Soziales Netzwerk Trend-App Vero: Wirklich besser als Instagram?

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Vero soll das bessere Instagram sein, meinen einige Nutzer. Foto: VeroVero soll das bessere Instagram sein, meinen einige Nutzer. Foto: Vero

Osnabrück. Das soziale Netzwerk Vero erlebt derzeit großen Zulauf, für einige Nutzer ist es sogar das bessere Instagram. Besonders verlockend: Die App sammelt keine Daten. Doch Vero hat zwei große Probleme.

In der App Vero bearbeiten iOS- und Android-Nutzer Fotos und Videos mit Filtern und Effekten und versehen sie nach Belieben mit Kommentaren oder den aus Twitter bekannten Sammelbegriffen „Hashtags“ per Rauten-Zeichen. Doch in Vero sollen Nutzer nicht nur die optisch spektakulären Momente ihres Leben mit anderen teilen.

Neben Fotos und Videos können Anwender Bilder von Plattencovern, Büchern, Film- oder Serienpostern empfehlen – oder davon abraten. Außerdem können sie Links zu Webseiten oder den eigenen Standort teilen. Zudem gibt Vero den Anwendern offensichtlich viel Kontrolle über jeden Beitrag. (Weiterlesen: Warum Smartphones bei Kälte ausgehen – und was dagegen hilft)

Vier Nutzer-Kategorien

Vor jeder Veröffentlichung legen Nutzer fest, wer den Inhalt zu sehen bekommt. Dafür gibt es vier Kategorien: enge Freude, Freunde, Bekannte und Follower. Der eigene Zeitstrahl zeigt Inhalte von anderen Vero-Nutzern, die mit einem Herz versehen oder kommentiert werden können. Und: Alles wird chronologisch angezeigt; anders als bei Facebook und Twitter, die in ihren Nachrichten-Feeds seit Längerem auf Algorithmen setzen, die bestimmte Beiträge hervorheben und andere verbergen. In Summe nennen die Hersteller das Ergebnis „wahrlich sozial“. Positiv fällt auf: Die Bedienung ist übersichtlich, die Optik der App ansprechend. Doch noch hat der Dienst ein grundsätzliches Problem.

Das übliche Schicksal der Facebook-Killer?

Wie viele andere Alternativen zu Facebook, Whatsapp und Instagram zuvor – darunter unter anderem Peach, Line oder Ello –, ist die Zahl der in Vero aktiven Freunde oder Prominente vergleichsweise gering. Der Dienst, den es seit Sommer 2015 gibt, hat die Millionengrenze bei den Nutzern noch nicht durchbrochen. Zum Vergleich: Platzhirsch Instagram hat weltweit rund 800 Millionen aktive Nutzer pro Monat, davon rund 17 Millionen in Deutschland. Doch Vero hat noch ein anderes Problem – und das fällt unter die Rubrik hausgemacht.

Vero-Server oft überlastet

Vero hat derzeit ein großes Problem in Sachen Zuverlässigkeit und Leistung. Der jüngste Nutzeransturm bringt die Vero-Server regelmäßig an ihre Grenzen. In diesen Fällen reagiert die App kaum, Suchanfragen bleiben ergebnislos, geteilte Inhalte werden nur mit Verzögerung veröffentlicht und ab und an ist die Anmeldung nicht möglich. Dafür wirbt Vero mit deutlich mehr Datensicherheit als die Konkurrenz. (Weiterlesen: WhatsApp ermöglicht Löschen von gesendeten Nachrichten – so geht’s)


Vero fordert Handynummer

Marktführer Instagram gehört seit 2012 zu Facebook – und der Mutterkonzern lebt davon, Daten über seine Nutzer zu sammeln und daraus Kapital zu schlagen. Vero betont dagegen, dass die Nutzer dort nicht das Produkt seien. Die Server stehen in Großbritannien. Für die Anmeldung müssen Nutzer jedoch ihre Handynummer und E-Mail-Adresse angeben. Das hat bereits Kritik hervorgerufen, dient laut Hersteller jedoch als erhöhter Schutz vor unerwünschten Zugriffen Dritter. Weiterer Kritikpunkt: Vero möchte die gespeicherten Kontakte durchsuchen, um mögliche Freunde auf der Plattform zu finden – dem müssen Anwender aber nicht zustimmen, sondern können alternativ Freunde und Bekannte einladen.

Der Dienst ist für die erste Million Nutzer lebenslang kostenlos, danach will sich das soziale Netzwerk über „eine geringe, jährliche Gebühr“ finanzieren, deren Höhe derzeit nicht bekannt ist. Eine weitere Einnahmequelle sind Verkaufsgebühren für Firmen oder Nutzer, wenn sie in ihren Beiträgen Produkte anbieten.

Hat Vero eine Zukunft?

Über den langfristigen Erfolg Veros werden zwei Dinge entscheiden: Zum einen, ob der Dienst jetzt schnell viele Nutzer gewinnen und binden kann. Zum anderen wird es spannend zu sehen, ob Anwender bereit sind, für ein fast schon vergessenes Erlebnis von sozialen Medien zu zahlen – frei von Fremdentscheidungen durch Algorithmen, was Nutzer sehen und was nicht.


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