Blick in die Bremer Bierszene Zwischen Tradition und Craftbiertrend: die Gasthausbrauerei Schüttinger

Von Manuela Kanies


Bremen. Selbst gebrautes Bier gibt es in der Gasthausbrauerei Schüttinger bereits seit 28 Jahren, doch der Craftbier-Trend macht auch vor der Traditionsgaststätte nicht halt. Ein Besuch bei Braumeister Palle Jensen.

Seit 1990 gibt es in der Gasthausbrauerei Schüttinger zwei Traditionssorten Bier aus dem Zapfhahn: das Helle, ein unfiltriertes Pils, und das Dunkle, ein untergäriges Lager. Doch auch wenn die Stammgäste diese Sorten im Schüttinger am liebsten trinken, darf ab und zu ein bisschen Abwechslung sein. Braumeister Palle Jensen, seit sechs Jahren in der Gasthausbrauerei in der Bremer Innenstadt tätig, wagt Experimente – allerdings in kleinem Maßstab. (Weiterlesen: Mikrobrauer Tobias Grebhan über Bremer Biervorlieben und Craftbeer)

Aus einem dieser Experimente ist das Winterbier entstanden, das vom ersten Advent an so lange angeboten wird, bis die Fässer alle sind. „Das Winterbier ist ein norddeutsches Altbier, es wurde beim ersten Testlauf gut angenommen, deshalb brauen wir es weiter“, erzählt Jensen im Gespräch mit unserer Redaktion.

Bier nur für den Ausschank

Das Konzept der Gasthausbrauerei kam gegen Ende der 1980er Jahre nach Deutschland, so Jansen. In erster Linie ist das Schüttinger also Gasthaus, in zweiter Linie Brauerei. „Die Produktion des eigenen Bieres ist für unsere Gäste besonders interessant“, sagt der Braumeister, der in der Nähe von Dortmund sein Handwerk gelernt hat. Deshalb gibt es auch regelmäßig Führungen durch die Brauerei.

Das heißt aber auch, dass das Bier nur im Gasthaus ausgeschenkt wird, der Einzelhandel wird nicht beliefert. Das sei auch weiterhin nicht geplant. Wer Gefallen an den Biersorten gefunden hat, kann entweder 0,5-Liter-Flaschen als Souvenir oder kleine Fässer im Schüttinger kaufen.

Da das Bier gemäß des Deutschen Reinheitsgebots gebraut wird, muss es ohne Konservierungs- oder Stabilitätsmittel auskommen. Dadurch hat es eine kurze Haltbarkeit von etwa vier Wochen, wenn man es in der Flasche mit nach Hause nimmt. Um es frisch genießen zu können, wird empfohlen, es schnell zu trinken. Je länger es lagert, desto mehr büßt es an Geschmack ein.

Kooperation mit Bremer Braumanufaktur

Insgesamt werden im Schüttinger zwischen 1300 und 1400 Hektoliter Bier gebraut, das entspricht 130.000 bis 140.000 Liter. Zu den beiden Standardsorten und dem Winterbier kommt im Frühjahr der Maibock hinzu. Das untergärige Starkbier wird ab Ende April so lange angeboten, bis der Tank, der etwa 3000 Liter fasst, leer ist.

Ein exotischeres Bier hingegen ist das Ale No. 2. Zusammen mit Markus Freybler von der Bremer Braumanufaktur hat Palle Jensen dieses Bier entwickelt. Das Besondere daran: Es wird aus Hopfen gebraut, der in der Bremer Gemüsewerft angebaut wird. „Der erste Hopfen, der nach vielen Jahren erstmals wieder in Bremen angebaut wurde, sollte auch in Bremen eingebraut werden“, erklärt Jensen die Zusammenarbeit.

Markus Freybler ist ein Gastbrauer, er hat keine eigene Brauerei, sondern mietet sich in Brauereien ein, um dort sein Bier herzustellen. „Dieses Pale Ale ist eines der besten Biere, die ich bislang gebraut habe“, schwärmt Jensen. Auch bei den Stammgästen kommt es mittlerweile gut an.

Interesse an Craftbier ist groß

Der Craftbiertrend macht sich also auch im Schüttinger bemerkbar: Das Interesse der Menschen an verschiedenen und vor allem neuen Biersorten ist sehr groß, so Jensen. Das bemerkt er vor allem in den Führungen: „Die neue Biervielfalt hilft uns allen. Die Wertschätzung für das Bierhandwerk nimmt durch den Trend zu.“

Die Gasthausbrauerei Schüttinger liegt zentral in der Bremer Innenstadt am Schütting. Foto: Gasthausbrauerei Schüttinger

In die Quere kommen sich die Brauer nicht: Tobias Grebhan produziert kleine Mengen vor allem für seine Bar, die Union Brauerei in Walle ist weit genug weg, die Bremer Braumanufaktur beliefert bislang vor allem den Getränkemarkt und das Schüttinger besetzt eine eher rustikale, traditionelle Nische in der Bremer Bierszene. „Es gibt keinen Wettbewerb“, sagt der Braumeister. „Wir können gut miteinander arbeiten, nebeneinander existieren und pflegen einen guten Kontakt.“