„Damit hat keiner gerechnet“ Artland Dragons nach Playoff-Aus: Der Schmerz ist groß

Von Susanne Fetter

Tief enttäuscht: Andre Calvin und Danielius Lavrinovicius versuchen, Pierre Bland zu trösten. Foto: Rolf KamperTief enttäuscht: Andre Calvin und Danielius Lavrinovicius versuchen, Pierre Bland zu trösten. Foto: Rolf Kamper

Iserlohn. Nur ein einziges Mal hatten die Iserlohn Kangaroos gegen die Artland Dragons im zweiten Spiel der Viertelfinalserie der Basketball-Playoffs der ProB geführt – ganz am Ende. Und das auch nur mit einem Punkt. Die 78:79-Niederlage besiegelte das Aus der Quakenbrücker. Zumindest sportlich ist der Aufstieg nun nicht mehr zu schaffen. Spieler und Trainer waren nach der Partie tief enttäuscht und geknickt.

Florian Hartenstein musste erst einmal tief durchatmen als er aus der Kabine kam. Während drei Türen weiter die Iserlohner Spieler den Einzug ins Halbfinale mit lauter Musik und wildem Gebrüll feierten, war es in der Umkleide der Dragons still. „Die Spieler sitzen da und schweigen gerade. Die Enttäuschung sitzt tief“; sagte Hartenstein, der gemeinsam mit Christian Greve diese Mannschaft zusammengestellt und in der Hauptrunde der ProB zum Spitzenreiter der Nordstaffel führte. Sieben Siege gab es am Ende der regulären Saison. Das Team wirkte gefestigt. In den Playoffs gab es in fünf Spielen drei Niederlagen – eine in der Achtelfinalserie gegen Leverkusen. Zwei nun gegen Iserlohn. Und besonders die zweite kam innerhalb von zehn Minuten fast wie aus dem Nichts.

Nur fünf Punkte im letzten Viertel

„Es ist schwer zu sagen, wieso das passiert ist. Wir hatten in der ersten Halbzeit eine hohe Aggressivität, die wir so in der zweiten Halbzeit nicht halten konnten“, lautete die erste Analyse des Trainers: „Wir haben Iserlohn so Selbstvertrauen gegeben, so dass sie auf einmal dann auch die schweren Würfe getroffen haben.“ Beinahe jeder Versuch der Gastgeber landete im Korb. Vor allem Nikita Khartchenkov und Donte Nicholas nahmen das Zepter in die Hand. „Wir waren dagegen auf einmal wieder statisch“, sagte Hartenstein: „Wir haben den Ball nicht mehr bewegt, so wie wir es hätten müssen.“ Nur fünf Punkte gelang den Dragons im letzten Viertel. Ein offensives Desaster. Iserlohn erzielte dagegen 23 Zähler.

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„Sie haben einen Weg gefunden, wie sie gegen uns punkten können und wir haben selbst unsere Sachen nicht mehr gut ausgeführt“, fasste Aufbauspieler Pierre Bland nach dem Spiel zusammen. Ob der Druck zu groß war? Kapitän Max Rockmann sagte: „Der mentale Druck war definitiv da, natürlich. Aber das Problem ist, dass wir immer wieder in der Saison den Fuß vom Gas genommen haben.“

Bland betonte: „Ich kann nicht für alle sprechen, aber für mich spielte der Druck keine große Rolle.“ Der Amerikaner hatte die letzte Aktion des Spiels. Drei Sekunden waren noch zu spielen, Bland dribbelte Richtung Korb – und rutschte aus. „Ich weiß nicht genau, ob ich ihm auf den Fuß getreten bin oder er mich erwischt hat. Ich bin auf jeden Fall gefallen und dann war die Uhr abgelaufen“, sagte Bland.

Der Schmerz ist groß

Danach blieb er lange auf dem Boden liegen und verbarg sein Gesicht kurz hinter seinem Trikot. Andere hatten Tränen in den Augen. So wie Yasin Kolo: „Der Schmerz, den wir empfinden ist gerade groß“, sagte der Center, der im Winter zu den Dragons gekommen war. „Wir hatten sie eigentlich im Griff, haben sie dominiert und hätten sie eigentlich aus der Halle fegen müssen. Und dann sind wir eingebrochen“, sagte er und schüttelte mit dem Kopf.

Ob die Führung vielleicht zu hoch war, sich die Spieler in der Pause mit 20 Punkten im Rücken zu sicher waren? „Nein!“, sagen sie alle. „Wir haben das in der Halbzeit angesprochen. Genau diese Situation“, berichtet Bland: „Wir wussten, dass diese Mannschaft nicht aufgibt.“ Und auch Kolo betonte: „Wir wussten, wenn die wieder ins Spiel kommen, sind auch die Fans hier wieder dabei und dann wird es extrem schwer.“

Sportlich ist der Aufstieg vom Tisch

Auch die Dragons wurden von vielen Anhängern begleitet. 250 kamen mit nach Iserlohn. Auch hier herrschte natürlich Enttäuschung. „Das ist für alle ganz bitter, damit hat keiner gerechnet“, sagte Rockmann nach dem Aus im Viertelfinale.

Sportlich ist der Aufstieg in die ProA damit vom Tisch. Ob es die Möglichkeit gibt in dieser Saison über eine Wildcard aufzusteigen, wird sich erst in den nächsten Wochen entscheiden. Gehen würden die Dragons aber auch diesen Weg.