Blick in die Bremer Bierszene Markus Freybler über Bremer Traditionsbier und Hopfenanbau in der Hansestadt

Von Manuela Kanies

Markus Freybler inmitten von Hopfen. Foto: Bremer BraumanufakturMarkus Freybler inmitten von Hopfen. Foto: Bremer Braumanufaktur

Bremen. Rotbier hat in Bremen eine lange Tradition, deshalb hat Markus Freybler es mit seiner Biermarke Hopfenfänger auch wieder zum Leben erweckt. Was hinter seiner Idee der Bremer Braumanufaktur steckt und wieso Hopfen in der Hansestadt sehr gut gedeiht, hat er unserer Redaktion im Gespräch verraten.

In der Markthalle Acht am Domshof gibt es seit November 2016 die Biere der Bremer Braumanufaktur im Ausschank. Auch in den Getränkemärkten von Hol ab sowie in einigen Rewe- und Edeka-Filialen kann man die Biere der Marke Hopfenfänger von Markus Freybler kaufen. Doch das reicht dem Ingenieur nicht, der viele Jahre bei Beck & Co. in verschiedenen Abteilungen gearbeitet hat: Er hätte gerne eine eigene Brauerei, um sein Bier für die Menschen erlebbar zu machen. Daran wäre Kollege Tobias Grebhan in Bremen auch fast gescheitert, für Freybler gibt es hingegen noch kein Happy End. (Weiterlesen: Mikrobrauer Tobias Grebhan über Bremer Biervorlieben und Craftbeer)

Markus Freybler ist Kuckucksbrauer

Wie auch Grebhan erfährt Freybler, dass es alles andere als einfach ist, in der Hansestadt einen Ort, an dem er brauen darf, zu finden. Sein jüngstes Projekt ist gerade an organisatorischen Hürden gescheitert. Doch er gibt die Hoffnung auf eine eigene Braustätte noch nicht auf und sucht weiter.

Bis er Erfolg hat, bleibt er ein sogenannter Kuckucksbrauer, im Englischen auch Gypsy Brewer genannt. Das heißt, er mietet sich in Brauereien ein und dort werden ihm die Geräte und Tanks zur Verfügung gestellt. Zurzeit braut er in der Artland Brauerei in Nortrup. Dort gefällt es dem 55-Jährigen auch gut, einziges Problem ist die Entfernung von etwa 100 Kilometern. Umsiedeln kommt für ihn nicht in Frage, Bremen ist seine Wahlheimat, in der er bleiben möchte. (Weiterlesen: Zahl der Brauereien in Niedersachsen und Bremen steigt)

Rotbier: die Wiederbelebung einer Bremer Tradition

Deshalb auch der Name seiner Marke: Bremer Braumanufaktur. „Die Bremer hatten keine Biermarke mehr, mit der sie sich identifizieren können, seit Beck & Co. mehrfach verkauft wurde“, erzählt Markus Freybler im Gespräch mit unserer Redaktion. Das wollte er ändern, er möchte das Bremer Bier wiederbeleben.

Ein Schritt in diese Richtung ist die Herstellung von Rotbier. Historische Quellen belegen, dass diese Biersorte mit rötlicher Färbung bereits im Mittelalter in Bremen produziert und exportiert wurde, berichtet Freybler. Der Exportschlager verschwand erst vom Markt, als Hafer dem Bier beigemischt wurde. „Das ist eigentlich kein Getreide, das man für Bier nutzen kann. Doch es ist günstiger, die Herstellungskosten wurden dadurch gesenkt“, so der Ingenieur, der bei Weihenstephan in Freising das Brauhandwerk studiert hat. Durch den Hafer verlor das Rotbier an Qualität, schließlich verschwand es ganz vom Markt. (Weiterlesen: Zwischen Tradition und Craftbiertrend: die Gasthausbrauerei Schüttinger)

Kräusen ist am beliebtesten

Neben Rotbier hat Freybler noch Kräusen, India Pale Ale (IPA), Schwarzbier und das Ale No. 2 im Angebot. Kräusen sei das beliebteste seiner Biere, berichtet er, danach komme aber schon das IPA. Was durchaus nicht zu erwarten ist, sind die Bremer doch vor allem als Pils-Trinker bekannt.

Das Ale No. 2 ist eine Kooperation mit dem Braumeister aus der Gasthausbrauerei Schüttinger, Palle Jensen. Diese Zusammenarbeit habe ihm viel Spaß gemacht. Das Ale wurde aus Bremer Hopfen gebraut, der in Bioqualität in der Gemüsewerft angebaut wird.

Hopfen aus der Hansestadt

Obwohl es in der Hansestadt eher kühler ist als in anderen Hopfenanbaugebieten, gedeihen dort vier Aromahopfensorten prächtig. „Für die Bierherstellung im Mittelalter muss es auch in Bremen bereits Hopfen gegeben haben, die Brauer werden ihn nicht aus Süddeutschland geholt haben“, erklärt Freybler den Umstand, dass auch der Hopfenanbau in Bremen durchaus eine lange Tradition haben könnte. Wer sich aufmerksam umsieht und auskennt, kann im September und Oktober viel wilden Hopfen in der Stadt entdecken.

Da Freybler für seine Biere viel Hopfen braucht, reicht der Bestand aus der Gemüsewerft nicht aus, er muss weiter dazu kaufen. Und hofft, mit seinen hopfenbetonten Sorten so langsam einen Nerv bei den Bremern zu treffen: „Die Leute tun sich schwer mit neuen Sachen, aber der Markt ist auch schwierig“, so der 55-Jährige. Der Getränkegroßhandel werde in Bremen und Umgebung von Hol ab dominiert, in der Gastronomieszene wurden bislang vor allem Verträge mit einer großen kapitalstarken Brauerei abgeschlossen und andere Supermärkte gebe es neben Edeka und Rewe so gut wie nicht. Markus Freybler hofft, dass sich vor allem in der Gastronomie bald etwas tut, aber: „Es ist kein einfaches Pflaster.“


Gemüsewerft in Bremen

Die Gemüsewerft ist eine urbane Landwirtschaft an zwei Standorten in Bremen, in der neben Hopfen noch Pilze, Gemüse, Obst und Kräuter in Bioqualität produziert werden. Zentrale Ziele der Gemüsewerft sind die urbane Rückgewinnung landwirtschaftlicher Kompetenzen, der Anbau von stadtwirtschaftlichen Erzeugnissen, umweltgerechter Zugang zu urbanem Grün und die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung und psychischen Erkrankungen.

Neben der landwirtschaftlichen Produktion versteht sich das Urban Gardening Projekt laut Beschreibung auf der Homepage als „Diskussionsforum für gesellschaftspolitische und lebensumweltbezogene Themen etablieren. Wir möchten Platz und geistigen Raum für kulturelle, künstlerische und wissenschaftliche Ideen bieten.“ Die Gemüsewerft ist ein Projekt der Gesellschaft für integrative Beschäftigung.