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Verstärkte Polizeipräsenz Spektakulärer Prozessauftakt um Geiselnahme in Bremen

Von Manuela Kanies

Fünf Männer im Alter von 30 bis 42 Jahren müssen sich seit Donnerstag wegen einer mutmaßlichen Geiselnahme und Körperverletzung vor dem Bremer Landgericht verantworten. Foto: Carmen Jaspersen/dpaFünf Männer im Alter von 30 bis 42 Jahren müssen sich seit Donnerstag wegen einer mutmaßlichen Geiselnahme und Körperverletzung vor dem Bremer Landgericht verantworten. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Bremen. Am Bremer Landgericht ist am heutigen Donnerstag ein spektakulärer Prozess gestartet, in dem es um eine Geiselnahme und Morddrohungen geht. Die Polizei hat verstärkte Sicherheitsvorkehrungen getroffen.

Fünf Männer werden von der Staatsanwaltschaft angeklagt, einen Mann gegen seinen Willen festgehalten und mehrfach körperlich misshandelt zu haben. Außerdem sollen sie ihm gegenüber Morddrohungen ausgesprochen haben. Der Prozess wurde unter massiven Sicherheitsvorkehrungen eröffnet, die der Vorsitzende Richter Thorsten Prange auch mit dem Schutz für die Angeklagten begründete. Es könne nicht mit Sicherheit gesagt werden, wer im Zuschauerraum sitze. Die im Saal anwesenden zum Schutz ihrer Identität maskierten Polizeibeamten seien auch als Vorsichtsmaßnahme gegen eine mögliche „Revanche“ gegen die Angeklagten anwesend.

Informationen zu Überfall auf Teestube erpresst

Die Männer im Alter zwischen 30 und 42 Jahren haben bis auf einen alle die türkische Staatsangehörigkeit. Sie wollten bei der Geiselnahme die Hintergründe eines noch unaufgeklärten Überfalls auf eine türkische Teestube in Erfahrung bringen, heißt es in einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft. Die Teestube an der Kirchhuchtinger Landstraße in Bremen wurde im April 2016 von maskierten und bewaffneten Männern überfallen. Um an die Informationen zu kommen, sollen die Angeklagten das Opfer am Abend des 26. Aprils 2016 gefesselt, mit einer Pistole bedroht und mehrfach ins Gesicht und gegen den Oberkörper geschlagen haben. Entführer und Opfer waren miteinander bekannt.

Schusswaffe an den Kopf gehalten

Die mutmaßlichen Täter sollen dem Opfer gedroht haben, ihn umzubringen, wenn er sein Wissen über den Überfall nicht preisgebe. Außerdem sollen sie ihn mehrfach gezwungen haben, sich hinzuknien, um ihm eine Schusswaffe an den Kopf zu halten. Nachdem das Opfer, den die Angeklagten als „Verräter“ bezeichneten, die erpressten Informationen offenbart haben soll, sei er von den Angeklagten in eine Parzelle gebracht worden. Dort soll er an einen Stuhl gefesselt und ohne Essen und Trinken bis zum 28. April 2016 festgehalten worden sein.

Erst nach drei Tagen freigelassen

Erneut sei er von den Angeklagten geschlagen worden, wobei seine Augen verbunden gewesen sein sollen. Am Abend des 28. April soll der Geschädigte in die Teestube gebracht worden sein, wo er durch eine gesondert verfolgte Person erneut zu den Hintergründen des Überfalls befragt worden sein soll. Dabei soll dem Geschädigten ein Tisch auf den Kopf geschlagen worden sein, heißt es weiter in der Anklageschrift.

Erst am 29. April sei das Opfer nachts freigelassen worden. Laut Anklage habe man ihn dabei erneut bedroht: Sollte er zur Polizei gehen, werde er umgebracht und seine Tochter vergewaltigt. Der Mann ließ sich dadurch nicht einschüchtern und ging zur Polizei. Für den Prozess sind 40 Verhandlungstage vorgesehen, der letzte Verhandlungstag soll im Dezember stattfinden.

Die Angeklagten sitzen in Untersuchungshaft. Auf Geiselnahme steht eine Mindeststrafe von fünf Jahren Gefängnis. (mit dpa)