Immer eine gewisse Eleganz Alsarah & The Nubatones bringen ostafrikanischen Retro-Pop nach Bremen

Alsarah arbeitet sich in Bremen auch an komplexen Themen ab – ohne belehrend zu wirken. Foto: Axel WemheuerAlsarah arbeitet sich in Bremen auch an komplexen Themen ab – ohne belehrend zu wirken. Foto: Axel Wemheuer

Bremen. Aus der Geschichte der Band Alsarah & The Nubatones, die am Mittwochabend im Schlachthof in Bremen gastierte, lässt sich ohne Weiteres eine kleine Geschichte der musikalischen Globalisierung skizzieren: Die Sängerin Alsarah ist neben Sinkane vielleicht die bekannteste sudanesisch-stämmige Musikerin, die in Brooklyn lebt und arbeitet.

Sie beschreibt ihre Musik als ostafrikanischen Retro-Pop. Ihre Stimme ist unter anderem auf dem großartigen Album „Wondem“ von Dexter Story zu hören, einem in Los Angeles lebenden Musiker, der sich auf besagter Platte ebenfalls ostafrikanischen und vor allem äthiopischen Klängen widmet. Unter den Gästen auf „Manara“, dem im vergangenen Jahr erschienenen zweiten Album von Alsarah & The Nubatones, ist unter anderem die us-amerikanische Violinistin Marandi Hostetter zu hören, deren Schwester Kaethe in Addis Abeba und den USA eine Reihe musikalischer Projekte betreibt, die äthiopische Musik mit westlichen Einflüssen verbinden.

Musik mit und ohne soziale Bezüge spannend

Auch in ihren Ansagen nimmt Alsarah, aufgewachsen in Khartum, mit ihren Eltern nach Jemen und später in die USA migriert, immer wieder Bezug auf ihre sudanesische Herkunft, Fragen der Identität, die politische Situation – allerdings ohne dabei belehrend zu wirken. Die Musik der Nubatones ist aber auch ohne diese sozialen Bezüge spannend. In ihr verbinden sich nicht nur ostafrikanische und westliche Pop-Kultur. Sudan ist an sich schon ein kultureller Schmelztiegel, Stile aus Nachbarländern wie Kenia, Äthiopien, Uganda und Ägypten, aber auch die Kolonialmächte und westliche Stile wie Rhythm‘n‘Blues, Funk, Soul und Rock hinterließen in der sudanesischen Musik ihre Spuren.

Groovender Sound mit gewisser Eleganz

Wer also auf der Suche nach so etwas wie Authentizität ist, liegt bei dieser Band zumindest ein bisschen falsch. Alsarah und ihre Begleiter Rami El Aasser (Schlagzeug), Mawuena Kodjovi (Bass), Brandon Terzic (Oud) und Alsarahs Schwester Nahid (Gesang) verbinden die verschiedenen musikalischen Stränge zu einem mal elegischen, mal vehement groovenden Sound, der sich immer eine gewisse Eleganz bewahrt, wobei vor allem der Harmoniegesang der beiden Schwestern betört.


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