Gesellschaftliches Tabuthema Tatort-Preview „Im toten Winkel“ im Bremer Kino

Von Steffen Koller

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Gedreht wurde der Tatort „Im toten Winkel“ mit Peter Heinrich Brix, Sabine Postel und Oliver Mommsen (von links) im vergangenen August. Foto: Steffen KollerGedreht wurde der Tatort „Im toten Winkel“ mit Peter Heinrich Brix, Sabine Postel und Oliver Mommsen (von links) im vergangenen August. Foto: Steffen Koller

Bremen. Gut 300 Zuschauer sahen bei einer Preview im Bremer Kino „Cinemaxx“den neuen Tatort „Im toten Winkel“. Mit dabei war auch Darstellerin Sabine Postel.

„Mama, wann stirbst du endlich?“ Es ist einer dieser Sätze, die es einem kalt den Rücken herunterlaufen lassen. Zugleich lässt sich das Thema der neuen Bremer Tatort-Folge kaum treffender beschreiben als mit diesem Satz. „Im toten Winkel“ heißt der Krimi, in dem das altbewährte Ermittlerduo Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) ein System entlarvt, das an seiner eigenen Unfähigkeit krankt.

Jetzt war Preview im Kino „Cinemaxx“. Es wurde ein nachdenklicher Abend. Ein Schluck Sekt hier, eine Umarmung da. 300 Zuschauer sind in die oberste Etage des Kinos gekommen. Die Stimmung ist gut. Es wird gelacht und gewitzelt. Frauen in Abendkleidern und Männer in feinem Sakko stehen voller Vorfreude vor den Türen des Kinos. 90 Minuten später sieht die Welt, die vorher noch so rosig war, anders aus. Der neue Bremer „Tatort“ von Regisseur Philip Koch hat es wahrlich in sich.

Als der Rentner Horst Claasen (Dieter Schaad) seine demenzkranke Frau tötet, werden die Kommissare Lürsen und Stedefreund mit einem Thema konfrontiert, das seit Jahrzehnten in der deutschen Gesellschaft als Tabu gilt. War es Mord oder doch der einzige Weg, einem vermeintlich unwürdigen Leben ein Ende zu setzen?

Mit der Hilfe des Gutachters Carsten Kühne (Peter Heinrich Brix) begeben sich die Ermittler auf Spurensuche – und stoßen auf Abgründe eines Systems, das Pflegebedürftige als Umsatzfaktor sieht und Angehörige an die Grenze des Aushaltbaren drängt. So hart das Thema, so sehr mitgenommen sind manche Schauspieler nach Ende des Films, der auf dem Buch von Katrin Bühlig basiert.

Sabine Postel, gerade vom Moderator gefragt, wie sie den Krimi denn nun auf Großformat fand, sagt, sie sei „ein bisschen fertig“. Dann findet Postel doch Worte. Es sei „ein Skandal“, wenn es alten Menschen in Deutschland nicht mehr möglich sei, würdevoll zu sterben. „Doch das ist Realität – in komprimierter Form“, sagt Postel. Ob sie sich erhoffe, durch den Film etwas verändern zu können? „Ich erhoffe mir gar nichts mehr“, heißt es resignativ von der Schauspielerin. Das Einzige, was man machen könne, sei, sich früh genug zu kümmern, sagt Kollegin Camilla Renschke und erntet dafür neben einem „Bravo“ aus dem Publikum auch großen Applaus.

Und auch das Publikum scheint mitgenommen. Zeigte sich der Jubel vieler Besucher bei anderen Veranstaltungen dieser Art oft wesentlich großzügiger, wirkt es nun fast so, als dächten viele Zuschauer über den Prozess des Älterwerdens und über die Zeit der womöglich kommenden Abhängigkeit nach.


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