Entscheidung im EU-Parlament Neue Regeln für Videoplattformen, Streaming-Dienste und Youtube-Stars

Von Detlef Drewes

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Kino für unterwegs: Das Filmangebot auf Netflix soll künftig zu 30 Prozent aus EU-Ländern kommen. Foto: dpa/Jens KalaeneKino für unterwegs: Das Filmangebot auf Netflix soll künftig zu 30 Prozent aus EU-Ländern kommen. Foto: dpa/Jens Kalaene

Brüssel. Videoplattformen wie Netflix oder Amazon prime sind in. Doch bisher läuft der Wettbewerb in der EU nach unterschiedlichen Regeln ab. In der kommenden Woche will das Europäische Parlament die Internet-Dienste an die Leine legen – und auch Youtube-Stars sind von den Neuregelungen betroffen.

Dass die Tatort-Kommissare stets mit dem neuesten Automodell ihrer Region zum Einsatz fahren, fällt schon gar nicht mehr auf. Product Placement, die lukrative Platzierung von Produkten in Spielfilmen, Serien und Magazinen, gilt längst als wirkungsvolle Form der Werbung, muss aber auch so gekennzeichnet werden – und sei es nur im Abspann.

Wenn DagiBee dagegen in ihren Streaming-Videos Schmink- und Pflegeprodukte in die Kamera hält, ist sie bisher fein raus. Ob der Youtube-Star, dessen Makeup-Tipps in Deutschland über vier Millionen Mädchen folgen, von den Herstellern mit Geld oder Waren gesponsert wird, bleibt ihre Sache. Diese Freiheit läuft aus, wenn das Europäische Parlament in der kommenden Woche die neue Richtlinie für audiovisuelle Medien wie erwartet annimmt.

Für Fernsehen und Streaming-Dienste sowie Videoplattformen gelten künftig die gleichen Regeln – bei der strikten Trennung von Werbung und Inhalt ebenso wie beim Jugendschutz und Altersverifizierungssystemen. Die müssen nämlich plattformübergreifend installiert sein.

Jugendgefährdende Inhalte sollen gekennzeichnet werden – wie bereits im Fernsehen, so auch künftig bei Netflix, Amazon prime und anderen. Eine vorherige Kontrolle, ob von Filmen, Clips oder sonstigen Beiträgen, findet nicht statt.

Eltern sollen aber die Möglichkeit bekommen, Filtersysteme für ihre Sprösslinge aktivieren zu können. „Wir wollen Transparenz für den Zuschauer“, sagt die CDU-Europaabgeordnete Sabine Verheyen. Vor allem die Video-on-demand-Dienste müssen sich aber noch sehr viel weitergehend umstellen. Bisher haben sie gerade mal 18 bis 24 Prozent an europäischen Filmproduktionen im Angebot. Sobald die neuen Regeln in Kraft treten, ist eine Quote von rund 30 Prozent Pflicht.

Wer da nicht mitzieht, kann sich freikaufen: Statt ein Drittel des Kataloges mit EU-Movies zu bestücken, kann ein Unternehmen auch entsprechende Zuschüsse an den Filmförderfonds der Union bezahlen, aus dem Projekte in den Mitgliedstaaten unterstützt werden. In Deutschland hatte Netflix schon versucht, sich gegen eine derartige Abgabe zu wehren – vergeblich. Nun schreibt die EU sie endgültig für alle Staaten der Gemeinschaft fest.

Für die Fernsehsender gilt bereits eine ähnliche Vorgabe: Sie haben 50 Prozent ihres Programms mit europäischen Produktionen zu füllen. Neu werden auch die Werbezeiten im TV geregelt. Zwar dürfen nach Inkrafttreten zwischen 18 Uhr und Mitternacht wie bisher höchstens 72 Minuten Reklame über die Bildschirme flimmern. Die dürfen aber flexibler verteilt werden, so lange es bei maximal einer Unterbrechung alle 30 Minuten bleibt. Für den Zuseher dürfte das trotzdem nicht lustig werden: Experten rechnen damit, dass die Sender nun noch intensiver ausgerechnet in der Hauptsendezeit umfangreiche Werbeblöcke ausstrahlen werden.

Wenn das Europäische Parlament die runderneuerte Richtlinie in der nächsten Woche angenommen hat, bleiben den Mitgliedstaaten 20 Monate, um sie in nationales Recht umzusetzen. Erst dann treten die Regelungen in Kraft.


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