Ermittlungen eingestellt Gericht: Schüsse von Polizist auf Tür waren Notwehr

Von Eckhard Stengel

Fünfmal schoss der Beamte durch die Bremer Wohnungstür. Dahinter stand eine 17-Jährige, die schwer verletzt wurde. Foto: dpaFünfmal schoss der Beamte durch die Bremer Wohnungstür. Dahinter stand eine 17-Jährige, die schwer verletzt wurde. Foto: dpa

Bremen. Ein folgenschwerer Polizeieinsatz am Rande einer Wohnungsparty in Bremen bleibt ohne strafrechtliche Folgen für die Polizei, nicht aber für den Wohnungsmieter. Die Staatsanwaltschaft hat jetzt ihr Ermittlungsverfahren gegen einen Beamten eingestellt, der fünfmal durch die Wohnungstür geschossen und dabei eine dahinterstehende17-jährige Partybesucherin schwer verletzt hatte.

Wie im März bereits berichtet, feierte die Schülerin in der Wohnung eines Freundes ihren 17. Geburtstag, als ungebetene Gäste erschienen. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, bis die Störer abzogen. Als die alarmierte Polizei eintraf, dachten die Feiernden offenbar, es handele sich wieder um die Störer. Der Wohnungsmieter öffnete deshalb die Tür einen Spalt breit und schoss mit einer Schreckschusspistole ins Treppenhaus. Einer der Polizisten - ein SEK-Beamter, der als Streifenpolizist unterwegs war - feuerte sofort durch die Tür zurück. Er verletzte die zufällig dahinterstehende 17-Jährige schwer an Schultern, Leber und Galle. Sie musste deshalb wiederholt operiert werden.

Ermittlungen gegen Mieter dauern an

Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft handelte der 34-jährige Beamte damals in Notwehr: Für ihn sei nicht erkennbar gewesen, dass es sich nur um einen Schreckschuss handelte und dass hinter der Tür die 17-Jährige stand. „Damit befand sich der Beschuldigte subjektiv in einer Notwehrsituation“, teilte ein Justizsprecher am Dienstag mit. Das Verfahren wegen versuchten Totschlags und fahrlässiger Körperverletzung im Amt sei deshalb eingestellt worden. Ermittelt wird weiter gegen den Wohnungsmieter. Er habenämlich durch den Schreckschuss möglicherweise die Ursache dafür gesetzt, dass der Polizist zur Waffe griff und die 17-Jährige verletzte. Deshalb werde gegen ihn wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt, so die Staatsanwaltschaft auf Nachfrage unserer Zeitung. Der Mieter hatte erklärt, dass sich die Polizisten nicht als solche zu erkennen gegeben hätten. Der SEK-Schütze bestreitet dies.

Bereits kurz nach dem Vorfall hatte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) darauf hingewiesen, dass die Beamten in ihrer Ausbildung lernen, reflexartig zurückzuschießen, wenn auf sie gefeuert wird.