Wo sind die Brennpunkte? Was sind die Ursachen? Das sind die Unfallschwerpunkte 2017 in Bremen

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Die Brill-Kreuzung ist ein Unfallschwerpunkt in Bremen. Foto: imago/Eckhard StengelDie Brill-Kreuzung ist ein Unfallschwerpunkt in Bremen. Foto: imago/Eckhard Stengel

Bremen. Die Unfallzahlen haben sich 2017 moderat entwickelt, die tödlichen Unfälle sind leicht zurückgegangen, doch aufgrund der Dauerbaustelle auf der A1 weichen viele Fahrer durch die Stadt aus, so dass es so viele Unfälle wie nie in den vergangenen fünf Jahren in Bremen gab. Wo sind die Unfallschwerpunkte? Was sind die Unfallursachen? Ein Blick in die Verkehrsunfallstatistik.

Wie sieht die Verkehrsunfallstatistik für Bremen für das Jahr 2017 aus?

Insgesamt gab es in der Hansestadt 19.601 Verkehrsunfälle, das ist eine Steigerung um 1.659 Fälle im Vergleich mit dem Vorjahr. Diese Entwicklung, so heißt es in der Verkehrsunfallstatistik der Bremer Polizei, spiegelt die Entwicklung der Unfälle bundesweit wider.

Bundesweit sind die Unfallzahlen gestiegen, da es immer mehr zu Sachschäden kommt. Bei jedem vierten Unfall in Bremen entfernte sich der Verursacher unerlaubt vom Unfallort. Häufig ging es dabei um leichte Sachschäden, die durch Anrempler auf Parkplätzen verursacht wurden.

Im Gegensatz zu den Unfällen mit Sachschäden hat sich die Zahl der Unfälle mit Personenschäden moderat erhöht und lag mit 3.194 Verkehrsunfällen unter dem Niveau der Jahre 2013 bis 2015. Außerdem gab es neun Todesopfer bei Unfällen, 2016 waren es elf, 2015 gab es 16 Todesopfer. Besonders betroffen sind weiterhin Fußgänger und Radfahrer. Die Zahl der Verkehrsunfälle mit Radfahrbeteiligung ist im Vergleich zu 2016 gestiegen, im langfristigen Vergleich aber auf niedrigerem Niveau. Vier Radfahrerinnen und Radfahrer sind im Jahr 2017 tödlich verunglückt. (Weiterlesen: Radfahrerin in Bremen von Lastwagen erfasst und tödlich verletzt )

Welche Ursachen waren für die Unfälle verantwortlich?

Die Hauptursache Nummer eins für Unfälle ist der mangelnde Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug. Aufgrund dieses Verstoßes hat es 5.546 Mal in Bremen gekracht. 2016 gab es deshalb 4.679 Unfälle, das ist eine Steigerung um 18,5 Prozent. Doch hinter dieser Ursache verbirgt sich noch eine andere Gefahr: die Ablenkung am Steuer durch die Benutzung von Smartphones. Das Risiko, einen Unfall zu verursachen, steigt laut Unfallforschung beim Telefonieren mit einem Mobiltelefon um das Fünffache.

Doch auch die Freisprechanlage schützt nicht vor Unachtsamkeit, warnt die Polizei: Auch hier erhöht sich das Unfallrisiko immer noch um das Vierfache. Nicht nur Autofahrer und Lkw-Fahrer sind dadurch abgelenkt und können nicht mehr rechtzeitig auf eine gefährliche Situation reagieren, auch Fußgänger und Radfahrer lassen sich davon ablenken. Vor allem die Benutzung von Kopfhörern, die das komplette Ohr bedecken und Umgebungsgeräusche herausfiltern, stellen eine Gefahr dar, so die Polizei.

Abbiegen oder Wenden ist die zweithäufigste Ursache für Unfälle in der Hansestadt: 3.878 Mal wurde dabei ein Unfall verursacht, 2016 waren es 3.476 Unfälle in dieser Kategorie. Aber auch Fahrstreifenwechsel, das Missachten der Vorfahrt, zu hohe Geschwindigkeit, Alkohol oder Drogen sowie das Überholen führten zu Unfällen.

Stoßstange an Stoßstange: Nicht nur zum Feierabendverkehr ist es voll in Bremen, aufrund der Dauerbaustelle auf der A1 wollen viele Menschen ihren Weg durch die Hansestadt abkürzen. Dadurch kam es 2017 zu zahlreichen Unfällen. Foto: imago/Hoch Zwei Stock/Angerer

An welchen Stellen kracht es besonders häufig?

Wer an Bremen vorbei fahren möchte, kommt um die A1 nicht herum. Aufgrund der Dauerbaustelle und des Dauerstaus im Bereich Stuhr/Brinkum wollen viele Fahrer dieses Gebiet umgehen, indem sie durch das Stadtgebiet fahren. Eine Abkürzung ist das nur selten, da viele Fahrer auf diese Idee kommen und die Baustellen in Bremen ebenfalls eine Staugefahr sind. In Bremen wird es also immer voller, die Umleitungsstrecken sind vor allem zu Stoßzeiten überlastet, es kommt zu mehr extremen Verkehrssituationen und dadurch auch zu mehr Unfällen. (Weiterlesen: Unfallzahl im A1-Großbaustellenbereich um 70 Prozent gestiegen)

So wie die A1 seit Jahren eine Gefahrenstelle für Verkehrsteilnehmer ist, haben sich auch die Unfallschwerpunkte in der Hansestadt kaum verändert. Trauriger Spitzenreiter ist der Verkehrsknotenpunkt Am Stern im Bremer Stadtteil Schwachhausen: Dort gab es 2017 insgesamt 46 Unfälle, davon waren 18 Unfälle mit Personenschaden, 23 Menschen wurden dabei verletzt. An zweiter Stelle der Unfallschwerpunkte steht die Kreuzung Am Brill/Bürgermeister-Smidt-Straße mit insgesamt 53 Unfällen, zwölf Unfällen mit Personenschaden, dabei wurden zwölf Menschen verletzt. An der Kreuzung Kurt-Schumacher-Allee/Karl-Kautzky-Straße hat es zehnmal gekracht, davon waren drei Unfälle mit Personenschaden, drei Menschen wurden dabei verletzt.

Auch auf der Stephanibrücke ist es besonders gefährlich: Dort verzeichnete die Polizei 153 Unfälle, davon waren 15 Unfälle mit Personenschaden, 19 Menschen wurden verletzt. Besonders auffällig: Auf der Stephanibrücke war die Hauptursache der Fahrstreifenwechsel (83 Unfälle), gefolgt von Unachtsamkeit/mangelndem Abstand (45 Unfälle).

An der Kreuzung Rembertiring/Rembertistraße (Nord) krachte es 29 Mal, davon waren zehn Unfälle mit Personenschaden, zehn Menschen wurden verletzt. Auf der Hans-Böckler-Straße gab es 42 Unfälle, davon waren sieben mit Personenschaden, sieben Verkehrsteilnehmer wurden dabei verletzt. An der Kreuzung Bürgermeister-Smidt-Straße/Am Deich verzeichnete die Polizei 17 Unfälle, davon waren acht mit Personenschaden, 13 Menschen wurden verletzt.

Auch an der Kreuzung Herdentorsteinweg/Breitenweg gab es zahlreiche Unfälle, insgesamt 43, davon sechs mit Personenschaden, sieben Menschen wurden verletzt. An der Kreuzung Stresemannstraße/Benningsenstraße krachte es 21 Mal, davon waren sechs Unfälle mit Personenschaden, sieben Menschen wurden verletzt. Hauptursache war immer Unachtsamkeit/mangelnder Abstand, außer an der Kreuzung Bürgermeister-Smidt-Straße/Am Deich. Dort verursachten Fahrer, die wenden, abbiegen oder rückwärts fahren wollten, die meisten Unfälle.

Was unternehmen Stadt und Polizei?

Für den Sommer hat die Polizei Bremen verstärkte Kontrollen an den Unfallschwerpunkten angekündigt, um Abbiegeunfälle zu reduzieren. Außerdem soll es stationäre Kontrollen geben, um Abstandsverstöße und die unerlaubte Nutzung von Mobiltelefonen zu ahnden. Am 20. September 2018 beteiligt sich die Polizei darüber hinaus an dem bundesweiten Aktionstag für mehr Verkehrssicherheit und legt ihr Augenmerk auf das Thema Ablenkung im Straßenverkehr.

Auch die häufigen Unfallschwerpunkte für Radfahrer will die Polizei in den Fokus nehmen. Weitere Ziele sind, Aggressionsdelikte wie drängeln oder rücksichtsloses Verhalten sowie den Drogenkonsum im Straßenverkehr durch vermehrte Kontrollen zu bekämpfen.

Um die Verkehrssicherheit vor Kitas, Schulen, Krankenhäusern, Seniorenheimen und Behinderteneinrichtungen zu verbessern, sollen dort Tempo-30-Zonen eingerichtet werden. Seit 2016 gibt es dafür in der Straßenverkehrsordnung die Grundlage, die Novellierung besagt, dass Tempo 30 vor Einrichtungen wie Schulen und Kitas nicht mehr die Ausnahme sein sollen, sondern die Regel. Bereits in den kommenden Monaten sollen deshalb 71 neue Tempo-30-Zonen in Bremen eingerichtet werden, 107 weitere dieser Einrichtungen werden in diesem Jahr dahingehend noch überprüft.


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