Muttersprache Live 2017 Sarah Connor feiert umjubeltes „Heimspiel“ in Bremen

Von Eyke Swarovsky


Bremen. Die gebürtige Delmenhorsterin Sarah Connor hat am Sonntagabend ein fulminantes Heimspiel in der ausverkauften Bremer ÖVB-Arena gefeiert. Sie lieferte ein Konzert nahe an der Perfektion.

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass Sarah Connor die ÖVB-Arena mit Ihrer „Muttersprache-Live-Tour 2016“ komplett füllte. Am Sonntagabend stand nun der Zusatztermin an – und wieder kommen Tausende, um die Ex-Delmenhorsterin live zu erleben. Die Halle ist gefüllt bis unters Dach.

Special Guest Henning Wehland

„Sarah Connor & Special Guest“ steht auf den Eintrittskarten. Schnell ist klar, wer dieser „Special Guest“ sein wird. Auf der Bühne hängt das Transparent „Der Letzte an der Bar“, der Album-Titel von Henning Wehland. Fans dürfen sich also schon vor dem Konzert auf Connors aktuellen Hit „Bonnie & Clyde“ als „echtes“ Duett freuen.

Nach einer halben Stunde Musik von Wehland und einer weiteren halben Stunde Funk und Soul à la Jackson Five vom Band betritt der Star des Abends die Bühne. Zunächst noch von einem großen schwarzen Vorhang verhüllt, fällt dieser schließlich und gibt den Blick auf das beeindruckende Bühnenbild frei. Eingerahmt von samtigen Vorhängen besteht die gesamte Rückseite aus einer gigantischen Videoleinwand, die die Bühne alle paar Minuten neu verwandelt.

Textsicheres Publikum

Mit den drei Titeln „Halt mich“, „Anorak“ und „Deutsches Liebeslied“ bilden Sarah Connor und das Publikum schon zum Start eine Einheit. Die Fans sind absolut textsicher, was sie in diversen Call-and-Response-Spielchen beweisen. „Das ist ein total verrückter Film, der bei mir gerade läuft“, erzählt Connor und meint damit die Geburt ihres vierten Kindes, Jax Llewyn, das erst im Januar zur Welt gekommen ist. „Das ist gerade ein Leben zwischen Bühne und Milchpumpe. Deshalb ist hier auch nach zwei Stunden Schluss. Dann muss ich wieder ran“, erzählt sie frei heraus und erntet dafür zahlreiche Lacher und Applaus.

Intime Atmosphäre begeistert

Diese lockere Atmosphäre zwischen Sarah Connor und dem Publikum ist es, was diesen Konzertabend zu etwas Besonderem macht. Um einen herum stehen und sitzen tausende Menschen und doch fühlt es sich zwischendurch an, als würde man mit ein paar Freunden bei Connor im Wohnzimmer sitzen. Immer wieder plaudert der in Delmenhorst aufgewachsene Popstar mit der Menge, holt zweimal sogar Fans für Selfies auf die Bühne, verteilt ihre Getränke in der ersten Reihe (und fragt dabei „braucht ihr sonst vielleicht noch was? Kann ich euch noch irgendwas bringen?“), und gibt sich dabei so nahbar wie kaum ein anderer Musiker dieses Formats.

Medley durch vergangene Zeiten

Im zweiten Set startet Connor eine Zeitreise in vergangene Tage. Songs wie „Let‘s get back to bed, boy“, „Bounce“, „From Zero to Hero“ verpackt Connor in einem tanzbaren Medley, das schließlich in „From Sarah with Love“ endet. Niemand sitzt mehr, die ganze ÖVB-Arena tanzt mit. Und trotzdem wird klar: Hier steht heute Abend eine andere Sarah auf der Bühne als damals. Eine reife und gefestigte Frau, die die Musik und ihren Job als Mutter gleichermaßen liebt.

Schirmmützen für Bonnie & Clyde

Sarah Connor ist mit ihrem Album „Muttersprache“ im Deutschen angekommen und so geht auch der Abend mit Ausnahme von ein paar englischen Cover-Songs ihrer Lieblingskünstler auf Deutsch weiter. Bei „Bonnie & Clyde“ kommt Henning Wehland zur Freude des Publikums noch einmal auf die Bühne. Ein Fan schmeißt ihnen zwei Basecaps zu. Auf der einen ist „Bonnie“ aufgestickt, auf der anderen „Clyde“. Connor fragt verblüfft: „Das ist ja cool. Dürfen wir die behalten?“ Dann setzen die beiden mit neuer Kopfbedeckung zum Duett an und verzaubern die Zuhörer.

Nah an der Perfektion

Publikum und Künstlerin ist die Freude an diesem Konzertabend deutlich anzumerken. Spricht Connor, sind die Fans so fokussiert, dass man eine Stecknadel fallen hören könnte (Connor: „Wenn ich mal Ruhe brauche, komme ich in die ÖVB-Arena – das ist ja Wahnsinn!“), singt sie, klatschen, singen und feiern alle mit. Dabei präsentiert sich Connor an diesem Abend ganz nah an der Perfektion. Sie singt so sauber, wie man es von der Platte kennt. Jeder Ton sitzt genau dort, wo er hinkomponiert wurde. Wenn man hier etwas zum Meckern sucht, kann man höchstens sagen, dass es fast schon zu gut ist. Die Band tut ihr Übriges. Das alles in Verbindung mit der grandios choreografierten Lichtshow macht den Abend zu einem Erlebnis, das sein Eintrittsgeld wert ist. Und so dürfte am Sonntag nach vier Titeln Zugabe und knapp über zwei Stunden Show jeder Konzertbesucher zufrieden nach Hause und Sarah Connor zufrieden an die Milchpumpe gegangen sein. Ein absolut gelungenes Heimspiel.