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Respekt vor: Kurt Liebich Mit Herz hinter dem Lehrerpult

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„Aktiv bleiben und auf die Menschen zugehen“: Diesem Motto fühlt sich Kurt Liebich auch mit 83 Jahren noch verpflichtet. Foto: Foto-AG des Gymnasiums„Aktiv bleiben und auf die Menschen zugehen“: Diesem Motto fühlt sich Kurt Liebich auch mit 83 Jahren noch verpflichtet. Foto: Foto-AG des Gymnasiums

Neuenkirchen. Die Erinnerung an die Grundschule Neuenkirchen zaubert ein Lächeln auf sein Gesicht: „Das waren meine schönsten Jahre!“ Mit viel Herz und Enthusiasmus engagierte sich Kurt Liebich als Rektor und hinter dem Lehrerpult für die ihm anvertrauten Schüler.

Die wichtigste Anforderung an seinen eigenen Unterricht stand dabei nicht im offiziellen Lehrplan: „Jedes Kind sollte mindestens einmal am Tag das Gefühl haben, im Mittelpunkt zu stehen!“

Manchmal reichen dazu schon Kleinigkeiten aus. Ein lobendes Wort über die schönen, neuen Schuhe etwa, das die stille Schülerin mit einem Lächeln nach Hause gehen lässt, oder humorvolle Dichtkunst, die aus der „Vogelhochzeit“ ein Epos von 24 Strophen macht, in dem jedes Kind einmal als Solist auftreten kann.

„Ich wollte schon immer Lehrer werden“, erinnert sich der gebürtige Schlesier. Doch der Krieg stellte die Weichen zunächst anders: Als 15-Jähriger geriet Kurt Liebich in russische Kriegsgefangenschaft. Als er nach dreieinhalb Jahren den Grönegau erreichte, war an Abitur und Studium nicht mehr zu denken. Stattdessen absolvierte er eine Lehre im Einzelhandel. An seinem Traum hielt Kurt Liebich dennoch weiter fest – bis er endlich über den zweiten Bildungsweg an der Pädagogischen Hochschule Osnabrück Wirklichkeit wurde.

Zwölf Jahre waren vergangen, seit er das letzte Mal die Schulbank gedrückt hatte. Doch der damals 27-Jährige nahm die Herausforderung begeistert an. „Das war eine tolle Zeit!“ Als Junglehrer übernahm er dann 1959 seine erste Klasse in Neuenkirchen – nicht ahnend, welche Umbrüche der Schullandschaft noch bevorstanden. Denn bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1990 erlebte Kurt Liebich die Auflösung der kleinen Dorfschulen, den Wandel von der Volksschule zur Grund- und Hauptschule und die Einführung der – mittlerweile wieder abgeschafften – Orientierungsstufe.

Doch er engagierte sich nicht nur für die junge Generation. Nach der Gebietsreform initiierte er die Gründung des Heimatvereins, dessen Vorsitz er 30 Jahre lang innehatte. Unter seiner Leitung entstand in den Reihen des Vereins eine ambitionierte Theatergruppe, die 16 Jahre lang mit ihren Aufführungen für heitere Unterhaltung sorgte.

Auch der Kirchengemeinde widmete der Neuenkirchener seine Zeit: als Mitglied des Kirchenvorstandes und des Kirchenkreisvorstandes, im Kirchenchor und bei den Kirchenführungen, die er bis heute für interessierte Gruppen und Vereine anbietet.

„Man muss aktiv bleiben und auf die Menschen zugehen“, ist der 83-Jährige überzeugt. Und so arbeitete er bei der Tschernobyl-Aktion mit und half russlanddeutschen und vietnamesischen Familien in Neuenkirchen bei ihrem schwierigen Start in der neuen Heimat.

Für sein vielfältiges Engagement wurde Kurt Liebich mit dem Landesverdienstkreuz ausgezeichnet. „Aber das müssen Sie nicht erwähnen ...“, meint er bescheiden.


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