Auf ganz schwieriger Mission Fans und Sponsoren wollen Artland Dragons retten

Kampfgeist: Die Fans der Artland Dragons wollen, dass es irgendwie mit ihrem Verein weitergeht. Foto: Rolf KamperKampfgeist: Die Fans der Artland Dragons wollen, dass es irgendwie mit ihrem Verein weitergeht. Foto: Rolf Kamper

Quakenbrück. Nach zwei Tagen der Trauer und des Schocks wollen Fans und Sponsoren der Artland Dragons noch einmal einen Versuch starten, den Profibasketball in Quakenbrück zu retten. Im „Hotel Hagspihl“ trafen sie sich am Dienstagabend, um Ideen zu sammeln. Die Hoffnung ist noch da. Fans und Sponsoren sind bereit zu einer schwierigen Mission.

Sie wollen etwas tun, sich gegen die drohende Leere zu stemmen. Jahr für Jahr sind sie Woche für Woche in die Artland Arena gepilgert, um die Drachen zu unterstützen. Einige haben auch Geld gegeben. Doch den größten Teil hat immer Günter Kollmann bezahlt. Neben ihm fand sich kein weiterer großer Sponsor. Angeblich sollen einige bereit sein, mehr zu geben, jetzt, wo Kollmanns Geld fehlt – zuletzt waren es wohl zwei Millionen. Sein Beitrag schwankte in den letzten Jahren, wie der Gesamtetat, der etwa zwischen drei und fünf Millionen pendelte.

Zwei Millionen müssen nun mindestens insgesamt zusammenkommen – darunter ist Erstliga-Basketball kaum zu finanzieren. Ein Sponsor signalisierte am Dienstag, dass Geldgeber möglicherweise bereitstünden, diese Summe zu tragen. Doch selbst wenn sie es schaffen, über diverse Aktionen wie Retter-Sticker oder Crowdfunding und über neue Geldgeber – die Zeit läuft nicht davon, sie rennt.

Am Donnerstagabend tagt der Lizenzliga-Ausschuss der BBL, um die bisher eingegangenen Anträge zu prüfen. Auch aus Quakenbrück liegt einer vor. Fein säuberlich ausgefüllt, wie stets in den letzten zwölf Jahren. „Die Dragons haben uns aber signalisiert, dass sie uns bitten wollen, diesen nicht mehr zu prüfen, da sie nicht mehr am Spielbetrieb teilnehmen und alles ordnungsgemäß abwickeln wollen“, sagt BBL-Chef Jan Pommer. Sobald die Dragons diesen Schritt gehen, wird es ganz schwer. Dann läuft das Teilnahmerecht der Dragons am 30. Juni automatisch aus.

Nach Informationen unserer Zeitung fällt zwar die Lizenz dann im Falle eines Rückzuges der Artland Dragons Sport-Marketing GmbH zurück an den Stammverein, doch mit dieser könne der Quakenbrücker TSV, laut Pommer, nicht an der BBL teilnehmen. „Selbst wenn das so sein sollte“, sagt Pommer, „wir haben mit der GmbH einen Teilnahmerechtsvertrag geschlossen.“ Die Spielberechtigung bekommt der QTSV also nicht.

Sollten die Dragons zurückziehen, entscheiden die restlichen 17 BBL-Clubs am Donnerstag darüber, was mit dem 18. Platz passiert. „Es ist die Möglichkeit einer Liga mit 17 Clubs gegeben, oder es wird ein Wildcard-Verfahren angestrebt. Darüber entscheiden die Clubs nach einer Empfehlung des Präsidiums“, erklärt Pommer. Für einen Nichtabstieg von Crailsheim oder Trier sieht er keine rechtliche Basis.

Eine Wildcard für die BBL würde 250000 Euro kosten. Bewerben kann sich prinzipiell jeder Club, der Interesse hat und nachweisen kann, dass er die Voraussetzungen erfüllt. Und da wird es wieder schwierig. Denn selbst wenn die „Retter“ es schaffen, das Geld zusammenzutragen, benötigen sie Infrastruktur und Know-how. Beides liegt bei der GmbH.

Die Arena und das Parkett gehören der Samtgemeinde. Die LED-Banden aber etwa, die angeblich bereits Aufsteiger Gießen 46ers angeboten worden sein sollen, das Ticketing-System, die Kartei mit den Dauerkarteninhabern, das Trainingscenter – all das ist im Besitz der GmbH und damit von Eigentümer Kollmann. Nur wenn er das und die GmbH freigibt, dürfte es noch eine Chance geben. Und wenn die Strukturen der Drachen damit erhalten bleiben. Doch aktuell spricht eigentlich alles dagegen.

Sollten Sponsoren und Fans dennoch genügend Geld und Know-how für einen Wildcard-Antrag zusammenbekommen, entscheiden wiederum die anderen Erstligisten. „Wenn alle Bewerbungen eingegangen sind, dann wird man sehen, wem die Herzen der Clubs zufliegen“, sagt Pommer. Noch haben die Unterstützer der Drachen nicht aufgegeben. Unter den rund 100, die im „Hotel Hagspihl“ zusammenkamen, entwickelte sich unter anderem die Idee einer Demonstration: An diesem Mittwoch soll sie um 19 Uhr auf dem Marktplatz in Quakenbrück beginnen. Die Fans wollen ein Zeichen setzen, um den Bundesliga-Basketball in Quakenbrück zu retten. Die Demonstration soll nicht nur lokal wirken. Auch aus der Region und aus anderen Basketball-Standorten hoffen die Dragons-Fans auf Unterstützung.

Der Hoffnung einiger Engagierter, vielleicht einen Neuanfang in der 2. Liga zu schaffen, steht Pommer positiv gegenüber. „Die Dragons haben sich über Jahre hinweg einen guten Namen in Basketball-Deutschland erarbeitet und die Halle mit 3000 Zuschauern immer voll gehabt“, sagt er, „warum sollen sie das nicht auch in der ProA oder ProB schaffen?“ Allerdings:. „Die Lizenzvergabe für die 2. Liga liegt außerhalb unseres Zuständigkeitsbereiches.“ Daniel Müller, Geschäftsführer der 2. Liga, hatte aber bereits am Montag gegenüber unserer Zeitung erklärt, dass bis zum Stichtag (31. März) kein Lizenzantrag der Dragons für ProA oder ProB eingegangen sei.


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