Alles dreht sich um Basketball Dragons-Talent Herkenhoff hat ein Ziel

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Großes Talent: Philipp Herkenhoff spielt in New York vor. Foto: Rolf KamperGroßes Talent: Philipp Herkenhoff spielt in New York vor. Foto: Rolf Kamper

Quakenbrück. Eine wahre Erscheinung ist er, dieser 2,05 Meter große Junge aus Hagen am Teutoburger Wald. Und wer mit 15 Jahren schon eine solche Körpergröße aufweist, spielt natürlich Basketball. Auch Philipp Herkenhoff tut das, und zwar sehr erfolgreich – nicht nur bei den Artland Dragons.

Der Jugendspieler der Drachen ist nach Isaiah Hartenstein der zweite Spieler innerhalb eines Jahres, der aus dem Nachwuchsprogramm des Bundesligisten zum „Jordan Brand Classic International Game“ nach New York fliegen darf. Ein Umstand, der die Verantwortlichen der Young Dragons stolz macht – und sicherlich kein Zufall ist.

Herkenhoffs Traum ist es Basketball-Profi zu werden. Dass es bis dahin ein langer Weg ist, weiß er. Einen großen Schritt in die richtige Richtung hat er allerdings jetzt schon gemacht. Durch eine überzeugende Leistung beim „ Jordan Brand Classic Camp“ vom 6. bis 9. März in Zagreb, qualifizierte sich das Talent für das „International Game“, bei dem er seit Dienstag und bis Samstag in New York gegen die besten Spieler seines Alters aus der ganzen Welt antritt.

Der Forward, der problemlos die meisten Positionen auf dem Court spielen kann, bleibt aber bescheiden: „Meine Leistung in Zagreb war in Ordnung. Es gab aber sicherlich Spieler, die besser waren als ich.“ Diese Bescheidenheit machte sich auch beim ersten Training nach dem Camp bemerkbar. Während viele Jugendliche nach einem solchen Erfolg mit etlichen Jordan-Markenartikeln am Körper in die Halle gekommen wären, trug Philipp den grauen Trainingsanzug vom Niedersächsischen Basketballverband. „Er ist einfach ein bodenständiger Junge, der sich mit seinen Mitspielern super versteht“, sagt sein Trainer Joan Rallo.

Grund, sich über seinen Schützling zu beschweren, gibt es für Rallo momentan auch nur selten: Mit 21,3 Punkten, 13,8 Rebounds, 3,5 Assists und knapp drei Blocks ist Herkenhoff einer der effektivsten Spieler der Nachwuchs-Bundesliga (JBBL) . In dieser sind die Jung-Drachen noch im Rennen, ihren Titel aus der Vorsaison zu verteidigen – nach dem Play-off-Erfolg gegen die Piraten Hamburg trifft Quakenbrück in der Vorschlussrunde auf die Gießen 46ers und ist damit nur noch zwei Siege vom Top-Four und dem Kampf um die Meisterschaft entfernt.

Der zehnfache Jugend-Nationalspieler kam eigentlich erst durch seine Mutter zum Spiel mit dem orangefarbenen Ball. „Sie meint, dass ich eigentlich immer Fußball spielen wollte. Da meine Mutter aber auch Basketball gespielt hat, ging ich dann mal mit in die Halle“, erzählt Herkenhoff. Aus „mal mit in die Halle gehen“, ist mittlerweile ein straffer Tagesplan geworden, in dem der Basketball das Zentrum seines Universums darstellt und um den sich alles dreht. Dreimal die Woche fährt er zum Training nach Quakenbrück. Seine Eltern bringen ihn mit dem Auto zum Bahnhof Osnabrück oder er nimmt ein Taxi, welches die Dragons zahlen. Mit dem Zug fährt er dann nach meist Quakenbrück.

Durch die vielen Fahrten mit den Zug oder dem Auto bleibt nicht mehr viel Zeit für andere Dinge. Viel lieber als sich die Nächte mit Partys um die Ohren zu schlagen, arbeitet Herkenhoff an seinen Schwächen: „Meine linke Hand ist nicht die Stärkste. Der Coach meint aber, dass ich mir den Wurf einfach zutrauen soll.“

Dass die Quakenbrücker nun schon zwei Nachwuchsspieler nach New York schicken können und mit ihren Jugendmannschaften so gut dastehen, ist kein Zufall, sagt Alexander Meilwes, Geschäftsführer der Artland Dragons: „Das Ganze hat konzeptionelle Gründe. Vor vier Jahren haben wir unsere komplette Jugendarbeit neu aufgestellt und unseren Fokus vom Breiten- auf den Leistungssport gerichtet.“ Dass nun gleich zwei Talente vor dem ganz großen Sprung stehen, ist außergewöhnlich. Allerdings warnen die Verantwortlichen vor zu hoher Erwartungshaltung gegenüber Hartenstein und Herkenhoff, aber auch den zukünftigen Jahrgängen: „Basketballspieler-Generationen sind wie Wein: Es gibt gute und schlechte Jahrgänge. Auch wenn der Wein im einen Jahr hervorragend war, fragt man sich im nächsten, wieso er nun so mies ist. Und das, obwohl die gleiche Sonne geschienen hat und der gleiche Regen gefallen ist“, erklärt Rallo.

Dennoch ist auch er sich sicher, dass „der Tag, an dem ein Young Dragon ganz oben steht“ kommen werde. Meilwes sieht es ähnlich: „Die Anzahl von 15-jährigen Zwei-Meter-Jungs hier in der Region ist überschaubar. Dass es dann gleich zwei aus unseren Reihen nach New York schaffen, ist bemerkenswert.“

Finanziell werden die Dragons übrigens keinen Nutzen daraus ziehen, selbst wenn eines ihrer Talente mal den ganz großen Sprung schaffen. Wechseln sie innerhalb der BBL gibt es eine Ausgbildungsentschädigung, die zwischen etwa 1000 und 10000 Euro liegt, auch innerhalb des Geltungsbereiches der FIBA werden kleine Ablösen gezahlt. Wechselt eines der Talente nach Amerika gibt es nichts. „Aber wir machen das auch nicht wegen des Geldes, sondern, weil wir die Talente fördern wollen“, betont Meilwes.

Es lässt sich also nur hoffen, dass der artländische Wein in Form von Basketballspielern auch in Zukunft ein guter sein wird. Denn gute und erfolgreiche Spieler aus der Region kann man schließlich nie genug haben.


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