Sorgenkinder Stephanibrücke und Weserbrücke Wie sicher sind die Brücken in Bremen?

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Bremens Brücken sind, wie alle Brücken in Deutschland auch, verkehrssicher. Hier im Bild: Der Blick auf die Neustadt und die Weser. Foto: imago/Hans BlosseyBremens Brücken sind, wie alle Brücken in Deutschland auch, verkehrssicher. Hier im Bild: Der Blick auf die Neustadt und die Weser. Foto: imago/Hans Blossey

Bremen. Wie sicher sind die Brücken in Bremen? Nach dem Brückeneinsturz in Genua sorgen sich viele um den Zustand der Brücken in Deutschland. Doch das ist nicht nötig: Bundesweit werden die Brücken regelmäßig kontrolliert, auch in Bremen.

760 Brücken fallen in die Zuständigkeit des Amts für Straßen und Verkehr (ASV) in Bremen, die meisten sind im Schnitt älter als 40 Jahre. Während des Zweiten Weltkriegs wurden alle Weserbrücken von den Nationalsozialisten in Bremen gesprengt und mussten daher später wieder aufgebaut werden.

In die Zuständigkeit des ASV fallen auch zwei der wichtigsten Brücken, die Wilhelm-Kaisen-Brücke (Große Weserbrücke) und die Stephanibrücke. Beide müssen in absehbarer Zeit saniert werden, aber laut Martin Stellmann, Sprecher des Amts für Straßen und Verkehr, gibt es keinen Grund zur Sorge. „Die Brücken in Bremen sind alle verkehrssicher“, sagt Stellmann im Gespräch mit unserer Redaktion. Den Brückeneinsturz in Genua kann Martin Stellmann im Namen seiner Behörde nicht bewerten, aber die Sicherheit der Brücken in Deutschland sei durch regelmäßige Kontrollen gewährleistet. (Weiterlesen: Brückeneinsturz: Noch bis zu 20 Personen vermisst)

Strenge Kontrollen

Die Brücken in Deutschland werden streng und regelmäßig überprüft, so auch in Bremen. Jedes Jahr erfolgt eine einfache Prüfung, alle sechs Jahre eine ausführliche. Dabei stehen dem ASV ein eigener Prüftrupp sowie externe Dienstleister zur Verfügung. „Doch bei uns läuft alles zusammen“, betont Martin Stellmann. Das heißt, alle Prüfberichte werden beim ASV unter die Lupe genommen und es können, wenn nötig, weitere Prüfungen veranlasst werden.

Drei Kriterien seien ausschlaggebend: Standsicherheit, Benutzbarkeit und Dauerhaftigkeit. Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) vergibt für die Brücken bundesweit Noten, ab Note 4 wird sofort gesperrt, so Stellmann. Doch bevor das geschieht, werden umfassende Maßnahmen zur Sanierung getroffen. (Weiterlesen: Wie sicher sind Deutschlands Brücken?)

Die Weserbrücke und die Stephanibrücke sollen deshalb als nächstes dran sein: Sie sind besonders belastet.  (Weiterlesen: Neue Stau-Baustelle im Bereich A 28 und A 1) 


Bremens Brücken (hier im Bild: die Bürgermeister-Smidt-Brücke und der Teerhof) sind sicher. Doch es gibt auch Sorgenkinder wie die Stephanibrücke. Foto: imago/blickwinkel

Sorgenkind Stephanibrücke

Die Stephanibrücke wurde 1967 gebaut und ist eine wichtige Verkehrsader in Bremen, denn sie verbindet die Überseestadt mit der Neustadt. Über die Stephanibrücke und ihre sechs Spuren fahren täglich, zusätzlich zu den Autos, 100.000 Lkw. Geh- und Radwege sind vom motorisierten Verkehr getrennt. Um die Belastung der Brücke zu verringern, wurde im Juli 2017 die Fahrbahn für Fußgänger und Radfahrer von 5,5 Meter auf 2,5 Meter verengt. Diese Maßnahme sorgte nicht nur beim ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club) Bremen für Kopfschütteln, sondern auch für Spott in der Sendung extra3. Denn der aufgebaute Sperrzaun würde mit seinen acht Tonnen die Brücke nur noch mit mehr Gewicht belasten, so der Tenor der Satiresendung. 

Spott auf extra3 für Stephanibrücke

Die Verantwortlichen beim Amt für Straßen und Verkehr sowie der Senator für Verkehr wiesen diese Vorwürfe entschieden zurück: Es solle mit der Sperrung verhindert werden, dass sich größere Menschenmengen auf der Brücke ansammeln. Deren Gewicht wäre schädlich für die Brücke. Aus Behördensicht sei es unwahrscheinlich, dass dieser Fall eintritt, denn es handele sich um 234 Tonnen zusätzliches Gewicht, also etwa 3000 Menschen auf einmal, wie extra3 vorrechnet.

„Das ist aber nicht maßgebend“, sagte der Sprecher des Amtes für Straßen und Verkehr 2017 der deutschen Nachrichtenagentur dpa. „Für die Entscheidungsträger darf sich die Frage der Wahrscheinlichkeit nicht stellen.“ Eine Sperrung einer der sechs Spuren, die eine ähnliche Entlastung mit sich bringen würde, würde hingegen zu dauerhaftem Verkehrschaos führen und sei zurzeit nicht in Planung. Immerhin: Seit 2017 gelten ein Überholverbot für Lkw sowie das Einhalten eines Mindestabstands von 50 Metern zum vorausfahrenden Fahrzeug für Lkw.  (Weiterlesen: Chaos-Baustelle auf A1 bei Stuhr nervt noch bis Herbst)

Einen Zeitplan für die Sanierung der Stephanibrücke gibt es zurzeit laut Martin Stellmann noch nicht, denn die Maßnahmen müssen erst durchgeplant werden. Die Sperrung für Radfahrer und Fußgänger bleibt also noch bestehen.  

Sorgenkind 2: Wilhelm-Kaisen-Brücke

Über die Wilhelm-Kaisen-Brücke rollen jeden Tag 110.000 Lastwagen, das sind 20 Prozent des täglichen Verkehrs, so Martin Stellmann. Sie verbindet die Neustadt mit der Schlachte. Die Wilhelm-Kaisen-Brücke, die auch Große Weserbrücke genannt wird, wurde 1961 gebaut und leidet ebenfalls vor allem unter dem Lastwagenverkehr. Sie gehört, wie die Stephanibrücke, zu den zahlreichen Weserbrücken Bremens, die älteste ist die Bürgermeister-Smidt-Brücke, sie wurde vor 51 Jahren gebaut. Auch die Wilhelm-Kaisen-Brücke soll saniert werden, einen genauen Zeitplan gibt es laut Stellmann aber auch noch nicht. (Weiterlesen: Hitzeschäden - Fly Over in Bremen für eine Woche gesperrt)


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