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Nachrichten im Viertelstundentakt Seit 20 Jahren hält NDR Info seine Hörer auf dem Laufenden

Von Susanne Haverkamp

Nachrichten, Hintergründe und Features: Seit 20 Jahren informiert NDR Info seine Hörer. Foto:  SWR/NDR/Klaus WestermannNachrichten, Hintergründe und Features: Seit 20 Jahren informiert NDR Info seine Hörer. Foto: SWR/NDR/Klaus Westermann

Hamburg. Vor genau 20 Jahren, am 2. Juni 1998, ging der Radiosender NDR Info an den Start. Mit Nachrichten im Viertelstundentakt und mit einer Erfolgsgeschichte, „die unsere eigenen Erwartungen übertraf“, wie Joachim Knuth, der Programmdirektor Hörfunk des NDR, sagt.

In den 1990er-Jahren war die Radiolandschaft im Umbruch. Die privaten Radiosender machten den öffentlich-rechtlichen scharfe Konkurrenz. Die „Morningshow“ und das leichte Musikprogramm „zum Durchhören“ standen hoch im Kurs. Zu viel Wort schadete da nur. Deshalb trennten die Sender zunehmend Wort und Musik – und erfanden eigene Infoprogramme für die Wissensdurstigen.

„Info-Radios gab es damals schon einige“, sagt Joachim Knuth, lange Jahre Wellenchef des neuen Senders NDR Info und heute Programmdirektor Hörfunk des NDR, im Gespräch mit unserer Redaktion. „NDR Info ist unter ihnen ein Unikat.“ Von Anfang an war der Sender nicht zum langen Durchhören gedacht, sondern für die schnelle Information. „Alle Viertelstunde Nachrichten, Wetter und Verkehr; dazwischen das Wichtigste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport – wir wollten garantieren, dass man in maximal 20 Minuten Zuhören exzellent informiert ist“, so Knuth. Die Nachrichten im Viertelstundentakt waren dabei lange umstritten. „Es hat Jahre gedauert, bis dieses Format wirklich akzeptiert war. Heute ist es gesetzt und gehört zur DNA von NDR Info.“

Und zu seiner Erfolgsgeschichte. „Wir hatten noch nie so viele Hörer wie bei der letzten Media-Analyse“, so Knuth. „657 000 Menschen hören uns jeden Tag; das sind 4,9 Prozent Tagesreichweite.“ Klingt vielleicht nicht viel, aber: „Wir sind mit 1,2 Prozent gestartet.“

Bewährungsprobe

Am Anfang musste sich NDR Info sofort beweisen. „Am zweiten Sendetag passierte die Zug-Katastrophe von Eschede“, sagt Claudia Spiewak. An diesem Tag saß sie als Moderatorin am Mikrofon, heute ist sie Programmchefin von NDR Info und damit Nachfolgerin von Joachim Knuth. „Dieser Tag war eine Riesenherausforderung für uns. Wir waren ja alle noch nicht geübt darin, über viele Stunden im Minutentakt neue Informationen zu bringen.“ Und das, so Spiewak, in einer Zeit, in der das Radio noch nicht digitalisiert war. „Wir mussten noch Bänder hin- und herschleppen, das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.“ Der Unfall des ICE auf der Bahnstrecke zwischen Hamburg und Hannover kostete 101 Menschen das Leben, 88 wurden schwer verletzt. „Es war ein schreckliches Ereignis, das wir über viele Stunden im Studio und vor Ort begleitet haben“, sagt Spiewak. „Aber es war auch eine Bewährungsprobe, bei der wir dachten: Viel schlimmer kann es nicht kommen. Was sich am 11. September 2001 als Irrtum herausstellte.“

Seit dieser Zeit hat sich einiges geändert. „Wir sind angetreten mit dem Anspruch, immer die Ersten zu sein mit aktuellen Informationen“, sagt Joachim Knuth. Dann kam das Internet. „Heute wollen wir eher die Ersten sein mit gesicherten Informationen“, sagt seine Nachfolgerin Claudia Spiewak. „Recherche ist deshalb noch viel wichtiger geworden, der Faktencheck, die Einordnung der Ereignisse.“

Abendliche Sendungen

Wert legt NDR Info deshalb auch auf die abendlichen Sendestrecken mit der „Redezeit“, mit Wissenssendungen, mit Feature oder Hörspiel. „Die Abendstrecken sind journalistisch und finanziell ziemlich aufwändig“, sagt Knuth. Vor allem in Hinblick auf die Einschaltquote. Aber hier hilft das Internet etwa mit jederzeit abrufbaren Podcasts.

Wichtiger geworden ist durch soziale Medien auch der Hörerkontakt. „Wir haben eine eigene Sendestrecke, in der wir Fehler offenlegen, korrigieren, aber auch Fragen zu unserer Themenauswahl und unserem Programm insgesamt beantworten“, sagt Claudia Spiewak. „Vor 20 Jahren waren Transparenz und Partizipation noch kein großes Thema“, ergänzt Joachim Knuth. „Heute legen wir größten Wert darauf.“ In einer Zeit von „Fake-News“ und „Lügenpresse“ wohl auch wichtig für die Vertrauenswürdigkeit eines öffentlich-rechtlichen Informationsprogramms.