„Trash-Talk“ nach Spielende Artland Dragons gegen Iserlohn nun mit dem Rücken zur Wand

Von Susanne Fetter

Spalier? Nein, Sperre! Pierre Bland versucht, sich zwischen Iserlohns Deion Giddens und Gabriel de Olivieira zum Korb zu quetschen. Foto: Rolf KamperSpalier? Nein, Sperre! Pierre Bland versucht, sich zwischen Iserlohns Deion Giddens und Gabriel de Olivieira zum Korb zu quetschen. Foto: Rolf Kamper

Quakenbrück. Mit gesenktem Kopf schlichen die Artland Dragons am Samstagabend in die Kabine, während die Iserlohn Kangaroos ausgelassen auf der Tribüne mit ihren Fans den 90:83-Sieg feierten. So hatten sich die Quakenbrücker Basketballer den Auftakt des Viertelfinales nicht vorgestellt.

Kurz zuvor hatte es noch kräftig gerasselt. Die Drachen hatten sich, wie üblich nach Spielen in eigener Halle, im Mittelkreis versammelt. Da kamen ein paar Iserlohner Spieler dazu – angeführt von Manager Michael Dahmen. Der Funktionär hatte seine Nerven am wenigsten im Griff. „Er ist da etwas durchgedreht“, erinnert sich Drachen-Coach Florian Hartenstein, „die Spieler haben Trash-Talk gemacht.“

Erhitzte Gemüter

Erhitzt hatten sich die Gemüter schon vorher. Mitte des vierten Viertels blockte Gabriel de Oliviera einen Wurf von Philipp Lieser. Der Aufbauspieler der Drachen ließ sich hinterher derart provozieren, dass er einem Iserlohner Spieler ins Gesicht langte. Keine Watschn, es war eher ein Wegdrücken. Glück hatte er dennoch, dass er und Oliviera, der sich nur schwer beruhigen ließ, beide ein unsportliches Foul erhielten.

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Die Partie war zu diesem Zeitpunkt beinahe schon gelaufen. 70:81 lautete es aus Sicht der Dragons. Ein Rückstand, den sie sich bereits im ersten Viertel eingebrockt hatten. Nach einem guten Start (4:0) ließen sich die Quakenbrücker vor 2807 Zuschauern ab der Mitte des ersten Viertels von Iserlohn regelrecht überrollen. 15:15 stand es, als die Kangaroos das Tempo anzogen und sich bis auf 26:16 absetzten.

Iserlohner Trio punktet

Mehrmals versuchten die Dragons den Rückstand einzudämmen. Im zweiten Viertel gelang es zwischenzeitlich, als Pierre Bland, mit 19 Punkten und zehn Assists in der Nähe der Normalform, die Aufholjagd eröffnete und Marc Liyanage und Danielius Lavrinovicius sich defensiv mit Julian Scott und Donte Nicholas befassten. Die beiden und Nikita Khartchenkov hatte Drachen-Coach Florian Hartenstein als Säulen ausgemacht, deren Offensivpower man einschränken wollte. Es klappte kaum. 63 Punkte schenkte das Trio ihnen ein. Und so glichen die Drachen zwar mehrfach aus oder zogen gar etwas vorbei, doch konstant hielten sie die Spannung nie hoch.

Das Kämpfen immer wieder eingestellt

„Wir haben gekämpft, aber das Kämpfen dann immer wieder eingestellt, das kann man nicht machen“, sagte Trainer Florian Hartenstein enttäuscht. Dazu kamen zu viele Ballverluste. 20 waren es insgesamt – 15 davon alleine in der ersten Halbzeit. Iserlohn verwandelte die „Geschenke“ meist per Korbleger in einfache Punkte.

Der Gegner wirkte wacher, bereiter und kampfeslustiger – auch wenn er es nach der Partie dabei übertrieb. „Das sind halt Playoffs“, sagte Liyanage über die Szene nach Spielende. Eventuell schauen sich die Schiedsrichter das Video noch einmal an. Ob sich daraus Konsequenzen ergeben, ist unklar.

Erst zwei Spiele zuhause verloren

Bissig dürfte die Mannschaft des ehemaligen Osnabrücker Trainers Dragan Torbica auch zu Hause auftreten. Erst zwei Spiele hat sie in dieser Saison dort verloren. „Dann wird es Zeit für ein drittes“, sagt Liyanage angriffslustig und gibt damit eine der wichtigsten Eigenschaften vor, die die Drachen neben Konzentration mit nach Iserlohn bringen müssen: Kampfgeist. „Das ist unsere letzte Chance“, betont Hartenstein, „da müssen wir alles reinhängen.“ Sonst ist die ProB-Saison zum dritten Mal in Folge vorzeitig vorbei.


83:90

(16:26, 27:25, 20:15, 20:24)

Dragons: Liyanage 9/1 Dreier, Döding, Rockmann 7, Bahner 9, Zaletskiy 2, Lieser 3/1, Bland 19/1, Calvin 9/1, Kolo 12, Prasuhn, Lavrinovicius 13/1.

Iserlohn: De Olivieira 5, Kutzschmar 4, Schwarz, J. Dahmen 2, Scott 19/1, Nicholas 26/2, Khartchenkov 18/2, Ziring, R. Dahmen 6, Giddens 10.

Trefferquote Nah-/Mitteldistanz: 63% zu 50%, Dreier: 28% zu 43%, Rebounds: 32/33, Assists: 23/19, Turnovers: 20/14.