zuletzt aktualisiert vor

Selbst gesägt wird selten Bequemer Weihnachtsbaumkauf in Bramsche und Rieste gefragt

Von Johannes Kapitza


Rieste/Bramsche. Sie sind nicht astrein gerade gewachsen, das Grün ist nicht ganz gleichmäßig dicht. „Der hat doch keine Spitze“, erwidert ein Vater den Vorschlag des Nachwuchses beim Gang durch das Spalier von Nordmanntannen: Wer jetzt noch keinen Weihnachtsbaum hat, muss bisweilen mit einer geringeren Auswahl leben.

Holger Vor dem Berge, Juniorchef der gleichnamigen Gärtnerei in Rieste, ist ein Mann vom Fach, aber der Gärtner legt beim eigenen Baum „nicht so einen großen Wert darauf, ob irgendwo ein Zweig fehlt“. Viele seiner Kunden sehen es etwas enger, was bei ihnen in den Christbaumständer kommt.

Wer sich nicht auf die Auswahl der bereits geschlagenen Bäume beschränken will, kann in Rieste in „den Wald“ gehen, wie Vor dem Berge die insgesamt knapp zwei Hektar großen Felder am Rande der Gärtnerei nennt, auf denen Blaufichten stehen. 8000 Bäume seien dort vor zehn Jahren gesetzt worden, berichtet der Gärtner.

Lücken werden mit Bäumchen aufgefüllt, die etwa 30 Zentimeter messen. Sieben bis acht Jahre dauere es dann, „bis der Baum fertig wird“. Für die zwölf Jahre alten Fichten, die inzwischen einen stattlichen Durchmesser aufweisen, sei die Zeit eigentlich schon abgelaufen, sagt Vor dem Berge. Aber hin und wieder finden sich auch Abnehmer für diese Bäume, die aufgrund ihres Kalibers nur noch symbolisch über die Ladentheke gehen: Eine fünf Meter hohe Blaufichte haben sich die Riester Brandschützer vor ihr Feuerwehrhaus gestellt, berichtet Vor dem Berge. Und ansonsten lasse sich „mit dem richtigen Auge“ auch aus den Spitzen der gewaltigen Bäume noch ein schönes Exemplar für das Wohnzimmer schneiden.

„Wer seinen Baum selbst sägt, hat auch den schönsten“, sagt Vor dem Berge. Seit einigen Jahren bietet er an, dass Kunden ihren Baum direkt auf dem Feld fällen können. Vor allem „für die Kinder ist das ja was“, sagt der 35-Jährige.

Auch wenn Vor dem Berge grundsätzlich mit dem Weihnachtsbaumgeschäft „sehr gut“ zufrieden ist, wird das Angebot zum Selbstsägen nur von „ein ganz paar Kunden“ angenommen – Tendenz gleichbleibend, obwohl die Bäume dann fünf Euro günstiger sind. Auf 50 bis 70 Kunden schätzt er die Zahl derjenigen, die selbst zur Säge greifen. Geschnittene Bäume werden hingegen zu Tausenden verkauft. Den Baum eigenhändig vom Feld zu holen, „das ist schmutzig und anstrengend. Die Arbeit machen sich nicht viele“, sagt Vor dem Berge. „Der fertige Baum ist am bequemsten.“

Diese Erfahrung macht auch Armin Deckert. Er betreut für den in Georgsmarienhütte ansässigen Gartengestaltungsbetrieb Otten das Weihnachtsbaumfeld an der Weißenburgstraße in Bramsche. Seit knapp 15 Jahren bietet die Firma auch das Selbstsägen an. Die Tendenz, den Baum noch auf dem Feld auszusuchen, nehme grundsätzlich zu, sagt Deckert. „Die Kunden wissen dann, dass der Baum absolut frisch ist. Das ist für die meisten ein entscheidendes Kriterium.“

Alfred Scheerhorn hat sich von seinen Nachbarn überzeugen lassen; inzwischen kauft er schon zum dritten Mal seinen Baum an der Weißenburgstraße. Tochter Sarina und Sohn Eike helfen beim Aussuchen. Auf dem Feld ist „die Auswahl größer“, sagt Scheerhorn. Vor dem Selberfällen ist ihm nicht bange, aber er nimmt letztlich doch den angebotenen Service in Anspruch. „Die wenigsten wollen den Baum selber sägen“, sagt Deckert.

Blaufichten und Nordmanntannen hat er im Angebot, Letztere haben „ganz klar“ mehr Fans, weil die Nadeln weniger piksen und sich länger am Baum halten, erklärt Deckert. Der Preis liegt bei 18 bis 22 Euro pro Meter. In den vergangenen Jahren hätten sich die Bäume verteuert, unter anderem, weil in produzierenden Ländern Subventionen weggefallen seien.

Für diese Saison ist das Weihnachtsbaumgeschäft schon so gut wie abgeschlossen: „Einige kommen noch panisch an Heiligabend, aber das Gros ist vorbei“, sagt Deckert. Was nach den Feiertagen noch auf dem Teil des Feldes steht, der im nächsten Jahr aufgeforstet werden soll, werde zu Holzhackschnitzeln geschreddert.

In den Gewächshäusern der Gärtnerei Vor dem Berge in Rieste sprießen derweil bereits die Primeln. Ab dem 2. Januar bekommen sie Gesellschaft von Geranien. Im Weihnachtsbaumwald werden dann wieder kleine Gewächse nachgepflanzt, die reifen sollen – und in den kommenden Jahren darauf warten, in irgendeiner Wohnung den perfekten Christbaum abzugeben. Auch wenn das Grün vielleicht nicht ganz gleichmäßig dicht ist und der Wuchs nicht astrein gerade.


0 Kommentare