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Eine Diplomarchivarin für die Ortsarchive Spürsinn für alte Dokumente

Von Conny Rutsch

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Neuenkirchen. Brüchig und angestaubt kommen sie daher, gefunden auf Speichern oder in jahrzehntelang nicht geöffneten Kartons. Immer wieder tauchen alte und mitunter wertvolle Dokumente auf, die mühsam zu entziffern sind. Und dann stellt sich schnell die Frage, wohin damit?

Das Staatsarchiv Osnabrück ist eines von sieben staatlichen Archiven Niedersachsens, das sich alter Unterlagen annimmt, sofern sie denn von öffentlichem Interesse sind. Um dies festzustellen, müssen sie gesichtet und bewertet werden.

Viele Bürger im ländlichen Raum übergeben aber ihre alten Fundstücke oder lange gehüteten Schätzchen den örtlichen Heimatvereinen, um sie vor Ort, aber trotzdem sicher verwahrt zu wissen. Vor einem Jahr nun stellte der Landkreis Osnabrück die junge Diplom-Archivarin Anna Philine Schöpper ein. Vom Staatsarchiv ist sie abgeordnet, um die Archive der kreisangehörigen Städte und Gemeinden zu pflegen. Viele unterschiedliche Aufgaben nimmt die junge Frau wahr. Sie muss zunächst die schriftlichen Zeitzeugen bewerten und entscheiden, welche davon ins Staatsarchiv gehören.

Im Zuge des Dachbodenfundes alter Dokumente in Neuenkirchen (wir berichteten am 21.11.2011) stellte sich Anna Philine Schöpper dem Heimatverein vor und kam jetzt erneut, um die Unterlagen über den Rechtsstreit vor dem Dorfbrand (wir berichteten im April) in Augenschein zu nehmen. „Wenn ein Schriftwechsel, der zunächst privaten Charakter hat, über ein Gericht gelaufen ist, dann fällt er unter das öffentliche Verwaltungsschriftgut und landet im Staatsarchiv“, erklärt die Archivinspektorin. Aber in Kopie erhält der Heimatverein die Unterlagen zurück.

Sie betreut auch die Benutzer des Archivs und beantwortet Nachfragen etwa zur Familien- oder Heimatforschung.

Die junge Frau möchte vor allem auch die Berührungsängste nehmen, die gerade bei älteren Menschen gegenüber dem Staatsarchiv auftreten. „Wie möchten die Arbeit der Heimatvereine unterstützen, weil sie für die regionale Ebene so wichtig ist“, sagt sie.

Ihre Ausbildung erhielt Anna Philine Schöpper drei Jahre lang sowohl am Staatsarchiv als auch an der Archivschule in Marburg, an die alle Bundesländer außer Bayern und der Bund angeschlossen sind.

„Ich hatte in meiner Schulzeit einen sehr aufgeweckten Geschichtslehrer, der auch Projekte im Staatsarchiv abhielt“, erklärt die Archivarin ihr großes Interesse an Geschichte und Archivarbeit. In ihrer Prüfungsarbeit musste sie sogar einen Text in Sütterlinschrift gewissermaßen übersetzen und ist heute in der Lage, die alten Dokumente flüssig zu lesen.

Und dann beschreibt sie noch einmal den Wert solcher alten Papiere: „Dass von den auf dem Dachboden in Neuenkirchen gefundenen Unterlagen 60 Prozent ins Staatsarchiv übernommen wurden, unterstreicht die Besonderheit des Fundes.“ Normalerweise seien nämlich nur rund zwei Prozent solcher Funde für das Staatsarchiv interessant.


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