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Prozessauftakt in Bremen Mord ohne Leiche - Angeklagter weist Vorwürfe zurück

Von dpa

Ein Mord ohne Leiche beschäftigt ab Montag das Landgericht Bremen.  Foto: dpaEin Mord ohne Leiche beschäftigt ab Montag das Landgericht Bremen. Foto: dpa

Bremen. Eine junge Frau trennt sich von ihrem Lebensgefährten. Kurz darauf verschwindet sie. Es sei Mord gewesen, meinen die Ermittler. Doch die Leiche fehlt. Kann ein Prozess Jahrzehnte später Licht ins Dunkle bringen?

Eine junge Frau verschwindet plötzlich. Die Ermittler sind sich sicher: Ihr Lebensgefährte hat sie getötet. Doch von der Leiche fehlt jede Spur. 25 Jahre später muss sich der heute 58-Jährige wegen Mordes vor Gericht verantworten. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hatte er ein Motiv. Doch wie er die Frau umgebracht haben soll, das kann sie nicht beantworten. Der Angeklagte wies die Vorwürfe beim Prozessauftakt am Montag zurück. „Ich bin unschuldig." Die Verteidiger kritisierten die Ermittlungen als zu einseitig.

Es ist ein ungewöhnlicher Kriminalfall mit vielen offenen Fragen, mit denen sich das Landgericht nun befassen muss. Ist die vermisste Frau tatsächlich tot? Oder hat sie sich abgesetzt? Das müsse das Verfahren klären, sagte der Vorsitzende Richter Helmut Kellermann. Viele Indizien sprechen nach Angaben der Staatsanwaltschaft dafür, dass der Angeklagte seine damalige Lebensgefährtin umgebracht hat, weil sie sich von ihm getrennt hatte und zusammen mit dem kleinen Sohn ausziehen wollte. „Es ist umfangreich in alle Richtungen ermittelt worden", sagte Anklagevertreter Arne Kluger. Es weise alles auf den 58-Jährigen hin.

Was genau im Juni 1993 geschehen ist, wird sich wohl nicht mehr klären lassen. Deshalb liefert die Staatsanwaltschaft gleich vier mögliche Varianten in der Anklageschrift. Danach tötete der Verdächtige die Frau in seiner Wohnung oder woanders, legte sie in sein Auto und verbarg die Leiche an einem bis heute unbekannten Ort. Je nach Variante starb das Opfer am Tatort, im Auto, bei einer möglichen Flucht oder in der Werkstatt des Angeklagten, wo er den Körper vorübergehend abgelegt haben könnte.

„Die Anklageschrift weist einmal mehr die Schwachpunkte der Ermittlungsarbeit auf", sagte Verteidiger Stefan Hoffmann. „Man weiß nichts Genaues." Er und sein Kollege kritisierten, dass die Ermittler viele Ansätze nicht berücksichtigt und sich einseitig auf den Angeklagten konzentriert hätten. So habe die Frau damals einen Liebhaber gehabt, dessen Alibi nicht überprüft worden sei. Außerdem gebe es für den Tod der Frau keine Beweise. „Wir gehen davon aus, dass sie noch lebt", sagte Verteidiger Horst Wesemann.

Wäre es nach der Staatsanwaltschaft gegangen, hätte der Angeklagte bereits 2013 vor Gericht gestanden. Das Landgericht lehnte damals aber einen Prozess gegen ihn ab, weil es eine Verurteilung für nicht wahrscheinlich hielt. Das Oberlandesgericht hob diese Entscheidung später auf. 2017 scheiterte der Prozess gegen den Verdächtigen allerdings daran, dass der Angeklagte damals im Ausland lebte und nicht vor Gericht erschienen war. 


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