Tastbare Zimmernummern Sehbehindertenverein investiert in Wohnheimanbau in Bremen

Der Blinden- und Sehbehindertenverein Bremen erweitert das „Haus der Blinden“ in Osterholz um einen Anbau, der hier auf einer Visualisierung zu sehen ist. Insbesondere demenzkranke Sehbehinderte werden hier ein Zuhause finden. Foto: Andreas HalfDer Blinden- und Sehbehindertenverein Bremen erweitert das „Haus der Blinden“ in Osterholz um einen Anbau, der hier auf einer Visualisierung zu sehen ist. Insbesondere demenzkranke Sehbehinderte werden hier ein Zuhause finden. Foto: Andreas Half

Bremen. Der Blinden- und Sehbehindertenverein Bremen investiert kräftig und erweitert das „Haus der Blinden“ in Osterholz. Der 1,5 Millionen Euro teure Anbau (samt Ausstattung) ist speziell für Sehbehinderte gedacht, die an Demenz erkrankt sind.

Das neue Haus schließt sich direkt an das alte Gebäude am Stiftungsweg an. Die Bauarbeiten sind bereits seit August in vollem Gange, wie Alexander Zaft, Geschäftsführer des Senioren- und Pflegeheims, sagt. Gerade wurde der Grundstein gelegt. Im Spätsommer 2017 sollen die ersten Bewohner einziehen. Das „Haus der Blinden“ wurde 1968 erbaut und bietet momentan 52 Menschen ein Zuhause.

Wohnheim ist auf die Bedürfnisse sehbeeinträchtigter Menschen ausgerichtet

Die Arbeit im Wohnheim ist in allen Bereichen vor allem auf die besonderen Bedürfnisse blinder und sehbeeinträchtigter Menschen ausgerichtet, sagt Zaft. So sind alle Wege kurz und barrierefrei. Ein Aufzug mit Blindenschrift und Ansage der Etagen befördert die Bewohner an ihr Ziel. Im Haus sind zahlreiche taktile Hilfen installiert, zum Beispiel tastbare Zimmernummern und im Haus und Garten Handläufe. Es gibt „Daisy-Player“ zum Abspielen von Hörbüchern, seniorengerechte Telefone, Bildschirmlesegeräte und Lupen mit Beleuchtung. Und die Mitarbeiter sind angehalten, sich immer vorzustellen, die Pflegeschritte zu erklären und, ganz wichtig, die Gegenstände im Zimmer an ihrem Platz zu lassen.

Mittlerweile kommen auch Demenzkranke in das Wohnheim

Alle Grade der Pflegebedürftigkeit sind laut Zaft vertreten, das Durchschnittsalter der Bewohner liegt zur Zeit bei 85 Jahren. Gegründet wurde das Haus einst nicht für Senioren, sondern einfach für Menschen mit Sehbeeinträchtigung. „Doch die wurden mit der Zeit älter, so dass in den 80er Jahren eine Pflegestation eingerichtet wurde“, erzählt Zaft. Mittlerweile kommen Demenzkranke hinzu, so dass es zu eng im Gebäude wird, wie der Geschäftsführer sagt.

Fernsehlotterie unterstützt den Ausbau

Der Anbau ist 820 Quadratmeter groß. Bauherr ist der Blinden- und Sehbehindertenverein. Die Fernsehlotterie unterstützt das Projekt, das in der Region laut Zaft die einzige Einrichtung dieser Art ist, mit 300 000 Euro. Auf drei Etagen entstehen 18 neue Zimmer. Diese werden auf drei Wohngruppen verteilt. Das Konzept sieht vor, dass vor allem demenziell erkrankte Sehbehinderte in einer Wohngruppe von sechs bis acht Personen leben. Zaft: „Mittelpunkt ist ein Gemeinschaftsraum mit Wohnküche, der ein möglichst normales Alltagsleben ermöglicht.“


Der Architekt des Anbaus ist Jürgen Dettbarn-Reggentin (Isgos, Berlin). Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.haus-der-blinden.de .

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