Hartenstein selbstkritisch Artland Dragons: Saison ist vorbei, Spannung bleibt

Von Susanne Fetter


Iserlohn. Drei Sekunden waren noch zu spielen, da nahm sich Pierre Bland den Ball, zog in Richtung Korb und rutschte aus. Die Saison der Artland Dragons war beendet. Die Niederlage auch im zweiten Spiel der Viertelfinalserie in Iserlohn besiegelte das sportliche Aus im Aufstiegsrennen. Dabei sah zehn Minuten zuvor alles noch gut aus.

Lange blieb Bland am Boden liegen. „Ich weiß nicht genau, ob ich ihm auf den Fuß getreten bin oder er mich erwischt hat, jedenfalls bin ich ausgerutscht, und das war es dann“, fasste der Amerikaner die letzten bitteren Sekunden einer so lange guten Saison zusammen.

Danach verbarg er das Gesicht hinter seinem Trikot. Anderen Spielern wie Yasin Kolo standen die Tränen in den Augen. Geschäftsführer Marius Kröger saß auf einem Plastikstuhl und schlug die Hände vors Gesicht.

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„Damit hatte keiner gerechnet“, sagte Kapitän Max Rockmann. Nicht nach dieser ersten Halbzeit, in der die Taktik des Trainerduos voll aufging. Mit der Hereinnahme von Marc Liyanage für den gesperrten Lieser in die erste Fünf und einer Zonenverteidigung bekamen sie das gefährliche Iserlohner Trio um Donte Nicholas, Julian Scott und Nikia Khartchenkov gut in den Griff. In der Offensive spielten die Dragons variabel und konzentriert. Der Lohn: eine 20-Punkte-Führung zur Halbzeit.

In der Halbzeit gewarnt

Fühlten sie sich danach vielleicht zu sicher? War der Druck, nach der Niederlage im Hinspiel gewinnen zu müssen, doch zu groß? Da sei er schon gewesen. „Aber das Problem ist, wir haben in dieser Saison immer wieder den Fuß vom Gas genommen“, sagte Rockmann.

Und dabei hatten sie in der Pause extra noch gewarnt. „Wir haben das besprochen. Wir dürfen jetzt nicht nachlassen, sonst werden sie mit den Fans im Rücken noch einmal gefährlich“, so Bland.

17-Punkte-Führung nach dem dritten Viertel

Im dritten Viertel hielten die Drachen noch dagegen, führten danach noch mit 17 Zählern. Im vierten brachen sie ein. 5:23 verloren sie den letzten Abschnitt. Statt in die Zone zu ziehen und zu versuchen, notfalls über Freiwürfe zu Punkten zu kommen, bewegten die Dragons den Ball nicht mehr richtig. „Wir haben das Thema angesprochen und auch, dass wir noch Fouls zu geben haben. Aber wir haben es nicht umgesetzt“, sagte Hartenstein. Iserlohn traf nun auch die schwierigen Würfe – vor allem Khartchenkov und Nicholas. Sein Korb zum 79:78 brachte die Gastgeber erstmals in Führung – es war zugleich der Endstand.

„Extrem bitter“, nannte es Rockmann. Kolo sagte: „Der Schmerz ist groß. Mir tut es auch für das Umfeld leid, die Fans, die Stadt und die Trainer, besonders für Flo. Er ist einer der besten Typen, die ich kenne.“

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Hartenstein grübelte noch lange, woran es gelegen hat, dass das Team so einbrach. „Wir hatten eine talentierte Mannschaft, die sich sehr gut entwickelt hat, die Fans waren mit dabei, wir sind Erster in der Hauptrunde geworden. Eigentlich war es eine schöne Saison“, betonte er, „leider haben wir es nicht geschafft, mental konstant zu spielen. Da muss ich auch mich hinterfragen, wieso das nicht gelungen ist.“

Im Sommer will er bei höherklassigen Vereinen hospitieren. „Ich will mich weiterentwickeln. Es war meine erste komplette Saison im Profibereich. Ich will schauen, wo ich vielleicht anders hätte agieren müssen.“

Alles auf dem Prüfstand

Die Erkenntnisse würde er dann gerne umsetzen – am liebsten im Artland. Egal ob in der ProA oder der ProB. Im Moment ist die Zukunft noch ungewiss. Noch gibt es eine kleine Hoffnung auf den Aufstieg am „grünen Tisch“. Bleiben die Dragons in der ProB dürften sie aber auch über ihr Konzept nachdenken. Will man dann mit aller Macht noch einmal den Aufstieg anpeilen? Muss man es nicht sogar, will man den Basketball-Standort dauerhaft erhalten? „Wir werden Gespräche führen und alles auf den Prüfstand stellen“, kündigte Kröger an.

Neue Regelung in der ProB

Leichter dürfte es nicht werden, setzt sich die neu angedachte Regelung durch, dass künftig nur noch ein Amerikaner im Kader stehen darf und immer drei „Local Player“ auf dem Feld stehen dürfen. Dann hätten die „Farmteams“ der Bundesligisten einen Vorteil.

Ob sich die Dragons damit befassen müssen, wird sich zeigen. Und auch, welche Spieler bleiben. Die Saison ist vorbei, spannend bleibt es weiterhin.


Iserlohn Kangaroos – Artland Dragons 79:78

(17:26, 31:51, 25:22, 23:5)

Iserlohn: De Oliveira 9 Punkte, Kutzschmar 5/1 Dreier, Schwarz 3/1, J. Dahmen 3, Vaihinger, Krumme, Scott 16/1, Nicholas 17, Khartchenkov 17/4, Ziring, R. Dahmen 7/1 Giddens 2.

Dragons: Liyanage 9 Punkte/1 Dreier, Döding,

Rockmann 3/1, Bah-ner 10, Zaletskiy 3/1, Mesghna 8/2, Bland 9, Calvin 19, Kolo 11, Lavrinovicius 6/1.

Trefferquote Nah-/Mitteldistanz: 64 % zu 54 %, Dreier: 43 % zu 41 %, Rebounds: 26/27, Assists: 23/16, Turnovers: 16/14.