Hartenstein über die neue Saison Dragons-Trainer im Interview: „Klassenerhalt wird kein Selbstläufer“

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Nah an der Mannschaft: Dragons-Trainer Florian Hartenstein während des Testspiels gegen die Rheinstars Köln. Foto: Rolf KamperNah an der Mannschaft: Dragons-Trainer Florian Hartenstein während des Testspiels gegen die Rheinstars Köln. Foto: Rolf Kamper

Quakenbrück. Am 22. September starten die Artland Dragons in ihre erste Saison in der ProA. Florian Hartenstein ist Trainer der Quakenbrücker Basketballer und spricht im Interview über seinen Kader, Saisonziele und einen Sommer fast ohne Urlaub.

Herr Hartenstein, wie fühlt man sich als Aufsteiger?

Gut. Auch wenn es nicht auf dem sportlichen Weg erreicht wurde, glaube ich, dass die ProA die richtige Liga für den Standort hier ist. Gerade was die Fans und Sponsoren betrifft, ist es wichtig, dass wir in diesem Jahr nicht mehr in der ProB sind. Das ganze Drumherum ist professioneller und wird den Fans Spaß machen. Die ProA ist langfristig für uns eine gute Liga.

Fassen Sie kurz noch einmal zusammen, wie Sie diesen Sommer erlebt haben.

Es war extrem nervig eigentlich. Wir haben am Anfang alles darauf gesetzt, dass wir die nötigen Stimmen für die Wildcard nach dem Rückzug von Köln bekommen. Dann wurde uns auf einmal gesagt, dass wir den Platz nicht bekommen, obwohl wir den Kader fast schon zusammen hatten. Das konnten wir dann alles in den Müll schmeißen, wieder von vorne anfangen und die ProB planen. Dann gab es doch wieder die Chance, was natürlich sehr gut ist, aber dieses ganze hin und her war doch recht anstrengend. Von einem ruhigen Sommer war ich also extrem weit entfernt.

Hatten Sie überhaupt mal ein paar Tage am Stück frei, an denen Sie nicht an Basketball gedacht haben?

Als wir beruflich in Las Vegas waren, um weitere Spieler zu finden, hatte ich danach vielleicht drei Tage, an denen ich ein bisschen entspannen konnte. Nachdem Demetris Morant unterschrieben hat, habe ich kurz weniger über Basketball nachgedacht, aber dann auch gleich schon wieder die Vorbereitung geplant. Ich hoffe, dass der nächste Sommer ein bisschen entspannter wird. Dieses Jahr sollte es eigentlich ruhiger werden, mit bekanntem Ergebnis. Aber ich habe mir den Job ja ausgesucht und es macht mir sehr viel Spaß.

Sie hatten also erst einen Kader für die ProA, dann für die ProB und dann wieder einen anderen für die ProA zusammengestellt. Kommt man da nicht durcheinander?

Nein, nein, das geht schon. Wir haben da verschiedene Tabellen für die Planung gehabt, in der die Ausrichtung stand, die wir uns geben wollen. Wir haben parallel geplant, aber natürlich ist es dann mit einigen Spielern schwierig, die einfach Klarheit haben wollen. In dem Prozess gehen Spieler dann eben woanders hin, aber trotzdem bin ich mir sicher, dass wir jetzt Jungs haben, die uns Spaß bereiten werden.

Wie nah ist der Kader an Ihren Vorstellungen?

Das ist schwer zu sagen. Es gibt eben immer verschiedene Optionen, die dann klappen oder eben nicht. Chase Griffin wäre zum Beispiel im ersten Kader nicht dabei gewesen, wird uns jetzt aber sehr weiterhelfen. Es wird ein anderer Stil sein, den wir spielen werden. Wir haben in diesem Jahr mehr Schützen in der Mannschaft und sind auf den großen Positionen schneller aufgestellt.

Sie haben jetzt wieder vier US-Amerikaner in der Mannschaft. Macht sich das bemerkbar?

Wir haben erneut das Glück, dass es keine starke Gruppenbildung gibt. Es sind nicht nur die Amerikaner und die Deutschen unter sich. Chase ist ganz klar ein Familienmensch, integriert sich aber immer in die Gruppe. Pierre Bland ist wie im vergangenen Jahr offen für alles und macht mit jedem was. Demetris Morant und Kaymin Pruitt suchen sich gegenseitig ein bisschen, weil sie auch noch ohne Familie hier sind. Es ist insgesamt sehr homogen und positiv.

Sie trainieren nun schon einige Wochen und haben bereits zwei Testspiele absolviert. Was sind die Stärken Ihrer Mannschaft?

Wir haben wie gesagt starke Schützen von Außen. Wir können aggressiv verteidigen, auch wenn wir noch bei weitem nicht da sind, wo wir hin wollen. Wir sind jetzt seit ungefähr drei Wochen im richtigen Training und ich erkenne eine Variabilität. Wir haben viele Spieler mit verschiedenen Stärken, die wir als Trainerteam jetzt intelligent einsetzen müssen.

Was kann noch besser werden?

Wir müssen noch an der Raumaufteilung und der Geduld in der Offensive arbeiten. Wir haben viele junge Spieler, die sehr ehrgeizig sind und in der Vorbereitung zeigen wollen wie gut sie sind. Das müssen wir jetzt in die richtigen Bahnen lenken, um daraus gute Aktionen entstehen zu lassen.

Im Basketball ist es normal, dass ein Kader nach einer Saison mehr oder weniger komplett durchgewechselt wird. Als Trainer arbeitet man das ganze Jahr mit einer Mannschaft und muss dann wieder von vorne anfangen. Ist das lästig oder ein besonderer Reiz?

Beides. Einerseits hätte man schon gerne immer die gleiche Mannschaft zusammen. Im Training gerade in der Anfangsphase merkt man das zum Beispiel, wenn untereinander bekannte Spieler Übungen machen und die Abstimmung sehr gut passt. Andererseits ist es wirklich interessant, die neue Mannschaft zu finden und zu entwickeln. Im Sommer hat man eine Liste mit über 100 Namen und daraus muss man einen Kader erstellen, der ins Budget passt. Dazu gehören auch immer Entwicklungsspieler, bei denen man nicht genau weiß was daraus wird. Kaimyn Pruitt zum Beispiel geht vom „Superstar“-Status in der ProB in Itzehoe zu einem „wer bist du eigentlich?“ in der ProA. Er muss sich jede Sekunde erarbeiten. So was herauszufinden und mit den Spielern zu arbeiten ist ein großer Anreiz.

Gleiches gilt wahrscheinlich für einen Spieler wie Center Demetris Morant.

Als er unterschrieben hat, waren viele Leute überrascht, dass wir ihn bekommen haben. Köln wollte ihn zum Beispiel letztes Jahr in der ProA haben, das hat aber nicht geklappt. Er ist ein Spieler, der Riesenpotenzial hat, auch wenn er sich am Anfang vielleicht noch ein bisschen schwer tun wird. Je mehr er aber spielt, wird er eine dominante Rolle in der ProA einnehmen können.

Mit Tuna Isler haben Sie einen neuen Co-Trainer. Wie schätzen Sie ihn und seine Arbeit ein?

Es läuft bisher extrem gut. Er ist eine sehr gute Ergänzung zu mir und hat ordentlich Feuer. Wir passen gut zusammen, sprechen fast den ganzen Tag miteinander und haben trotz der harten Arbeit auch viel Spaß. Das geht aber auch über den Basketball hinaus. Das ist aber auch wichtig, da ich ihn ja vermutlich mehr sehen werde als meine Frau. Beim ersten Gespräch waren wir schon acht Stundne zusammen und haben philosophiert, was wir erreichen wollen. Er wird mehr für die Defense zuständig sein und ich werde mich mit dem zweiten Co-Trainer David Gomez vor allem um die Offense kümmern. Tuna war außerdem schon ein Jahr in der ProA und kennt die Liga gut.

Setzen Sie die Lehren, die Sie aus der vergangenen Saison mit dem sportlich verpassten Aufstieg gezogen haben, jetzt schon um?

Ich glaube schon. Ich bin im Training zum Beispiel bei weitem pingeliger, was die Einzelheiten betrifft. Dazu habe ich zwei Leute dabei, die viel Energie bringen. Ich versuche schon, die Art und Weise etwas zu ändern, auch gerade bei Auszeiten und Wechseln mehr oder anders zu reagieren. Es ist mein zweites volles Jahr als Profitrainer und ich muss mich weiterentwickeln. Deswegen habe ich im Sommer bei Aito Garcia bei Alba Berlin und Bundestrainer Henrik Rödl hospitiert.

Was haben sie von dort mitgenommen?

Mich hat die Ruhe von Aito sehr beeindruckt. Ich war während der Finalserie um die Meisterschaft da und der Mann erhebt seine Stimme nicht einmal im Training und die Spieler hören trotzdem auf ihn. Manche beschweren sich ja über mich, dass ich zu ruhig bin. Aber ich bin der Meinung, dass man immer so sein sollte wie man ist. Das glauben und respektieren die Leute dann auch. Wenn ich jetzt hier rumlaufen und den Hampelmann machen würde, wäre das nicht ich. Ich bin von Natur aus ruhiger, aber trotzdem autoritär. Ich werde mich in der Hinsicht nicht ändern, habe aber meinen Trainerstab entsprechend erweitert und ausbalanciert.

Um nächstes Jahr einen ruhigeren Sommer zu haben, muss was passieren in der ProA?

Der frühzeitige Klassenerhalt wäre schon mal gut, auch wenn das kein Selbstläufer wird. Das erste Ziel sollte es sein, dass wir uns erstmal in der Liga zurechtfinden und wir uns im Mittelfeld etablieren. Ideal wäre eine Platzierung zwischen Rang sechs und zehn. Aber das Mittelfeld in der Liga wird extrem sein. Mit Hamburg, Chemnitz und Heidelberg gibt es Mannschaften, die vielleicht etwas dominanter auftreten werden. Es wird aber nicht so laufen wie im vergangenen Jahr, als Vechta und Crailsheim extrem überlegen waren. Wir müssen unseren Rhythmus finden undas nicht kurzfristig, sondern auf lange Sicht. Ich möchte in den kommenden drei Jahren im oberen Bereich mitspielen und dafür müssen wir uns erst einmal zurechtfinden.


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