämtliche Nutzerdaten weiter

Meine Nachrichten

Um das Thema Digitale Welt Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück/Hamburg. Facebook Protect – dieser Dienst in der Facebook-App soll Nutzer nach Angaben des Unternehmens beim Surfen im Netz schützen. Tatsächlich bekommt Facebook dadurch Zugang zu allem, was auf dem Endgerät passiert. Auch Nutzer ohne Facebook-Konto sind betroffen.

Als Zusatzservice ist „Protect“ bereits seit 2016 in Facebooks Android-App verfügbar, seit Anfang 2018 wirbt das soziale Netzwerk in der Facebook-App für Apples iOS dafür, den Dienst zu aktivieren. Hinter „Protect“ steckt die Firma Onavo, ein Anbieter für „Virtual Private Network“ (VPN), der seit 2013 zu Facebook gehört. Ein virtuelles privates Netzwerk ist grundsätzlich nichts Schädliches: Nutzer stellen darüber eine sichere und abgeschottete Verbindung zum Internet her, die wie ein privater Tunnel funktioniert. Wie andere VPN-Anbieter wirbt auch Onavo damit, dass Nutzer mit „Protect“ anonym und sicher im Internet surfen – allerdings sammelt Onavo die Daten der Anwender und gibt sie an Facebook weiter.

Datenschutzbeauftragter warnt

„Mit dem Austausch der Daten erhält Facebook Einblick in die gesamte Internetaktivität des Endgeräts. Facebook wird es möglich, sämtliche Kommunikationswege nachzuvollziehen“, sagte der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar unserer Redaktion. Das gelte unter anderem für Banking-Apps oder die Aktivitäten im Internetbrowser. (Weiterlesen: Im Test – Das iPhone 8 Plus kann einem fast leidtun)

Facebook Protect: Diese Daten sammelt Onavo

Die Liste der von Onavo gesammelten Daten ist lang. Unter anderem gehören dazu:

  • Personenbezogene Daten und Daten von Partnern und Drittanbietern, die Informationen über den Nutzer liefern
  • Inhalte von Chats und sonstiger Kommunikation
  • die besuchten Webseiten
  • die installierten Apps und wie sie genutzt werden
  • die IP-Adresse
  • den Standort des Nutzers
  • das Gerät, das Betriebssystem und den Netzanbieter.

Die Problematik liege in erster Linie darin, dass Facebook es für rechtmäßig halte, die Daten von Nutzern mit konzerneigenen Unternehmen wie Onavo auszutauschen, so Caspar. Zu Facebook gehören neben Onavo unter anderem Whatsapp und Instagram. Durch Vermengung der gesammelten Daten kann das soziale Netzwerk ein immer präziseres Profil eines Nutzers erstellen und mit diesen Daten Geld verdienen. Diese Auffassung kritisiert der Datenschutzbeauftragte Caspar seit Langem. Weil Facebook seinen Deutschlandsitz in Hamburg hat, ist er bundesweit für Facebook zuständig. Caspar rät Nutzern davon ab, „Protect“ zu installieren. (Weiterlesen: Google Pixel 2 im Test – Fotomonster in fadem Gewand)

Onavo liefert auch Daten von Nicht-Mitgliedern

Erez Naveh, Produktmanager bei Onavo, sagte auf Nachfrage, dass man vor der Installation des Services offen darlege, welche Daten das Unternehmen sammle und wie es diese verwende. Man tue das, um den eigenen Service und den Facebooks zu verbessern. Allerdings: Dadurch, dass per Onavo unter anderem Inhalte und Adressaten von Chats und E-Mails ausgelesen werden, bekommt Facebook auch Informationen über Menschen, die gar nicht bei dem sozialen Netzwerk angemeldet sind.

Nutzer, die nicht auf Facebook verzichten wollen, können als Alternative zur App die Facebook-Webseite nutzen. Dadurch liefern Nutzer dem sozialen Netzwerk weniger persönliche Daten und schonen außerdem den Akku.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN