„Ein bisschen Show darf sein“ Teodor Currentzis gibt Rameau Werke in der Glocke

Von Wolfgang Denker

Teodor Currentzis gibt Werke von Jean Philippe Rameau. Foto: KittelTeodor Currentzis gibt Werke von Jean Philippe Rameau. Foto: Kittel

Bremen. Geheimnisvolle Paukenschläge, präzise Klangentfaltung, große Farbigkeit: Der griechisch-russische Dirigent Teodor Currentzis und sein Orchester verzaubern mit Werken von Jean Philippe Rameau in der Bremer Glocke.

Er macht es spannend bei seinem Abend mit Werken von Jean Philippe Rameau, der griechisch-russische Dirigent Teodor Currentzis. Nachdem sein Orchester Music Aeterna auf der Bühne der Glocke Platz genommen hat, verlöscht die Saalbeleuchtung komplett. Nur die Notenpulte der wenigen Musiker, die das erste Stück „La Cupis“ intonieren, sorgt für etwas Licht.

Dann geheimnisvolle Paukenschläge im Dunkel, während Currentzis sich „heimlich“ an sein Pult schleicht. Dabei ist das Motto des Abends „The Sound of Light“. Aber dann bricht es richtig los. Die Ouvertüre zu „Zaïs“ ist ein eindringliches, streicherbetontes Stück, das in der Lesart von Currentzis Wucht und Intensität entwickelt. Intensität prägt den gesamten Abend. Currentzis, der eine Art Gothic-Look pflegt, dirigiert mit dem ganzen Körper. Seine physische Ausdruckskraft, mal geduckt wie eine Katze auf dem Sprung, mal mit weitgeschwungenen Gesten, überträgt sich unmittelbar auf die Musiker, die zum großen Teil im Stehen spielen.

Kraftvoll durchzogene Musik

Die „wogenden“ Körper der Musiker im Fluss der Musik haben eine zusätzliche Wirkung von großem Reiz. Und die Musik von Rameau – Ouvertüren, Suiten und Arien – ist von höfisch-gezähmter Barockmusik meilenweit entfernt. Es ist eine immer kraftvolle, oft von tänzerischem Rhythmus durchzogene Musik, die vom Orchester Music  Aeterna mit großer Farbigkeit, mit präziser Klangentfaltung und vor allem mit unglaublicher Stoßkraft dargeboten wird. Etwa die fulminante Ouvertüre zu „Naïs“, bei der vom Orchester Blitz und Donner entfacht werden, wobei die Musiker zusätzlich mit den Füßen auf den Boden stampfen. Ein toller Effekt!

Vor der Pause sind „Contredanse en rondeau“ aus „Les Boréades“ das letzte Stück. Dabei marschieren Dirigent und Orchester, den Rhythmus des Tanzes weiter spielend, von der Bühne. Ein bisschen Show darf eben auch sein. Die hier präsentierten Ausschnitte aus Opern und Balletten wie „Zoroastre“, „Hippolyte et Aricie“, „Dardanus“ oder „Les Indes galantes“ machen jedenfalls Appetit auf das ganze Werk, zumindest, wenn es so dargeboten wird wie von Currentzis und Music Aeterna.

Strömende Stimmen

Aber Gesang gibt es hier auch. Die renommierte Sopranistin Robin Johannsen glänzt mit Arien aus „Hippolyte et Aricie“, „Platée“, „Dardanus“ und „Castor et Pollux“. Sie hat einen technisch sicher geführten Sopran, ein schönes Timbre und einen in der Höhe aufstrahlenden Jubelton. Ihre Darbietung wird mit viel Empfindung und beweglichen Koloraturen zu reinstem Genuss. Am schönsten und sehr berührend gelingt ihr „Tristes apprêts, pâles flambeaux“ aus „Castor et Pollux“. Es ist ein tieftrauriger Klagegesang, den Johannsen mit ebenmäßig strömender Stimme, mit großen Gesangsbögen und tiefsten Emotionen ausfüllt. Zuvor „Entrée de Polymnie“ aus „Les Boréades“: eine geradezu himmlisch fließende Musik, über die Marc Minkowski gesagt hat: „Die Zeit steht still, es ist die Erfüllung der Harmonie.“

Currentzis und Music Aeterna bestätigen mit ihrem Spiel diese Aussage voll und ganz. Als Zugabe werden eine parodistisch angehauchte Bravour-Arie und die „Orage“ (Gewittermusik) aus „Platée“ geboten. Dass am Ende noch der Chor in den Seitengängen aufmarschiert und für ein pompöses Finale sorgt, ist wohl der Tatsache zu danken, dass er beim heutigen Abschlusskonzert mit „The Indian Queen“ von Henry Purcell mitwirkt.


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