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Vom „Traumschiff“ bis „Dr. Stefan Frank“: Wer steckt hinter den Erfolgsserien? Der Klassiker

Der Regisseur hinter Dutzenden TV-Erfolgsserien: Hans-Jürgen Tögel. Foto: dpa/Andreas GebertDer Regisseur hinter Dutzenden TV-Erfolgsserien: Hans-Jürgen Tögel. Foto: dpa/Andreas Gebert

Osnabrück . Immens erfolgreich, aber praktisch unbekannt: Die Filme und Serien von Regisseur Hans-Jürgen Tögel hatten insgesamt 4 Milliarden Zuschauer. Für unsere Sommerserie „Dauerbrenner“ hat er mit uns gesprochen.

Als Hans-Jürgen Tögel vor zwei Jahren seine Memoiren veröffentlicht hat, nannte er das Buch „Traumreise meines Lebens“. Der Titel bezieht sich sicher auch auf die ZDF-Reihe „Das Traumschiff“, für die er seit 26 Jahren arbeitet, aber darüber hinaus war Tögel in den letzten vierzig Jahren maßgeblich an vielen Klassikern des deutschen Fernsehens beteiligt: Er ist einer der erfolgreichsten deutschen Fernsehregisseure und hat Hunderte von Filmen und Serienfolgen inszeniert. Außerhalb der TV-Branche kennt ihn allerdings praktisch niemand. Er erklärt das so: „Ich habe viele Jahre lang umgesetzt, was sich kreative Köpfe wie Helmut Ringelmann, der Produzent von Serien wie ,Derrick‘ und ,Siska‘, oder Wolfgang Rademann, der Erfinder von ,Schwarzwaldklinik‘ und ,Traumschiff‘, ausgedacht haben. Sie waren die Schöpfer, ich war der Réalisateur.“

Der 1941 im Sudetenland geborene und in Bayreuth aufgewachsene Tögel hat zwar auch Kinofilme gedreht, aber im Grunde fast ausschließlich fürs Fernsehen gearbeitet: „Ich wollte die Welt sehen und nicht bloß alle zwei Jahre einen Film machen, und das war in meiner Anfangszeit als Regisseur nur beim Fernsehen möglich.“ Auch das bereut er nicht: „Wenn man die Zuschauerzahlen aller meiner Arbeiten addiert, ergibt das vier Milliarden Menschen. Ich habe derart viel gedreht, dass es zeitweise sogar Gerüchte gab, der Name Tögel sei ein Pseudonym, hinter dem sich mehrere Regisseure verbergen.“

In seiner Filmografie wechseln sich Anspruch („Jakob und Adele“, ZDF) und leichte Ware („Dr. Stefan Frank“, RTL), aber es findet sich auch Hochkultur, etwa das Fernsehspiel „Amphitryon“ (1981). Die Kritiken, erinnert sich Tögel, „waren hervorragend, die Einschaltquote weniger, sie betrug nur 4 Prozent“. Deshalb hat er lieber „Schwarzwaldklinik“ gedreht. Da gab es zwar nur Verrisse, aber eine Quote von 64 Prozent.

Dabei wollte Tögel eigentlich lieber Dirigent werden. Er war in jungen Jahren mit der Familie Wagner befreundet und kannte daher auch den Dirigenten Wolfgang Sawallisch, dem er seinen Berufswunsch vortrug. „Er gab mir eine Schallplatte und eine Woche Zeit, mich vorzubereiten. Als ich ihm meine Künste vorführte, sagte er: ,Jürgen, dein musikalisches Gespür reicht über das Stadttheater Regensburg leider nicht hinaus.‘“ Also erfüllte er sich seinen zweiten Wunsch und wurde Regisseur. Vor fünfzig Jahren gab es noch keine Filmhochschulen, der Weg in den Beruf führte über die Regieassistenz. Zusätzlich hat Tögel eine Schauspielschule besucht, weil er wissen wollte, „wie man die beste Leistung aus den Darstellern herausholen kann“. Er bedauert, dass sich viele Regisseure nicht die Mühe machten, sich in ihre Schauspieler hineinzuversetzen. Er verdeutlicht seine Arbeitsweise mit einer Anekdote: „Beim Dreh einer erotischen Bettszene genierten sich die beiden Hauptdarsteller und baten mich, alle anderen Mitarbeiter wegzuschicken, aber das war ihnen noch nicht genug: Ich sollte mich ebenfalls ausziehen, was ich auch tat. Damit war das Eis gebrochen.“

In seinem Buch beschreibt Tögel die Lehrjahre in den Sechzigern und Siebzigern als turbulente Zeit, in der er auch außerhalb seines Metiers eine Menge gelernt habe. Diese Schule des Lebens fehle vielen jüngeren Regisseuren. Die heutige Hochschulausbildung sei zwar sinnvoll, weil Regie mittlerweile viel mehr mit Technik zu tun habe, aber ihm sei es wichtig gewesen, den Beruf als „Learning by doing von der Pike auf zu lernen“.

Im August wird der Regisseur 77. Er dreht nach wie vor Filme für die ZDF-Reihen „Traumschiff“ und „Rosamunde Pilcher“. Tögel gehört zwar nicht zu den „Früher war alles besser“-Nostalgikern, denkt aber dennoch mit einer gewissen Wehmut an die Achtziger zurück, als er mit „Schwarzwaldklinik“ regelmäßig bis zu 25 Millionen Zuschauer erreichte. Es habe allerdings nicht nur an den Quoten gelegen, dass diese Ära gern als die goldenen Jahre des öffentlich-rechtlichen Fernsehens bezeichnet wird, sondern auch an den Sendern: „Da saßen Menschen mit Visionen, die für ihre Projekte brannten. Viele Redakteure betrachten ihre Arbeit heute nur als Job, es mangelt ihnen an Sensibilität. Im Grunde könnten sie auch in anderen Branchen Karriere machen.“