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Aussagen zur Zeit Oberon Trio debütiert in Bremen

Von Ute Schalz-Laurenze

Ein Sommernachtstraum: das Oberon Trio. Foto: Oberon Trio/PrivatEin Sommernachtstraum: das Oberon Trio. Foto: Oberon Trio/Privat

Bremen. Nicht oft hört man die Gattung Klaviertrio, deswegen auch selten das zum Teil wunderbare Repertoire. Einiges davon war jetzt im fünften Philharmonischen Kammerkonzert in der Bremer Glocke zu hören, dargeboten vom 2006 gegründeten Oberon Trio, das sich die Entdeckung selten oder nie gespielter Stücke zur Aufgabe gemacht hat.

Das ist an diesem Abend unter anderem das originelle Klavier-Trio von Charles Ives (1874 bis 1954). Der amerikanische Komponist hat viele Stücke geschrieben, die akustisch einen wie auch immer gearteten Alltag beschreiben, wie das berühmte „Central Park in the Dark“. Im 1904 entstandenen Trio erzählt er vom Alltag an einer Uni, indem er im ersten Satz These gegen Antithese stellt und mit einer Synthese abschließt. Der zweite Satz mit dreißig übereinandergelegten Volks- und Kirchenliedern beschreibt eine Party und der dritte eine nostalgische Erinnerung an diese schöne Zeit. Das Trio spielt das ungewöhnliche und unterhaltsame Stück ebenso witzig wie intelligent und klangschön.

Auch „Vitebsk“ (nach einer Stadt in Weißrussland benannt) von Aaron Copland (1900 bis 1990) gelingt Henja Semmler, Antoaneta Emanuilova und Jonathan Aner souverän: Unter dem Titel „Study on a Jewish Theme“ erforscht der jüdisch-stämmige amerikanische Komponist 1927 seine Wurzeln, wühlt für die Darstellung des „Dibukk“-Geistes mutig in der Dritteltönigkeit und findet auch poetische Schönheit.

Sind die Werke von Ives und Copland Raritäten, so gehört das Klaviertrio in a-Moll von Maurice Ravel (1875 bis 1937) nicht nur zu den Meisterwerken der Gattung, sondern der Musikgeschichte überhaupt. 1914 geschrieben und vom Komponisten selbst als „fast zu klassisch“ beurteilt, bringt es einen unfassbaren Reichtum an Aussagen zur Zeit: zwischen alter und neuer Musik, zwischen baskischer Volks- und Kunstmusik. Was die Musiker hier an Klangfarben, innerem Drängen und Expressivität entwickelt, kann man kaum besser machen. Was im Eingangsstück, dem Klaviertrio in Es- Dur, Hob XV:29 von Joseph Haydn, leider nicht der Fall ist. Das klingt durchgehend gleich und zeigt die nötige Rhetorik nur andeutungsweise.