Literarisches Großprojekt Theater Bremen widmet sich Knausgaard

Schon auch anstrengend, dieses „Sterben“: Torsten Kindermann, Robin Sondermann und Nils Bischoff. “ Foto: Jörg LandsbergSchon auch anstrengend, dieses „Sterben“: Torsten Kindermann, Robin Sondermann und Nils Bischoff. “ Foto: Jörg Landsberg

Bremen. In mehren Teilen werden den Zuschauern im Theater Bremen Werke vom norwegischen Schriftsteller Karl Ove Knausgard geboten. Episode eins: „Sterben“.

Eine heitere Revue war natürlich ohnehin nicht zu erwarten. Aber dass dann Robin Sondermann ganz allein auf eine mit Flügel, Lesepult und Schreibtisch besetzte Bühne tritt, sich als Karl Ove Knausgard vorstellt und dann beginnt, aus dem Buch „Sterben“ des norwegischen Schriftstellers zu lesen – das verhieß, auch angesichts der Ankündigung als szenische Lesung, wenig kurze Weil.

Ab und zu wandert Sondermanns Zunge durch den Mund, von der Wange hinter die Unterlippe, ansonsten unterbricht wenig seinen Lesefluss. Nicht einmal vom Glas Wasser, das vermutlich als ironische Referenz an klassische Dichterlesungen auf dem Klavier steht, macht der Schauspieler Gebrauch. Und doch – der Text, der teilweise geradezu exzessiv in der Biografie des Autors schürft, entwickelt allmählich einen Sog, der schon spürbar eingesetzt hat, als nach einer Weile der Musiker Torsten Kindermann dazustößt, später, nach der Pause, noch die beiden Jung(s)darsteller Nils Bischoff und Nicolas Hüchting.

Literarisches Großprojekt

3 600 Seiten verteilt auf sechs Bände umfasst das literarische Großprojekt, dessen erster Teil „Sterben“ ist – im norwegischen Original übrigens unter dem Titel „Min Kamp: Förste bok“ erschienen – was sich genau so übersetzen lässt, wie Sie das vermuten. Eine Art „Suche nach der verlorenen Zeit“ erkannten einige Kritiker darin, niedergeschrieben, glaubt man Knausgard, weitestgehend ohne Selbstzensur. Was die real existierenden Personen wiederum, so wird berichtet, nicht sämtlich sehr erfreut zur Kenntnis nahmen.

Der Vater indes, dessen Sterben dem ersten Teil den Namen gab, erlebte den Roman nicht mehr, den Regisseur Frank Abt nun in Bremen auf die Bühne des Kleinen Hauses gebracht hat. Als ersten Teil eines szenischen Projekts, das jedem Band einen Abend widmen will.

Fortsetzung im März

Gelesen wird nach der Pause nur noch punktuell. Gespielt umso mehr, im mehrfachen Sinne. Die beiden Jungen beleben die Szenerie (Bühne: Susanne Schuboth), an deren Rückseite wundervoll grob geschnittene Schwarzweiß-Zeichnungen projiziert werden. Sondermann und Kindermann spielen frei die Gespräche der Brüder Karl Ove und Yngve, Kindermann begleitet sich zudem am Klavier bei ein paar Songs, die vorwiegend aus den 80er-Jahren stammen, also aus Knausgards Jugend. „Boys Don’t Cry“ von The Cure“, „So Lonely“ von Police. Aber auch das bittersüße „Birds“ von Neil Young.

Die fragile Atmosphäre, die sich anfangs aus dem von Sondermann mit kühler Präzision modulierten Text entwickelt hat, bricht, der Abend kippt von einer Lesung fast unvermittelt ins Szenische, ohne je szenische Lesung gewesen zu sein. Doch vielleicht muss das sein bei einem derart kühnen Projekt. Am Ende wird schließlich das Wort „Lieben“ auf den Projektor geschoben. Die Ankündigung des zweiten Teils, der im März kommenden Jahres Premiere feiern soll. Interessant dürfte das durchaus werden.


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