Und Action! Niemand lässt Autos so schön fliegen wie Hermann Joha

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Osnabrück Den Begriff „Action-Papst“ findet er unpassend, Bezeichnungen wie „Action-Ikone“ oder „Action-Guru“ akzeptiert er mit einem Augenzwinkern: Stuntman Hermann Joha ist mit seiner Produktionsfirma äußerst erfolgreich.

Joha (58), gebürtiger Franke, ist ein umgänglicher Zeitgenosse, dem der Erfolg nicht zu Kopf gestiegen ist. Grund genug dafür hätte er: Dank des RTL-Dauerbrenners „Alarm für Cobra 11“ ist Johas Produktionsfirma action concept die erste Adresse in Deutschland, wenn es um Geschichten geht, in denen Autos oder Fäuste fliegen; kein anderes Unternehmen ist so oft für seine aufwändigen Stunts ausgezeichnet worden.

Spezialität: Actionszenen mit Autos

Nicht wenige der vielen Tausend Menschen, die fürs Fernsehen arbeiten, träumen insgeheim von Hochkultur und Filmkunst. Joha dagegen ist in der glücklichen Lage, Filme und Serien produzieren zu können, die er sich auch selbst gern anschauen würde: „Man ist immer nur gut, wenn man die Dinge, die man macht, schätzt und liebt und darin aufgeht.“ Der Produzent ist seit weit über dreißig Jahren im Film- und Fernsehgeschäft. action concept gibt es auch schon 26 Jahre. Die Firma hat zehnmal den World Stunt Award bekommen (für „Der Clown“ und „Wilde Engel“ sowie achtmal für „Alarm für Cobra 11“); das ist weltweit einmalig. Eins der Erfolgsgeheimnisse der Firma ist der Umstand, dass die Produktionen stets teurer aussehen, als sie tatsächlich sind. Johas lapidare Erklärung: „Wir können alle Register ziehen, um so viel Produktionswert wie möglich auf die Leinwand zu bekommen.“

Das war natürlich nicht immer so. Trotzdem liest sich der Werdegang des früheren Stuntman wie eine Bilderbuchkarriere. Mit 17 schmiss er die Schule, um sich einer englischen Stunt-Truppe anzuschließen, den „Hell Drivers“. Schon wenige Jahre später (1982) gründete er in Düsseldorf mit „Driving Unit“ sein eigenes Unternehmen, Spezialität: Actionszenen mit Autos und Motorrädern. Zu tun gab es in den Achtzigern allerdings noch nicht allzu viel: Zwar wurde 1984 mit RTLplus und Sat.1 das Privatfernsehen eingeführt, aber die Sender waren noch weit davon entfernt, eigene Produktionen in Auftrag zu geben. Johas kleine Firma lebte von Stunts für „Tatort“, „Schwarzwaldklinik“ und vor allem den ARD-Verkehrsratgeber „Der 7. Sinn“. Erst die actionreichen Serien „Eurocops“ (ZDF, ab 1988, mit Heiner Lauterbach) oder „Peter Strohm“ (ARD, ab 1989, mit Klaus Löwitsch) brachten bessere Geschäfte.

Mittlerweile spielt Joha dank der Gründung von action concept 1992 und dem Start von „Cobra 11“ (1996) in einer eigenen Liga. In den Achtzigern sah das noch anders aus. Weil das TV-Geschäft nicht genug abwarf, machte Joha den Speditionsfachwirt, organisierte Rock-Festivals und holte Tina Turner an den Nürburgring. Außerdem veranstaltete er das bei den Fans von Comic-Figur „Werner“ immer noch legendäre Rennen zwischen Rötger Feldmann auf seinem Motorrad „Red Porsche Killer“ und einem echten Porsche.

Der Traum vom selbstständigen Produzieren

Die Hoffnung, irgendwann als selbstständiger Produzent arbeiten zu können, hat Joha trotzdem nie aufgegeben. 1992 konnte er die damaligen RTL-Bosse Helmut Thoma und Marc Conrad überzeugen, ihn bei der Gründung einer eigenen Produktionsfirma zu unterstützen. Der Rest ist Erfolgsgeschichte. Früher hatte Joha je nach Auftragslage zehn bis zwanzig Mitarbeiter, heute sammeln sich in der Firmenzentrale in Köln-Hürth in Spitzenzeiten bis zu siebenhundert Lohnsteuerkarten. Der Chef selbst geht mittlerweile ganz in der Position des Lenkers und Leiters auf: Im Stunt-Geschäft ist mit Mitte dreißig Schluss. Aber natürlich macht sich seine eigene Erfahrung bezahlt, vor allem in Sicherheitsfragen: Waghalsige Stunts, wie er sie früher durchgeführt hat, würde er seinen Mitarbeitern nie erlauben. Er hat am eigenen Leib erfahren, wie nah man in diesem Geschäft dem Tod sein kann, als er 1986 bei den Dreharbeiten zu dem Kinofilm „Der Madonna-Mann“ mit einem Auto in die Elbe raste. Durch den wuchtigen Aufprall verformte sich die Karosserie. Der Wagen sank wie ein Stein, der Schlauch für die Luftversorgung war eingeklemmt; im dunklen Wasser konnten die Taucher das Wrack nicht finden. Joha brauchte zehn Minuten, um sich aus eigener Kraft aus dem Blechknäuel zu befreien. Überlebt hat er nur, weil es eine zweite Luftversorgung gab. Das war ihm in doppelter Hinsicht eine Lehre: Seither geht in seiner Firma kein Stunt mehr ohne zwei- bis dreifache Absicherung über die Bühne; und „so einen Unfug wie bei „Madonna-Mann““, versichert er, „würde ich nie zulassen“.

„Schwachsinniges Draufgängertum unterstütze ich nicht.“

Stuntman sei zwar kein Job wie jeder andere, aber „wenn man seine Arbeit mit Sinn und Verstand erledigt, lebt man in diesem Beruf weitaus weniger gefährlich als Menschen, die Extremsportarten wie Free-Climbing oder Extrem-Skiing betreiben“. Männer oder Frauen, die den ultimativen Kick suchen, sind bei ihm an der falschen Adresse: „Schwachsinniges Draufgängertum unterstütze ich nicht.“

In Deutschland ist action concept schon lange konkurrenzlos. Selbst Hollywood-Regisseure sind beeindruckt, wenn sie sehen, wozu Johas Team in der Lage ist. In einer der spektakulärsten „Cobra 11“-Szenen überschlägt sich ein Reisebus mehrfach, während gleichzeitig ein Tanklastzug explodiert; und durch den Feuerball kommt dann noch ein Auto geflogen. Welches Ansehen das Unternehmen in Nordrhein-Westfalen genießt, belegt nicht zuletzt die auf Johas Initiative hin gebaute Filmautobahn in der Nähe von Aldenhoven auf halbem Weg zwischen Düsseldorf und Aachen, auf der vor allem die atemberaubenden Action-Szenen für „Alarm für Cobra 11“ entstehen.


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