Digitaler „Sumpf“ Unilever droht Facebook und Google mit Werbestopp

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Will eine grüne, nachhaltige Strategie fahren: Der niederländisch-britische Verbrauchsgüterkonzern Unilever will Werbung auf Facebook und Google einstellen, sollten dort weiterhin Fake-News und Hate-Speech verbreitet werden. Foto: imago/Hollandse HoogteWill eine grüne, nachhaltige Strategie fahren: Der niederländisch-britische Verbrauchsgüterkonzern Unilever will Werbung auf Facebook und Google einstellen, sollten dort weiterhin Fake-News und Hate-Speech verbreitet werden. Foto: imago/Hollandse Hoogte

Osnabrück/Washington. Ein Riese der Werbebranche legt sich mit zwei anderen Konzernriesen an: Unilever droht Facebook und Google, keine Werbung mehr auf ihren Plattformen zu schalten.

Es geht um milliardenschwere Werbeverträge, die aufgelöst werden sollten, sollten Facebook und Google nicht den „Sumpf“ auf ihren Plattformen trockenlegen. So bildlich beklagt Unilever-Marketingchef Keith Weed die Transparenz der Digitalkonzerne. Das geht aus dem Manuskript seiner Rede hervor, das dem US-Sender CNN vorliegt.

Demnach drohte Weed bei einer Werbekonferenz am Montag, Unilever werde nicht mehr für seine Produkte auf den Portalen werben, sollte es dort weiterhin Inhalte geben, die die gesellschaftliche Spaltung fördern oder den Jugendschutz missachten. Posts, die Hass und Ärger schüren, zerstören Weed zufolge das Vertrauen der Nutzer in digitale Inhalte. Dies sei nicht im Interesse der Werbetreibenden und gefährde überdies die Demokratie. „Fake-News, Rassismus, Sexismus, Terroristen, die Hassbotschaften verbreiten, gefährliche Inhalte, die sich an Kinder richten – wir sehen uns mit Themenbereichen des Internets konfrontiert, die eine Million Meilen von dem entfernt sind, was wir uns ausgemalt haben“, zitiert der britische „Guardian“ Weed.

Zentrierte Marktmacht

Unilever verfolgt laut Weed eine Nachhaltigkeitsstrategie, die auch das digitale Handeln einschließt. Der Konzern wolle verstärkt in „verantwortungsvolle Plattformen“ investieren, die einen „positiven Effekt auf die Gesellschaft“ haben. Unilevers jährliches Werbebudget umfasst CNN zufolge rund acht Milliarden Euro.

Facebook und Google dominieren mit ihrer großen Reichweite den Anzeigenmarkt im Internet. Experten schätzen, dass sie 2017 den Erlös von mindestens 60 Prozent aller Online-Anzeigen eingestrichen haben. Die Daten- und Marktmacht der Konzerne steht seit Längerem in der Kritik.

Um das Problem mit Fake-News einzudämmen, hat Facebook Initiativen angekündigt. Zum Beispiel will Facebook dieses Jahr 10.000 Mitarbeiter einstellen, die hetzerische Beiträge aufspüren und löschen.

Facebook verliert Nutzer

Eine andere Neuerung hat Facebook jüngst einen reichweitenstarken Nutzer gekostet: Brasiliens größte Tageszeitung „Folha de São Paulo“, mit rund sechs Millionen Nutzern auf Facebook, hatte vergangene Woche angekündigt, dort keine Inhalte mehr zu posten. Grund sei die Entscheidung Facebooks, auf den Startseiten der Nutzer mehr Beiträge von Freunden zu zeigen, statt Inhalte von Medien und Unternehmen. Dies verstärke die Tendenz, dass Nutzer nur Beiträge konsumierten, die ihre eigene Meinung widerspiegeln, argumentiert die Zeitung.

Außerdem verliert Facebook weiter an Popularität bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen: Das Marktforschungsunternehmen eMarketer hat diese Woche prognostiziert, dass die Zahl der Nutzer im Alter zwischen 18 und 24 Jahren in den USA 2018 erstmals zurückgehen wird – und zwar um 5,8 Prozent. Bei den Zwölf- bis 17-Jährigen werde erstmals weniger als die Hälfte Facebook nutzen. Die jungen Nutzer seien eher bei den boomenden Diensten Snapchat und Instagram unterwegs.

(Mit AFP und dpa)


Unilever

Unilever ist ein niederländisch-britischer Konzern und der weltweit größte Hersteller von Verbrauchsgütern, wie Lebensmittel, Kosmetik und Haushaltsprodukte. Seine Wurzeln hat das Unternehmen im 19. Jahrhundert, als eine Margarinenfabrik und eine Seifenfabrik fusionierten. Bekannte Marken aus dem Unileverhaus sind Dove, Rexona, Magnum, Persil, Ben & Jerry’s, Rama, Langnese, Pfanni und Bertolli. Unilever hat nach eigenen Angaben weltweit rund 170.000 Mitarbeiter und verbuchte 2016 einen Umsatz von rund 50 Milliarden Euro.

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