zuletzt aktualisiert vor

Dragons zu wenig Team beim 99:93 in Hagen Play-off-Niveau sieht anders aus

Von Winfried Beckmann

Setzt sich durch: Cecil Brown zieht gegen Edward Seeward zum Korb. Fotos: Ulrich RabenortSetzt sich durch: Cecil Brown zieht gegen Edward Seeward zum Korb. Fotos: Ulrich Rabenort

Hagen. „Das wird schwer“, sagte Alexander Seggelke, als er sich eine Viertelstunde vor dem Anwurf in der Ischelandhalle noch einmal dehnte. Es wurde, wie er befürchtete, weil nicht nur der Gegner, sondern auch ein gewisser Schlendrian mitspielte, ohne den verdienten 99:93-Erfolg (46:51) der Artland Dragons bei Phoenix Hagen verhindern zu können.

Schwer wurde es, weil die Dragons seit Freitag Platz vier und damit den Heimvorteil in den Play-offs sicher haben. Egal, wie sie gestern spielten, egal, wie sie am nächsten Samstag im Finale der Hauptrunde in Trier spielen. Alles eine Frage der Ehre, zumal auch Gegner Hagen nichts zu verlieren hatte.

Somit gewannen letztlich die 3065 Zuschauer, sofern sie wechselhaften, lebhaften und kampfbetonten Basketball lieben. Für Ästheten war es wenig, was die Teams boten. Trainer Stefan Koch fügte das Fehlen von Rob Kurz (Hand-OP) und den kurzfristigen Ausfall von Nathan Peavy (geschwollene Wange) als einen der Gründe an, warum es nicht so rund lief. „Ich habe nicht Gas rausgenommen, weil die Mannschaft gewinnen wollte“, erklärte Koch seine Marschrichtung, auch Topspieler reichlich spielen zu lassen.

Auf der anderen Seite war erklärlich, warum sich Rice nicht nach jedem Ball streckte, Bailey manchmal die berühmte Sekunde zu spät kam. Und das in einem phasenweise harten, eckig gespielten Duell. Es ging immerhin um die Ehre, und die retteten die Dragons – glanzlos und ohne Vorboten, die auf die Play-offs in zwei Wochen schließen lassen. Verständlich im Wissen, dass das Team sich steigern kann, wenn es nötig ist.

Das Spiel: Nach zwei Minuten nimmt Koch die erste Auszeit und staucht sein Team zusammen. Nur halbwegs mit Wirkung, denn dem totalen Powerspiel der Hagener setzen die Quakenbrücker noch zu wenig entgegen. Erst als Strasser mit einem Dreier zum 15:11 (8.) aufdreht, Hess per Dreier zum 21:18 (8.) nachlegt und Rice zum Korb zieht sowie Boumtje Boumtje per Freiwürfe das 27:22 zum Viertel-Ende markiert. Koch wechselt im zweiten Viertel munter durch. Beim 39:35 (16.) scheinen die Dragons auf bestem Weg, doch Hektik nimmt zu. Beim 42:51 zwei Minuten vor der Pause liegen die Dragons so hoch wie sonst nie zurück an diesem Nachmittag, 46:51 zur Pause. Und dann? Das dritte Viertel bringt mehr Intensität, freilich mehr Soloangriffe als Systemspiel zum 65:60 (27.). Beim 67:65 kocht die Volksseele, als Bell für hämischen Applaus Richtung Schiedsrichter ein technisches Foul bekommt, Bailey und Kruel aneinandergeraten und jeweils mit einem unsportlichen Foul bestraft werden. 73:70 nach 30 Minuten, und es bleibt eng auch nach dem „doppelten Dreier“ von Seggelke zum 82:75 (34.), weil Hagen nicht aufgibt. Ungelenke Aktionen, Ballverluste und Fehlpässe. Viertes Foul von Rice (1:11 vor Schluss) beim 93:91. Rice trifft Freiwürfe zum 96:93 (3,8), Bailey fängt einen Einwurf zum 98:93 (0,4 Sekunden vor Schluss) ab und legt einen Freiwurf drauf.

Die Wertung: Jeder hatte starke und schwache Momente. Auch Rice und Bailey sowie Hess, Seggelke mit mehr Struktur, Fenn total solide, Boumtje Boumtje unauffällig, Brown wertvoll, wenn auch manchmal wild bei nachlassendem Teamspiel.

Die Perspektive: Bis zu den Play-offs muss sich noch was tun – vermutlich reine Kopffrage, wofür zwei freie Tage heute und morgen wichtig sind.