85:79 – Holston knockt Bayreuth aus Ein später Sieg für das Selbsvertrauen der Dragons

Freude pur: Lawrence Hill (hinten) herzt Matchwinner David Holston.  Fotos: ImagoFreude pur: Lawrence Hill (hinten) herzt Matchwinner David Holston. Fotos: Imago

Bayreuth. Der Trainer musste sich nicht entscheiden, doch er tat es. Was ihn mehr erleichtere: Dass es für die Artland Dragons bei medi Bayreuth nach drei Niederlagen in Folge mal wieder einen Sieg gab? Oder, dass seine Basketballer beim 85:79 mal wieder ein knappes Ding eingetütet hatten? „Beides ist schön“, sagte Tyron McCoy: „Aber, dass es knapp war, macht es auf jeden Fall noch besser.“

Nichts schmerzt so sehr wie knappe Niederlagen, nichts tut so gut wie knappe Siege. Zu wissen, wie man Spiele entscheidet, ist eine der wichtigsten Eigenschaften einer Mannschaft. Und die Quakenbrücker haben sie offensichtlich zurück.

Drei knappe Spiele hatten die Dragons zuletzt verloren – zwei davon im Eurocup. „In all diesen Spielen haben wir am Ende schlechte Entscheidungen getroffen“, sagte Guido Grünheid. Diesmal nicht.

Dabei hätte das Spiel gar nicht knapp werden müssen. Schon zu Beginn brachten die Dragons mit einer Presse über das ganze Feld die Gastgeber aus dem Konzept. Manchmal pressten sie danach auch nur im Halbfeld, manchmal in einer Zone. „Wir haben drei verschiedene Varianten eingestreut, das hat gut funktioniert“, lobte McCoy. Aus einem 5:6 machten die Drachen ein 16:6. Diese Art des Verteidigens ist effektiv, raubt aber viel Energie. Die Dragons verwalteten den Vorsprung längere Zeit, doch Mitte des zweiten Viertels glich Bayreuth wieder aus (26:26).

Die Dragons versuchten es offensiv vor allem über ihre Dreier – Chad Toppert machte vier von fünf Versuchen in der ersten Hälfte rein. Insgesamt trafen sie starke 52 Prozent. Bayreuth spazierte dagegen immer wieder mitten durch die Zone. Vor allem Javon McCrea (28 Punkte) durfte sich unter dem Korb frei entfalten. Als er zum 33:34 traf, nahm McCoy eine Auszeit. Die Dragons gingen zur Bank, ihr Trainer lief auf das Feld und schaute an die Decke. Er musste sich erst beruhigen. Die Führung zur Pause war knapp (45:42), auch, weil die Dragons von der Freiwurflinie schlecht trafen. Der Rebound, schon oft Anlass zur Sorge, lief dagegen gut. Anthony King, Lawrence Hill und auch Dennis Horner taten sich da besonders hervor.

Die Dragons spielten mit viel Energie gegen die zweitbeste Defense der Liga. Doch ein kleines Polster verschafften sie sich erst wieder im letzten Viertel: David Holston mit einem Dreier und Andreas Seiferth mit zwei Freiwürfen brachten das Team 77:71 in Front. Doch Bayreuth bäumte sich noch einmal auf. Trevon Hughes traf einen ihrer wenigen erfolgreichen Dreier 45 Sekunden vor dem Ende zum 78:78.

Crunchtime sagen die Basketballer zu der Zeit, in der es nur noch gute oder schlechte Entscheidungen gibt – und beinahe wäre der nächste Angriff der Dragons in letzterer Kategorie gelandet. Viel Zeit ließen sie sich, Holston passte zu King, der wieder zurück. 24 Sekunden hat das Team Zeit, einen Wurf abzugeben. Als sie fast ausgeschöpft waren, dribbelte Holston erst nach links, dann nach rechts, dann drückte er ab. In hohem Bogen warf er über Brandon Bowman. Die Sirene ertönte, kurz darauf ging der Ball durch das Netz – 81:78.

Bayreuth blieben noch 19 Sekunden, doch Mannschaft und Fans waren geschockt. Erst eine von fünf Partien hatten die Franken zu Hause verloren, nun aber war ihr Kampfgeist dahin. Mit Freiwürfen machten die Dragons den neunten Sieg im neunten Duell der beiden Klubs fest.

Sieben Siege haben die Dragons nun in der BBL, jeder ist auch ein Schritt in Richtung Pokal, an dem die sechs besten Teams der Vorrunde teilnehmen dürfen. Da beruhigte es, dass eine wichtige Stärke der Dragons zurück scheint. „Letztes Jahr haben wir die engen Spiele fast alle gewonnen“, betonte Grünheid: „Vielleicht haben wir diese Eigenschaft nun wieder. Ich hoffe jedenfalls, das Spiel gibt uns Selbstvertrauen.“ Auch für den Eurocup. Am Dienstag kommt Cantu. Schon im Hinspiel, das die Dragons gewannen, war es eng. Aber jetzt wissen sie ja wieder, wie das geht.


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