Eigentümer zieht sich zurück Artland Dragons stellen Spielbetrieb ein

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Trauriger Abgang: Die Dragons beenden ihre Geschichte mit einer Niederlage gegen Crailsheim. Foto: KamperTrauriger Abgang: Die Dragons beenden ihre Geschichte mit einer Niederlage gegen Crailsheim. Foto: Kamper

Quakenbrück. Kurz bevor die schlechteste Saison der Artland Dragons in der Basketball-Bundesliga zuende ging, entrollten die Fans der Dragons ein Plakat: „Heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder, keine Frage!“ Sie kommen nicht wieder: Der Basketball-Bundesligist aus Quakenbrück zieht sich aus dem Profi-Sport zurück. Und nicht nur bei den Fans bleiben viele Fragen.

Wie wurde der Rückzug begründet? In einer schlichten Mail wurde er kommuniziert: „Dragons stellen Profispielbetrieb ein“, lautete die Überschrift. Als Hauptgrund wurde der „Standortnachteil“ angeführt – „zu kleine Halle, zu wenig Top-Sponsoren“ –, den die Dragons gegenüber anderen Basketball-Klubs haben. Diesen gibt es tatsächlich. Mit 3000 Zuschauern haben die Dragons eine der kleinsten Hallen der Liga. Ein Ausbau war seit Langem avisiert, verwirklicht werden konnte er nicht. (Weiterlesen: Dragons stellen Profispielbetrieb ein)

Was steckte noch dahinter? Hauptsponsor Günter Kollmann, dessen Textil-Unternehmen Medico nicht nur auf dem Trikot steht, trug das Gros (geschätzt werden drei Viertel) des Sponsoringanteils, der etwa 70 Prozent des Gesamtetats ausmachte. Dieser soll zwischen drei bis fünf Millionen gelegen haben. Exakte Etat-Zahlen gab es von den Dragons aber nie. Sicher ist jedoch, der Etat ist weit entfernt von den Großen der Liga. Bamberg und Bayern liegen bei geschätzten 15 Millionen. Wobei die Dragons nur geringe Personalkosten abseits des Teams haben.

Kollmann sah nicht mehr die Möglichkeit, mit den Großen und auch nicht mit Vereinen wie Ulm, Bonn, Oldenburg oder Frankfurt, die größere Hallen haben, mitzuhalten. Geschäftsführer Alexander Meilwes betonte: „Wir sind jetzt an einem Punkt angekommen, an dem wir für den Spitzenbasketball in Quakenbrück keine Perspektive mehr sehen.“

Schon seit dem Aufstieg versuchten die Dragons, mindestens einen weiteren Großsponsor anzuwerben. Das gelang nicht – die Dominanz des Hauptsponsors erleichterte das wohl auch nicht unbedingt. Schon lange warnte Manager Meilwes zudem, dass es ohne einen Hallenausbau und weitere Zuschauereinnahmen nicht möglich sein wird, Spitzenbasketball in der Kleinstadt zu halten.

Wieso zog Kollmann sich jetzt zurück? Das wissen wohl nur er, seine Familie und die Dragons genau. Der 66-Jährige lehnte, wie üblich, Interviewanfragen ab. Die Dragons waren am Sonntag nur zu schriftlichen Stellungnahmen bereit. Sie wollten auf diese Frage nicht antworteten, da „sie Sachverhalte impliziert, die nicht ganz den Tatsachen entsprechen.“ Dass ein Engagement stets nur von Jahr zu Jahr zugesichert wurde, war bekannt. Möglich, dass nach der Euphorie der vergangenen Saison, als die Dragons bis ins Halbfinale vorstießen, das schlechteste Abschneiden der zwölfjährigen Vereinsgeschichte (Platz elf) ihm noch einmal vor Augen führten, dass die Großen der Liga sich immer weiter entfernen, wobei Meilwes versicherte: „Das hat keine Rolle gespielt.“ (Schock im Artland nach dem Dragons-Aus: Historie der Dragons)

Wäre es nicht ohne ihn gegangen? Vorweg muss man erst einmal betonen: Ohne Kollmann, seine Familie und deren Engagement hätte es Bundesliga-Basketball in der kleinen Stadt nie gegeben. Die Dragons sind sein Lebenswerk, das er über all die Jahre nicht nur mit vielen Millionen unterstützte, seine ganze Familie war vom Drachen-Fieber gepackt. „Er und seine Familie haben sich sicher mit dieser Entscheidung am allerschwersten getan. Sie haben alle so viel Herzblut hineingesteckt“, sagt Bundestrainer Chris Fleming, der als Spieler kam und als Trainer mit dem Verein Aufstieg, Vizemeisterschaft und Pokalsieg feierte.

Möglich, dass Kollmann nicht wollte, das andere über sein „Baby“ bestimmen. Möglich, dass er sich nicht stets erklären wollte, wieso er weniger oder nichts mehr gibt. Möglich auch, dass er nicht sehen wollte, wie die Dragons in Not geraten. Doch da er sich nicht äußert, ist dies alles nur Spekulation.

Sicher ist, die Dragons konnten nicht gegen seinen Willen weitermachen. Seit dem Aufstieg 2003 wurden die Dragons vom Stammverein QTSV ausgegliedert und in eine GmbH umgewandelt. Ein Blick ins Handelsregister zeigt: Diese gehört zu 100 Prozent der Delta System Beteiligungsgesellschaft, deren Eigentümer Kollmann ist. Der einstige Junioren-Nationalspieler kann also über dieses Eigentum verfügen.

Die Dragons hätten ohne das Geld des Unternehmers zumindest einen kleinen Etat stemmen können. Die Ziele Playoffs und internationaler Wettbewerb, an dem die Dragons achtmal (einmal davon nur in der Qualifikation) teilnahmen, wären dann nicht realisierbar gewesen. Sie hätten wohl eher gegen den Abstieg gespielt oder in der ProA – aber sie hätten gespielt.

Wie geht es nun weiter? Die Dragons werden zu Beginn der Woche Abschlussgespräche führen, den Spielern das restliche Gehalt überweisen und dann nach und nach die GmbH „abwickeln“. Die Mitarbeiter müssen sich neue Jobs suchen. Das gilt neben den Spielern, den drei Trainern und dem Physiotherapeuten auch für die sechs Mitarbeiter der Geschäftsstelle. Zudem hatten die Dragons rund 45 Aushilfen.

Was passiert mit der Lizenz? Die Dragons geben diese an die Liga zurück. Auf die Abstiegsregelung hat das keine Auswirkung, da der Rückzug erst zur neuen Spielzeit in Kraft tritt. Crailsheim und Trier steigen also ab, Würzburg und Gießen auf. Ob der Platz frei bleibt oder es ein Wildcard-Verfahren gibt, wird die BBL am Donnerstag entscheiden.

Was passiert mit dem QTSV? Dessen Basketball-Abteilung wird weitergeführt wird, besonders die erfolgreiche Jugendarbeit. Im Seniorenbereich spielen die Männer in der 2. Regionalliga.


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