Besuch in Bremens Brauereien Mikrobrauer Tobias Grebhan über Bremer Biervorlieben und Craftbeer

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Bremen. Wer glaubt, in Bremen wird nur Beck’s getrunken, irrt sich. Trotz der Markenmacht des Brauereikonzerns Anheuser-Busch Inbev. etablieren sich in der Hansestadt andere Bierstile. Ein Besuch bei den aufstrebenden Brauereien. Teil 1: Einblick in die Tanks von Mikrobrauer Tobias Grebhan.

Ein ruhiges Industriegebiet in Bremens Stadtteil Horn. Von außen ist die Mikrobrauerei von Tobias Grebhan nur anhand des Türschildes zu erkennen. Innen erwarten einen kistenweise handgemachtes Bier, eine Mikrobrauanlage, Säcke mit Malz und ein bisschen kreatives Chaos. Handgemacht heißt hier wirklich handgemacht: Tobias Grebhan macht fast alles alleine. Ein bisschen wie ein Einsiedler braut Grebhan hier Biere unter der Marke „Grebhans“ und unter der neuen Marke „Mabuse Bräu“.

Grebhans Biere haben häufig einen raffinierten Kniff: Hinter „Gevatter Stout“ verbirgt sich ein dunkles Starkbier mit Espresso, das Oat Pale Ale „Doktor Hafer“ beinhaltet neben den üblichen Bierzutaten Haferflocken und „Miss Ginga“ frische Ingwerwurzel. Aber auch klassische Pale Ales und India Pale Ales (IPA), die für viele Konsumenten stellvertretend für Craftbeer sind, hat Grebhan im Angebot: das East Coast IPA „Inspektor Hopps“ und das IPA „Hopfenwolf“. Exotischer wird es wieder mit „Prof. Rauch“, einem Rauchbier.

Quereinsteiger in die Braukultur

Aufgewachsen ist Grebhan mit Bieren aus Bremen, sein Vater war Braumeister bei einer Bremer Großbrauerei. Er hat die Braukunst von der Pike auf gelernt in Süddeutschland, bevor er nach Bremen kam. Tobias Grebhan hat einen anderen Weg eingeschlagen. „So als kleiner Steppke habe ich meinen Vater auf seinen Kontrollgängen begleitet, in den Semesterferien habe ich dort gearbeitet, wollte aber letztlich was anderes als mein Vater werden“, erzählt der Quereinsteiger.

Zuerst hat er nach dem Abitur Geisteswissenschaften studiert, dann Psychologie. Danach hat er viele Jahre in der Psychiatrie gearbeitet. „Ich hatte einen Job, in dem ich viel sabbeln musste. Jetzt will ich lieber etwas mit den Händen tun“, erklärt der Mikrobrauer. Das sind auch die Gründe, warum Grebhan sich nicht wie andere Mitglieder seiner Zunft als Gastbrauer in größeren Brauereien eingemietet hat, als er mit dem Handwerk begann, sondern gleich eine eigene Brauerei eröffnete.

Experimente in der Küche

Vor etwa acht Jahren entdeckte er einen Artikel über Craftbeer aus Skandinavien und den USA. Daraufhin vertiefte er sich in die Materie und trank mit dem Trappistenbier Rochefort, ein belgisches, dunkles Starkbier, sein erstes Craftbeer. „Da habe ich zum ersten Mal Bier bewusst getrunken“, sagt er und gibt zu, dass er lange der Illusion erlegen war, dass die Deutschen sowieso das beste Bier der Welt brauen. Deshalb kam er gar nicht auf die Idee, den Blick über den Tellerrand zu blicken.

Nachdem er in der eigenen Küche ein bisschen experimentiert hatte, eröffnete er zusammen mit seiner Schwester einen Laden für Bierspezialitäten im Bremer Schnoor, direkt neben seiner Brauerei. Außerdem gab er Seminare zum Thema Bier. Bei der Gründung des unabhängigen Familienunternehmens ging es unter anderem darum, zu testen, ob er die Qualität seiner Biere auch im größeren Stil halten kann: „Schaffe ich eine bestimmte Qualität, die ich auf Dauer verkaufen kann? Das ist schon was anderes, als in der Küche zu brauen.“ Obwohl die Anlage klein war, habe er recht viel Geld investieren müssen.

Der Bremer ist eigen

Finanziell gelohnt habe sich das Brauen damals nicht, berichtet der Bremer: „Das war nicht zum Geld verdienen.“ Die Seminare hingegen seien gut besucht gewesen. Doch im Laden stieß Grebhan auf ein anderes Problem: den Bremer und sein traditioneller Biergeschmack. Der Bremer, so Grebhan, war noch nicht bereit für eine Biervielfalt außerhalb der Welt von Beck’s. „Der Bremer ist eigen. In einem Buch über die Biergeschichte Bremens heißt es: Alles, was er nicht kennt, mag er nicht. Darauf sollte man als Brauer achten.“

Grebhan hatte hingegen gedacht, dass der erste Craftbeer-Laden in Bremen den richtigen Nerv der Konsumenten trifft. Seine Kunden waren dann aber hauptsächlich Touristen aus Osteuropa, den USA oder Skandinavien. Kunden, die bereit waren, auch mal 2,99 Euro für eine Flasche Bier zu bezahlen.

Biermarkt ist ein Haifischbecken

In Hannover oder Hamburg seien die Menschen experimentierfreudiger, berichtet Grebhan von den Erfahrungen anderer Brauer. Doch in Bremen wollte die Idee des handgemachten Biers noch nicht zünden. Deshalb gab er das Geschäft wieder auf. Aber er wollte unbedingt weiter Bier brauen. Wenn Grebhan beschreibt, wie schwierig es ist, sich auf dem Biermarkt zu etablieren, werden seine Leidenschaft und Überzeugung für seine Produkte deutlich. „Der deutsche Biermarkt ist ein Haifischbecken und ganz anders als in anderen Ländern. Unter 1000 Hektolitern im Jahr ist es schwer, sich zu etablieren“, berichtet er von seinen Erfahrungen der vergangenen Jahre.

Schwierige Suche nach Braustätte

Trotzdem suchte er sich einen neuen Standort für seine Braustätte in Bremen. Das gestaltete sich aber schwieriger als gedacht und dauerte zwei Jahre: In Bremen gibt es in den Bebauungsplänen strenge Richtlinien und damit kaum Orte, an denen gebraut werden darf. Selbst am jetzigen Standort gibt es kaum Ausweichmöglichkeiten: „Schon auf der anderen Straßenseite dürfte ich nicht brauen. Das hier war Glück“, so der Bremer. Vor allem, was den Platz angeht, den man auch mit einer Mikrobrauanlage braucht. „Um die Produktion wirtschaftlich zu machen, braucht man Platz, vor allem für die Lagertanks.“

Sein Sudhaus besteht aus zwei Geräten. Die großen Tanks stammen aus Slowenien, die kleineren, empfindlichen Teile aus Deutschland. Die Erstausstattung seiner Anlage hat ihn ungefähr 150.000 Euro gekostet, er investiert aber weiter, unter anderem in eine Etikettiermaschine. Bis vor einem halben Jahr hat er die Etiketten per Hand auf die Flaschen geklebt: „Das war eine bescheuerte Arbeit, das hat keine Freude gemacht“, sagt er. Jetzt kann er darüber lachen.

Tobias Grebhan macht fast alles alleine

Auch beim Anblick der Anlage zur Flaschenabfüllung wird klar, wie viel Arbeit Grebhan dort hinein steckt: Die Anlage ist traditionell aus Deutschland, dort werden die Flaschen reingespannt, es gibt sechs Füllköpfe. Die Abfüllung eines Tanks in 0,3 Liter Flaschen dauert etwa zwölf Stunden, rechnet Grebhan vor. „Dafür kann ich nicht vier bis fünf Leute anstellen, ich mache das meiste alleine.“ Mit einer automatischen Flaschenabfüllung könnte er bis zu zehn Stunden sparen. Doch das kostet natürlich wieder Geld.

Hier kommt die Bar „Two Beers“ in Fesenfeld ins Spiel, die der 46-Jährige mit seiner Schwester betreibt. Dorthin liefert er seine Biere im Fass. Momentan produziert Tobias Grebhan 600 bis 700 Hektoliter Bier pro Jahr, rentabel wird es ab 800 bis 1000 Hektoliter.

„Grebhans“ gibt es nur in speziellen Läden

Der Mikrobrauer wirkt zufrieden, wenn er stolz seine neuesten Sude zeigt, die Produktion erklärt und die fertigen Flaschen. Liebevoll werden die Biere in Kartons verpackt, Kisten hat Grebhan nicht. Kisten mit dem eigenen Logo herstellen zu lassen, sei zu kostenintensiv.

Wer Biere von „Grebhans“ oder „Mabuse Bräu“ kaufen möchte, wird in Spezialitätengeschäften, bei Lestra oder in der Neustadt beim Sparmarkt fündig. Mit den Geschäften schließt er individuelle Verträge ab. Auch in Oldenburg oder Kiel gibt es Grebhans Biere, aber Verträge mit Vertriebsketten wie dem Getränkemarkt „Hol ab“ will er nicht abschließen: Da müsse er Mengen einhalten, die er nicht liefern könne. Es lohnt auch ein Blick auf die Facebook Seite von „Grebhans“, dort werden Rampenverkäufe in der Brauerei angekündigt.

„Grebhans“ besetzt Nische in Bremen

Tobias Grebhan besetzt mit seinen Produkten und seiner Bar eine Nische in Bremens Bierszene: Biere mit interessanten Zutaten wie Haferflocken oder Ingwer, dazu eine Bar, in der er seine Kreationen anbieten kann. Die handgemachten Biere im Familienbetrieb – sein Vater fungiert als technischer Berater, seine Freundin hat die Etiketten für „Mabuse Bräu“ entworfen – haben zwar ihren Preis. Aber so langsam hat der Brauer das Gefühl, dass seine Produkte ankommen.


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