K.I.T.T., Magnums Ferrari und das Mondauto Fünf Autos, die Geschichte machten

Tom Selleck als Privatdetektiv und ein roter Ferrari 308 GTS waren das Traumpaar in der TV-Serie "Magnum". Aber so richtig gut passten die beiden nicht zusammen, wie man auf diesem Bild erkennen kann... Foto: imago images/ZUMA PressTom Selleck als Privatdetektiv und ein roter Ferrari 308 GTS waren das Traumpaar in der TV-Serie "Magnum". Aber so richtig gut passten die beiden nicht zusammen, wie man auf diesem Bild erkennen kann... Foto: imago images/ZUMA Press
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Osnabrück. Klar, es gibt diese Pragmatiker, die ein Auto nur von A nach B bringen soll. Aber Autos sind für viele Menschen immer schon sehr viel mehr als nur Fahrzeuge. Sie sind Design und Technik, Fahrspaß und Reisemobile, Filmstars und sogar Familienmitglieder. Höchste Zeit also, ein paar echten automobilen Legenden ein eigenes Quartett zu widmen.

Wetten, dass diese Autos auch bei Ihnen gute Karten haben?

1. K.I.T.T. aus "Knight Rider"


David Hasselhoff in der Rolle des Ex-Polizisten Michael Knight gibt der von 1982 bis 1986 produzierten TV-Serie „Knight Rider“ zwar den Namen, der Star aber ist das Auto: K.I.T.T., ein mit künstlicher Intelligenz ausgestatteter Sportwagen, kann denken, sprechen und selbst fahren. Oder wie es im Vorspann der Serie die Stimme aus dem Off formuliert: 

"Ein Auto. Ein Computer. Ein Mann."


Basis für das Filmauto war ein Pontiac Firebird Trans Am, die Abkürzung K.I.T.T. steht für „Knight Industries Two Thousand“. Seine vielen Funktionen lassen Autofans träumen: Eine Molekularversiegelung macht ihn nahezu unzerstörbar, mit dem Turbo Boost kann er auf Knopfdruck Hindernisse überspringen, ein unsichtbarer Sicherheitsgurt schützt bei Unfällen und der „Super Pursuit Mode“ – ab der vierten Staffel eingebaut – beschleunigt K.I.T.T. auf bis zu 480 Stundenkilometer. 

Das Intro der Fernsehserie hat eine ganze Fernseh-Jugend geprägt, der Soundtrack hat sich eingebrannt. Auch bei Ihnen? 

Sogar für den Fall, dass Michael Knight im Kampf für Gerechtigkeit einmal klamm wird, ist vorgesorgt: K.I.T.T. verfügt über einen eingebauten Geldautomaten.


2. Das Mondauto (Lunar Roving Vehicle)


In Sachen E-Mobilität waren die Amerikaner schon einmal sehr weit - vor allem weit weg: Die Mondautos, mit denen ab 1971 Astronauten über den Erdtrabanten kurvten, waren batteriebetrieben, allerdings konnten diese nicht mehr aufgeladen werden. 

Maximal 92 Kilometer konnte das Lunar Roving Vehicle, mit dessen Entwicklung 1969 begonnen worden war, zurücklegen. Die Fahrt auf der Mondoberfläche war aber durchaus holprig, wie diese Aufnahmen der Nasa zeigen: 

Zum ersten Mal kam das LVR bei der Mission Apollo 15 im Juli 1971 zum Einsatz; die größte Herausforderung war der Transport zum Mond: Weil der Platz im Raumschiff knapp war, konnte das Mondauto nur zusammengefaltet transportiert werden. 

Der Aufbau wurde intensiv geübt; die Apollo-15-Mannschaft schaffte ihn auf dem Mond schließlich in rekordverdächtigen 26 Minuten. Dave Scott, Astronaut bei der Apollo-15-Mission, war durchaus zufrieden mit dem Ergebnis: 

"I think the vehicle is about as optimum as you can build.” ("Ich denke, das Gefährt ist so optimal, wie man es nur bauen kann.")

Die Ingenieure hatten ja auch lange getüftelt. Das 210 Kilogramm schwere Gefährt bestand hauptsächlich aus Aluminium, die Astronauten saßen auf Stühlen mit Nylonpolstern, die Reifen waren aus Drahtgeflecht und Titan, gelenkt wurde mittels Joystick. Sechseinhalb Stunden waren die Astronauten David Scott und James Irwin bei ihrer ersten Tour unterwegs, stellten Messgeräte auf und nahmen Bodenproben. 

Auch bei den folgenden Missionen Apollo 16 (April 1972) und 17 (Dezember 1972) waren Mondautos mit an Bord. Wer allerdings hofft, ein LVR im Museum anschauen zu können, hat Pech: Alle drei Buggys wurden auf dem Mond zurückgelassen. 


3. Der Ferrari aus "Magnum"


Eigentlich hätte Schauspieler Tom Selleck als Privatdetektiv Thomas Magnum in einem Porsche über die Insel Hawaii kurven sollen. Doch der deutsche Autobauer weigerte sich, seine Serienmodelle für die Filmaufnahmen umzurüsten, etwa durch den Einbau eines größeren Schiebedachs für Luftaufnahmen. Da passt der Standardspruch von Privatdetektiv Thomas Magnum, der in der Serie häufig aus dem Off zu hören ist:

"Ich weiß schon, was Sie jetzt denken, und Sie haben recht."

Ja, Ferrari kam zum Zuge, nachdem Porsche abgesagt hatte. Allerdings stellte das die Produzenten der von 1980 bis 1988 ausgestrahlten TV-Serie vor neue Probleme stellte: Der 1,92 Meter große Tom Selleck war zu lang für den für eher kleine Fahrer gebauten Flitzer. 

Damit sich der Schauspieler hineinquetschen konnte, musste der Sitz tiefer gelegt und sein Polster entfernt werden, auch die Lenksäule wurde versetzt. Wer genau hinsieht, kann erkennen, dass Sellecks Kopf dennoch über das Dach hinausragt - etwa bei dieser Verfolgungsjagd:

Solche Szenen gibt es in der Serie einige zu sehen, allerdings kaum Einstellungen, in denen der Ferrari mit geschlossenem Targa-Dach zu sehen ist. Da ist es ein Glück, dass "Magnum" auf Hawaii spielt: Dort scheint meistens die Sonne. 


4. Das Papamobil


Im Jahr 1979 trat das Papamobil – eine Wortschöpfung aus den italienischen Wörtern "papa" (Papst) und "automobile" (Auto) – erstmals in Erscheinung. Neun Tage lang reiste Papst Johannes Paul II., der erste nicht-italienische Papst seit 1523, im Juni 1979 durch seine polnische Heimat – politisch brisant, denn das Land war damals noch kommunistisch regiert. 

Den Machthabern war wohl bewusst, dass der Besuch des katholischen Kirchenoberhaupts starke Symbolkraft für die Opposition im Lande haben würde, hatte Johannes Paul II. doch das Eintreten für Unterdrückte und Benachteiligte zu seiner besonderen Pflicht erklärt. Und so versuchte das Regime auch mit einigen Schikanen, die erwarteten Massenaufläufe zu behindern. 

Vergeblich: Überall, wo der Pontifex auftauchte, versammelten sich Hunderttausende Menschen. An die gewaltige Wirkung dieser Reise für die kommunistischen Staaten erinnerte sich der Mann, der maßgeblich für die Umwälzungen verantwortlich war, noch Jahre später. In einem Gastbeitrag für eine italienische Zeitung im März 1992 schrieb der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow:

"Alles, was in diesen Jahren in Osteuropa geschehen ist, wäre ohne die Gegenwart dieses Papstes, ohne seine wichtige Rolle, die er auch politisch auf der Weltbühne zu spielen wusste, nicht möglich gewesen."

Der Vatikan war auf den großen Andrang bei der Reise 1979 vorbereitet und hatte Vorkehrungen getroffen: Der Papst sollte bei seinen Fahrten durch Städte und Dörfer nicht wie üblich in einer Mercedes-Limousine sitzen, denn Johannes Paul II. wollte, dass ihn möglichst viele Menschen sehen konnten. Der polnische Autobauer Star wurde beauftragt, ein besonderes Gefährt zu bauen. 

Der Nutzfahrzeughersteller mit Sitz in Starachowice belieferte unter anderem die Armee, die Basis für das Papamobil war denn auch das dreiachsige Militärfahrzeug Star 660 mit Allradantrieb. Der weiß gestrichene Aufbau auf dem Lkw bot neben dem Papst neun Begleitpersonen Platz, ein Baldachin schützte die Gruppe von oben.

Was bei diesem Papamobil noch fehlte war der später so charakteristische Glasaufbau. Dieser wurde bei den Gefährten erst nach dem 13. Mai 1981 fest installiert: An diesem Tag überlebte Johannes Paul II. nur knapp ein Attentat auf dem Petersplatz in Rom. Der türkische Rechtsextremist Mehmet Ali Ağca hatte aus nächster Nähe mindestens zwei Pistolenschüsse auf den Papst abgefeuert, als dieser im offenen Papamobil in langsamer Fahrt durch die versammelte Menschenmenge fuhr.

1980 reiste der Papst nach Deutschland. Mercedes Benz – der deutsche Autobauer belieferte den Vatikan schon jahrzehntelang mit Limousinen – baute dafür auf Basis eines Geländewagens der G-Klasse ein Papamobil. Noch heute kann es im Museum des Autobauers in Stuttgart besichtigt werden: 

Die perlmuttweiße Lackierung war eine Spezialanfertigung, das Papamobil verfügte aber über einige weitere Besonderheiten: Eine leistungsstarke Klimaautomatik sorgte nicht nur für angenehme Temperaturen unter der Glaskuppel, sie verhinderte auch ein Beschlagen der Scheiben – schließlich sollte der Pontifex bei seinen Fahrten durch die Massen stets gut sichtbar sein. 

Aus diesem Grund waren auch in den Seiten, im Boden und im Dach des Aufsatzes Scheinwerfer eingebaut, mit denen der Papst bei Dunkelheit indirekt und direkt beleuchtet werden konnte. 


5. Der Ford Mustang aus "Bullitt"


Korrupte Politiker, skrupellose Mafia-Gangster, ein toter Kronzeuge, ein harter Bulle – die Zutaten für den Film „Bullitt“ aus dem Jahr 1968 sind gewöhnlich, an die Handlung erinnert sich tatsächlich wohl kaum jemand. Dass der Krimi dennoch aus der Masse heraussticht, ist zwei Komponenten geschuldet.

Da ist zum einen Hauptdarsteller Steve McQueen, mit seinem Charisma, den stahlblauen Augen und seinem Ruf als draufgängerischer Rennfahrer im Privatleben die Idealbesetzung für den wortkargen Cop Frank Bullitt. Und da ist sein kongenialer Partner – nicht mehr wie im Western ein Pferd, sondern 335 Pferdestärken, verstaut unter der Motorhaube eines dunkelgrünen Ford Mustang. 

In diesem jagt Bullitt in einer Szene die Gangster in ihrem Dodge über die Hügel von San Francisco, die Verfolgungsjagd ist mit einer Länge von neun Minuten und 42 Sekunden als eine der längsten in die Filmgeschichte eingegangen:

Sie setzt auch filmtechnisch neue Maßstäbe: Zum ersten Mal wird eine Verfolgungsjagd nicht im Studio gedreht, sondern tatsächlich und komplett auf der Straße, drei Wochen lang, gefilmt aus mehreren Perspektiven. Im Studio zusammen geschnitten, ergibt das eine rasante Hatz: Da springen Autos über Kuppen, schleudern durch Kurven, Passanten springen zur Seite, Reifen qualmen, Radkappen fliegen durch die Luft. Der Filmkritiker Emil Nefzger formulierte es in seinem Text "Der verschollene Filmstar" auf Spiegel Online im  April 2018 so:

"Bullitt. Der Film, bei dem man nie weiß, wer denn nun die Hauptrolle gespielt hat. Steve McQueen als Lieutenant Frank Bullitt vom San Francisco Police Departement - oder sein Dienstwagen, ein Mustang, lackiert in Highland Green. Nur zehn Minuten machten den Wagen zur Legende."

Der Zuschauer hat das Gefühl, mit im Wagen zu sitzen – weil Regisseur Peter Yates auch den Blick durch die Windschutzscheibe und in den Rückspiegel filmen ließ, Steve McQueens Hand auf dem Schaltknüppel, die Straße. Dass die Logik der Rasanz geopfert wurde – Bullitt etwa schaltet in den knapp zehn Minuten 16 Mal einen Gang höher, aber nie einen runter: geschenkt.



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