Suchmaschine „Spaactor“ Google bekommt Konkurrenz aus Bremen

Von Rieke Klotz

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Christian Schrumpf, Erfinder von der Spracherkennungs-Suchmaschine Spaactor glaubt an den Erfolg seines Produkts. Foto: SpaactorChristian Schrumpf, Erfinder von der Spracherkennungs-Suchmaschine Spaactor glaubt an den Erfolg seines Produkts. Foto: Spaactor

Bremen. Konkurrenz für die Suchmaschine Google aus Bremen: Sie heißt „Spaactor“ und wurde von Christian Schrumpf entwickelt. Die Online-Suchmaschine findet gesprochenes Wort in Video- oder Audiodateien wieder.

„Durch automatisierte Spracherkennung gibt es viel mehr Treffer“, sagt Schrumpf, der mit seinem Produkt durchstarten will.

Idee kam im Alltag

Schrumpf wollte seinem Kumpel einen Radiobeitrag empfehlen, den er beim Autofahren gehört hatte. Irgendwann so zwischen 12 Uhr und 15 Uhr lief der. War’s auf SWR1 oder doch Deutschlandfunk? Ohne richtiges Schlagwort war der Sendebeitrag nicht mehr auffindbar. Dafür muss es doch eine Suchmaschine geben, dachte sich der Diplom-Informatiker und bastelte zusammen mit seinem Freund Thorsten Schoop (55) eine automatische Spracherkennung für Video- und Audiodateien.

Bislang täglich 1000 Suchanfragen

Seine Internetseite „ www.spaactor.com “, die wie die Suchmaschine Google funktioniert, findet in einer Datenbank mit mehr als 500 000 Sendungen jedes gesprochene Wort. „Das Besondere an Spaactor ist, dass sich die Suche eben nicht nur auf den sogenannten Teasertext oder die Titelzeile des Videos beschränkt, sondern auch die Originalzitate von Prominenten und Politikern findet“, erklärt Schrumpf. Ein Jahr hat der 37-Jährige mit einem kleinen Team an der Suchmaschine gearbeitet. Seit September 2016 ist Spaactor nun online und hat täglich 1000 Suchanfragen – Tendenz steigend. Die am häufigsten gesuchten Begriffe sind momentan Angela Merkel, Obama, Erdogan und Donald Trump.

Suche in allen öffentlichen Dateien

Alle öffentlich verfügbaren Video- und Audiodateien kann Spaactor durchsuchen, das sind sowohl die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten als auch die der privaten Sender. Aber auch Podcast-Kanäle auf Spotify oder iTunes können bei der neuartigen Suchmaschine gefunden werden.

Auch für Firmenkunden interessant

„Für den Benutzer ist ein spezieller Algorithmus angelegt, welches Video ihm am besten gefallen könnte. Wenn man zum Beispiel ,Werder Bremen' eingibt, dann kommen natürlich die Highlight-Videos vom letzten Spieltag als erstes“, verrät Schrumpf. Aber auch Firmenkunden sind an Spaactor interessiert: „Medienbeobachter nutzen das System und suchen für ihre Klienten nach bestimmten Namen oder nach ihren Chefs. Das brauchen sie dann für ihre Medienauswertung. Bei einem Skandal zum Beispiel, kann man entsprechend schnell gegensteuern.“

Für die, denen Google nicht genug ist

Neben den Firmen-Usern wird Spaactor zudem viel für Recherche genutzt, von Redakteuren, Universitäts-Mitarbeitern, Wissenschaftlern, Archivaren, Bibliothekaren oder einfach allen, die auf der Suche nach etwas sind und denen Google nicht genug ist. Allerdings beschränkt sich das Angebot bisher auf deutsche Video- und Audiodateien. „Wir wollen auf jeden Fall auch den englischen Markt erschließen, damit wir in direkte Konkurrenz mit den großen Suchmaschinen treten können“, sagt Christian Schrumpf. Dafür fehlt es dem jungen Unternehmen jedoch noch an Investoren, auch wenn einer der Gesellschafter das Bremer Unternehmen Neusta ist.

Bei der Entrepreneur-Sendung „Die Höhle der Löwen“ (Vox) haben sich Schrumpf und Thorsten Schoop, beide sind Geschäftsführer, bereits beworben. Bisher ohne Rückmeldung. Aber das kann ja noch kommen. Schrumpf: „Google wurde auch nicht an einem Tag erfolgreich.“


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