Sechs Männer in U-Haft Polizei: Zerschlagung von Drogenring ist „Erfolg mit Mehrwert“

Von Jörg Esser

Polizei-Vizepräsident Dirk Fasse (l.) informiert die Presse über den erfolgreichen Schlag gegen den Drogenhandel. Im Hintergrund: Oberstaatsanwalt Frank Passade. Foto: Carmen Jaspersen/dpaPolizei-Vizepräsident Dirk Fasse (l.) informiert die Presse über den erfolgreichen Schlag gegen den Drogenhandel. Im Hintergrund: Oberstaatsanwalt Frank Passade. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Bremen. Polizei und Staatsanwaltschaft haben in Bremen einen Drogenring zerschlagen. In acht Monate langer verdeckter Ermittlungsarbeit sei es der Sonderkommission „Honigtopf“ mit hohem Personaleinsatz gelungen, die Strukturen des Drogenhandels aufzuhellen, sagte der Leiter des Landeskriminalamtes, Daniel Heinke.

Sechs Haupttäter im Alter von 19 bis 38 Jahren sitzen inzwischen in Untersuchungshaft. Der Drogenhandel im Viertel und am Hauptbahnhof sei in Händen der „Fulla“, eines Volksstamms aus dem westafrikanischen Guinea. Bei Razzien am Hauptbahnhof und im Viertel waren an zwei Wochenenden und zuletzt am Montagabend 270  Polizeikräfte aus Bremen und Niedersachsen im Einsatz, sagte Einsatzleiter Andree Lehmann.

19  Objekte in Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen seien durchsucht, 15 Personen festgenommen worden. Bei den Durchsuchungen wurden etwa 4,5  Kilo hochwertiges Kokain, 1,2 Kilo Heroin und 7,5  Kilo Marihuana sichergestellt. Der Straßenverkaufswert der Drogen liegt laut Lehmann bei mehr als einer Million Euro. Zudem seien 80 000  Euro und weitere Beweismittel beschlagnahmt worden.

Strategien wurden aufgedeckt

Laut Oberstaatsanwalt Frank Passade sind Ermittlungen gegen 15 Tatverdächtige eingeleitet worden. Sechs Männer sitzen in U-Haft, Asylbewerber aus Guinea, die zum Teil mit falschen Visa und falschen Pässen nach Deutschland eingeschleust wurden. Ihnen drohen laut Passade mehrjährige Haftstrafen.

Polizei-Vizepräsident Dirk Fasse sprach von einem „großen Erfolg“. Und von einem „Mehrwert des Ergebnisses“. Schließlich sei es gelungen, Strategien der Drogenhändler aufzudecken. „Wir standen vor einer Art Black Box“, sagte Lehmann. Und die galt es aufzuhellen. In verdeckten Ermittlungen wurden die Geldflüsse und die Logistik des Händlerrings ausgekundschaftet.

Drogen bei „Fulla“ eigentlich verpönt

„Es ging darum, zu erfahren, wer Einkäufer ist und wer Verkäufer.“ Sichtbar seien dabei zunächst jeweils bis zu 50 Drogenverkäufer im Steintor und am Hauptbahnhof. Doch am Deal mit den Betäubungsmitteln verdienen auch etliche Hintermänner. Für die Haupttäter springen 1 000 bis 3 000 Euro pro Monat heraus, sagte Lehmann. „Das Geld wird dann in die Heimat geschickt.“

Lehmann weiter: „Die Straßenhändler versorgen ihre Familien in Guinea.“ Sie werden zum Teil ebendort regelrecht angeworben und dann nach Deutschland geschickt. „Die Leute haben in der Regel kein Drogenproblem.“ Bei den „Fulla“ seien Drogen eher verpönt. Der Stamm gilt als hierarchisch und patriarchalisch organisiert. „Man hört auf seine Granden“, so Lehmann.

Bei Entdeckung von Zivilfahndern läuft „Alarmsystem“

Sind die jungen Männer erst einmal in Deutschland gelandet, werden sie hier zu Verkäufern und Händler regelrecht ausgebildet. „Sie laufen zunächst einmal ein halbes Jahr mit“, so Lehmann. Die „Nachwuchs-Dealer“ lernten so Gesichter, Fahrzeuge und auch Verhaltensweisen der Zivilpolizisten kennen.

Dann beginnt mit dem Verkauf von Kleinstmengen der Einstieg in der Dealerkarriere. „Wir sind in vier Hierarchieebenen hineingekommen“, sagte Lehmann. Dabei seien unter anderem Erkenntnisse über „Alarmsysteme“ gesammelt worden, die in Gang gesetzt werden, wenn das Fahrzeug eines Zivilfahnders entdeckt wird. Und es sei klar, dass es in Bremen „Territorialstrukturen“ gebe. Eine Gruppe agiert am Hauptbahnhof, eine andere im Viertel.

Fasse: „Konsequentes Einschreiten“

Lehmann resümierte: „Wir haben die BTM-Gemeinde extrem verunsichert.“ Den Dealern sei gezeigt worden, „dass sich das Geschäft in Bremen nicht lohnt“. Polizei-Vize Fasse kündigte für die Zukunft eine „rationale Bekämpfung der Drogenkriminalität“ und „konsequentes Einschreiten“ an.

Weiterlesen: Immer wieder kam es in der Vergangenheit im Bremer Viertel zu Razzien.