Airbus-Modul für Orion-Mission Von Bremen aus zu Mond, Mars und Asteroiden

Von Karsten Grosser


Bremen. Wenn Astronauten das nächste Mal in Richtung Mond fliegen, dann ist daran ganz erheblich ein norddeutsches Unternehmen beteiligt. Airbus Bremen baut das Servicemodul ESM für die erste bemannte Mission mit dem neuen NASA-Raumschiff Orion. Einen entsprechenden Vertrag unterzeichneten am Donnerstag das Raumfahrtunternehmen Airbus Defense and Space und als Auftraggeber die Europäische Raumfahrtagentur ESA in Bremen.

Es naht eine neue Ära in der Historie der Raumfahrt: Eine für das Jahr 2021 geplante Raumfahrt-Mission soll Geschichte schreiben und Menschen so weit ins All bringen wie noch nie zuvor. Erstmals sind dann auch Europäer an der Entwicklung eines Raumschiffs beteiligt, das Menschen in den Weltraum bringen kann. Entsprechende Vereinbarungen hatten zuvor schon die US-amerikanische Raumfahrtbehörde NASA und die ESA getroffen. Nun beauftragte die ESA mit Airbus DS das weltweit zweitgrößte Raumfahrtunternehmen, das Servicemodul ESM für das Raumschiff Orion zu bauen. Auftragswert: rund 200 Millionen Euro.

Ein Schlüsselelement des Orion-Raumschiffs

ESM – die Abkürzung steht für Europäisches Servicemodul. Es wird unter der Crew-Kapsel angedockt, ist für Antrieb, Energie und Wärmekontrolle zuständig und wird die Astronauten in der Kapsel mit Wasser und Sauerstoff versorgen. Damit ist es ein Schlüsselelement des neuen NASA-Raumschiffs. Orion wird derzeit entwickelt und getestet, um Flüge ins All über den erdnahen Orbit hinaus zu ermöglichen. Ziele sind der Mond, der Mars und Asteroiden.


Mit deutschen Astronauten an Bord?

Einen ersten Testflug ohne ESM-Modul gab es bereits im Jahr 2014. Im kommenden Jahr soll Orion erstmals mit einem ESM abheben – allerdings unbemannt. Das erste Servicemodul wird bereits in Bremen gebaut; der Vertrag über einen Auftragswert in Höhe von 390 Millionen Euro war im November 2014 unterzeichnet worden. Die zweite Mission mit dem nun georderten zweiten ESM soll im Jahr 2021 vier Astronauten in Richtung Mond fliegen. Möglicherweise an Bord: einer der deutschen ESA-Astronauten Alexander Gerst und Matthias Maurer .

„Das Raumschiff lässt mich träumen“

Maurer, der erst kürzlich in das europäische Astronautenkorps aufgenommen wurde, sagte in Bremen: „Das Raumschiff lässt mich träumen, Bestandteil einer Mission zum Mond oder darüber hinaus zu werden.“ Auch David Parker, ESA-Direktor für bemannte Raumfahrt und robotische Exploration, malte Visionen: „Auf der Raumstation ISS leben bereits Astronauten über unseren Köpfen. Aber was wäre, wenn Menschen auch in einer um den Mond kreisenden Station leben könnten?“ Maurer zeigte in einer Präsentation auch die Möglichkeit, eine Station direkt auf der Mondoberfläche zu bauen.

„Meilenstein für die Entwicklung der europäischen Raumfahrttechnologie“

„Das ist ein sehr emotionaler Tag“, sagte der Leiter des Airbus Raumfahrt-Standortes in Bremen, Oliver Juckenhöfel, der für bemannte Raumfahrt und Weltraumerforschung zuständig ist. Für ihn werde auch ein Traum wahr. Jürgen Schlutz vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sprach von einem Meilenstein für die Entwicklung der europäischen Raumfahrttechnologie.

Regierender Bürgermeister sieht Ruf Bremens als Raumfahrtstadt gefestigt

„Wir setzen mit diesem Folgeauftrag unsere Unterstützung für die bahnbrechende NASA-Mission in die Tiefen des Alls mit hoher Motivation weiter fort“, teile Nicolas Chamussy als Leiter Space Systems bei Airbus DS mit. Und Bremens Regierender Bürgermeister Carsten Sieling sieht in der Vergabe des Auftrags an die Weser den Ruf Bremens als Raumfahrtstadt untermauert. Die Zusammenarbeit zwischen NASA und ESA habe eine neue Qualität erreicht, die nur zwischen Partnern möglich sei, die sich gegenseitig vertrauen.

Mehr als 20.000 Teile und Komponenten

Nach Angaben von Airbus werden in ein ESM mehr als 20.000 Teile und Komponenten gebaut – von elektrischer Ausrüstung bis zu Raketentriebwerken, Solarpaneelen, Tanks für Treibstoff und Lebenserhaltungsmaterial sowie hunderte Meter Kabel und Röhren. Das zylindrische Servicemodul mit einem Durchmesser von rund vier Metern kann nur einmal verwendet werden. Bei Rückkehr des Orion-Raumschiffs wird das ESM von der Kapsel abgetrennt, sodass es beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglüht. Die Kapsel indes wird von Fallschirmen gebremst und landet im Meer – wie einst die Kapsel beim Apollo-Programm.

Neue Rakete der NASA: Space Launch System

Seit Ende des Apollo-Programms haben Astronauten den erdnahen Orbit nicht mehr verlassen. Von Neil Armstrong bis Eugene Cernan hatten zwischen 1969 und 1972 zwölf US-Astronauten den Mond betreten. Die für diese Missionen von Wernher von Braun maßgeblich mitentwickelte Saturn-V-Rakete gilt noch bis heute als stärkste Rakete der Welt. Doch die Ablösung steht quasi parat: Das neue Space Launch System (SLS) der NASA wird Raumschiffe deutlich weiter ins All befördern können als alle Raketen bislang. So soll die erste Orion-Mission bis mehr als 64.000 Kilometer hinter den Mond führen; der Mond selbst ist durchschnittlich rund 384.000 Kilometer von der Erde entfernt. Juckenhöfel sagte, er glaube grundsätzlich, dass Orion in einer etwas erweiterten Konfiguration auch zum Mars fliegen könne. Der ist allerdings deutlich weiter von unserem Planeten entfernt als der Mond: durchschnittlich 228 Millionen Kilometer.

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