Interview mit Carsten Meyer-Heder Bremer CDU-Spitzenkandidat Meyer-Heder über Cannabis, Kirche und Trump

CDU-Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder. Foto: Fanslau/CDU BremenCDU-Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder. Foto: Fanslau/CDU Bremen

Bremen. Seit 74 Jahren regiert ununterbrochen die SPD in Bremen. Unternehmer und CDU-Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder will das ändern. Ein Gespräch über Cannabis, Kirche und die Vorbildfunktion von US-Präsident Donald Trump.

Herr Meyer-Heder, Sie sind Kandidat der CDU, betonen aber beständig, wie unkonventionell Sie sind. Sind Sie konservativ?

Ich bin schlecht in irgendeine Schublade zu packen. Das irritiert manche sicherlich. Mit 18 habe ich noch ganz links gestanden, habe im Bremer Viertel in einer Zehner-WG gewohnt. Über die Jahre haben sich meine Ansichten sicherlich gewandelt. Aber konservativ im Sinne von rückwärts gewandt? Nein. Das ist die CDU in Bremen auch nicht. Das sehen Sie ja schon daran, dass ich der Kandidat bin.

Wie halten Sie es denn mit dem Thema Cannabis? Ein Reizthema für konservative Kräfte.

Wir haben in Bremen wichtigere Probleme zu lösen, als uns darüber Gedanken zu machen, ob man im Sinne des Eigenbedarfs nun vier oder zehn Gramm dabeihaben darf. Auch wenn ich das etwas lockerer sehe als andere in der Partei, bin ich nicht der Meinung, dass wir Bremen zum Testfeld für Cannabis machen sollten. Dann kommen alle aus Niedersachsen eingeflogen. Wir sollten schauen, wie die Erfahrungen beispielsweise in Kanada sind, wo Cannabis legalisiert worden ist.

Sie sagen, klassisch konservativ sind Sie nicht. Wie steht es denn mit dem C in CDU – wie christlich sind Sie?

Ich bin nicht streng gläubig, aber christliche Werte prägen mich und ich lebe sie. Ich bin aber weder Mitglied einer Kirche noch gehe ich regelmäßig in eine Kirche – derzeit allerdings schon, weil meine Kinder am Konfirmanden-Unterricht teilnehmen.

Der Wahlkampf in Bremen läuft, Sie sind kürzlich das erste Mal auf offener Bühne auf ihren Konkurrenten SPD-Bürgermeister Carsten Sieling getroffen. Wie läuft der Wahlkampf?

Ich glaube, mittlerweile kennt man mich in der Stadt. Die Partei steht hinter mir. Es gibt aber noch Luft nach oben. In Interviews beispielsweise oder bei Reden. Ich bin halt erst seit einem Jahr im politischen Geschäft, Carsten Sieling seit mehreren Jahrzehnten.

Stimmt. Reden halten ist nicht Ihre Stärke…

Ich rede halt so, wie ich es immer getan habe. Ein Rhetorik-Ass wird aus mir nicht mehr. Dann halte ich halt Meyer-Heder-Reden. Ich bleibe authentisch, das vermittelt doch auch Vertrauen. So ein bisschen habe ich mir aber Hilfe geholt. Sie hätten mich mal vor einem Jahr hören sollen!

Apropos Vertrauen: Gibt es in Bremen eine Vertrauenskrise in die Politik? Bei der letzten Bürgermeister-Wahl ging nur jeder Zweite zur Urne.

Es gibt auf jeden Fall eine Wechselstimmung. Das zeigen Umfragen. Der Wähler hat erkannt: Die SPD regiert hier seit mehr als 70 Jahren und hat das Land nicht nach vorne gebracht. Das muss sich ändern. Bremen steht bei vielen Dingen bundesweit auf dem letzten Platz. Wenn Carsten Sieling jetzt verspricht, die Bildung besser zu machen, muss man sich doch fragen, warum die SPD das nicht schon längst gemacht hat. Er hat da ein ziemliches Glaubwürdigkeitsproblem. Jeder Unternehmer wäre da längst bankrott.

Wechselstimmung… Sie liegen in einer Umfrage gerade einmal einen Punkt vor der SPD. Das klingt nicht unbedingt nach Wechselwunsch. Sie müssen also koalieren.

SPD und Grüne haben keine Mehrheit in Bremen. Wir schließen nichts aus – außer mit den Linken oder der AFD, das kommt nicht in Frage. Ich kann mir eine Jamaika-Koalition mit Grünen und FDP vorstellen. Aber zunächst einmal ist mein Plan: Rot-Rot-Grün verhindern. Dafür müssen wir als CDU stärkste Kraft werden – und am besten mit Abstand zur SPD.

Eine Koalition mit den Grünen? Wird es da nicht spätestens beim Thema Abschiebungen knirschen?

Ich bin kein innenpolitischer Hardliner. Wer Asyl zu Recht beantragt, der soll es auch bekommen. Genauso wenig plausibel ist es, wenn ausgerechnet die abgeschoben werden, die hier gut intergiert sind und sogar Arbeit haben. Aber wer hierherkommt, und Verbrechen begeht, der soll dahin zurück, wo er herkommt. Kriminelle Asylbewerber müssen abgeschoben werden. Das ist aber kein reines Bremer Thema. Da muss der Bund aktiver werden.

Sie sagen, die Bremer hätten die SPD ein bisschen satt. Auf Bundesebene gibt es ähnliche Ermüdungserscheinungen auch bei Bundeskanzlerin Merkel. Teile der CDU wollen gar, dass sie zurücktritt. Wie sehen Sie das?

Ich begrüße sehr, dass Annegret Kramp-Karrenbauer jetzt CDU-Vorsitzende ist und dort der Neuanfang vollzogen worden ist. Sie passt sehr gut zur CDU. Friedrich Merz wäre im Bremer Wahlkampf zur Belastung geworden, der polarisiert zu sehr. Und ich fände es gut, wenn Angela Merkel, wie von ihr angekündigt, diese Legislaturperiode noch durchzieht.

In den USA hat es mit Donald Trump auch ein erfolgreicher Unternehmer aus dem Stand geschafft, eine Wahl zu gewinnen. Der Prototyp für Sie?

Trump ist ein arroganter Populist, ich bin ein netter Typ. Da gibt es keinerlei Parallelen.

Naja, Sie beide sind Quereinsteiger… macht er denn alles falsch?

Ja, gut, er setzt das um, was er versprochen hat. Auch wenn das aus meiner Sicht falsche Entscheidungen sind. Aber das zu machen, was man vorher versprochen hat, goutieren Wähler. Für Bremen wünsche ich mir, mal etwas auszuprobieren, auch wenn die Gefahr des Scheiterns besteht. Nicht immer alles kaputt reden. Wir sind ein kleines Bundesland, das macht Versuche doch leichter. Ich will Bremen zum Start-up unter den Bundesländern machen. Hier sollen Ideen gedeihen.

Wenn man Ihnen so zuhört, könnte man den Eindruck gewinnen, dass Sie sich für Bremen schämen…

Schämen ist falsch. Aber man guckt von München mitleidig nach Bremen. In zig Bundesvergleichen stehen wir auf dem letzten Platz. Das muss sich ändern. Irgendwann soll München mal neidisch auf Bremen schauen.

Mit Ende 20 waren Sie an Krebs erkrankt. Was haben Sie aus dieser Zeit mit an Erkenntnissen für die Politik?

Nicht speziell für die Politik, aber fürs Leben habe ich viel gelernt. So eine Erkrankung erdet einen, lässt einen auf dem Boden bleiben.


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