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Nicht gefragt und doch gewählt Günther Voskamp einstimmig zum neuen Bürgermeister in Gehrde gewählt

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Nach seiner Wahl zum Bürgermeister sprach Günther Voskamp den Amtseid. Die Eidesformel verlas zuvor Ingrid Thesing, Gehrdes stellvertretende Bürgermeisterin.Foto: Christian GeersNach seiner Wahl zum Bürgermeister sprach Günther Voskamp den Amtseid. Die Eidesformel verlas zuvor Ingrid Thesing, Gehrdes stellvertretende Bürgermeisterin.Foto: Christian Geers

Gehrde. Der neue Gehrder Bürgermeister heißt Günther Voskamp. Einstimmig ist der 57-Jährige in der konstituierenden Ratssitzung gewählt worden. Die wohl wichtigste Frage ist ihm am Donnerstagabend aber gar nicht gestellt worden. Und so blieb er die Antwort schuldig, ob er die Wahl annehme. Aber die wäre reine Formsache gewesen.

Eröffnung, Verpflichtung der Ratsmitglieder, Feststellung der Gruppen und Fraktionen – die Sitzung verläuft in der ersten Viertelstunde ohne Berichtenswertes. Die Wahl des Bürgermeisters ist dagegen der erste spannende Punkt auf der Tagesordnung.

Die Gruppe aus Bündnis 90/Die Grünen, Bürgerliste Gehrde (BLG) und SPD schlägt Günther Voskamp vor. Acht Hände gehen bei der Abstimmung in die Höhe, die vierköpfige CDU-Mannschaft um ihren Sprecher Axel Meyer zu Drehle enthält sich, Voskamp ebenfalls.

Altersvorsitzende Ingrid Thesing (SPD) gratuliert, die etwa 70 Zuhörer im Saal Meyer-Hölschermann applaudieren lautstark. Blumensträuße werden durchgereicht, Hände geschüttelt. Günther Voskamp bedankt sich bei allen, auch bei der CDU, „die nicht gegen mich gestimmt hat“. Das scheint ihn gefreut zu haben.

Voskamp übernimmt die Leitung der Sitzung. Die Frage, ob er die Wahl annehme, stellt die Altersvorsitzende nicht. Dass die Frage nur mit Ja beantwortet worden wäre, daran gab es keinen Zweifel: Als Noch-Bürgermeister Wilhelm Kröger sich bei Voskamp zu Beginn der Sitzung erkundigte, ob dieser die Rolle des Altersvorsitzenden übernehmen wolle, lehnte Voskamp lakonisch ab: „Das passt heute Abend nicht so gut.“

Während Kröger dem neuen Gemeinderat eine „harmonische und fruchtbare Zusammenarbeit zum Wohle der Bürger“ wünscht, freut sich Altersvorsitzende Ingrid Thesing über den „Generationswechsel“. Von 13 Ratsmitgliedern sitzen neun erstmals am Ratstisch. Die SPD-Frau hat auch Wünsche, hofft auf ein „neues Arbeitsklima“ und darauf, „dass das Lagerdenken überwunden wird“.

Vor der Bürgermeisterwahl beantragt die Gruppe Bündnis 90/Die Grünen/BLG/SPD, künftig auf den Verwaltungsausschuss (VA) zu verzichten. In diesem nach dem Gemeinderat höchsten Beschlussgremium werden wichtige Entscheidungen vorbereitet. „Wir haben entschieden, ein Zeichen für mehr Transparenz und Bürgernähe im Rat zu setzen“, begründet Ingrid Thesing den VA-Verzicht.

„Alle in einem Boot“

CDU-Fraktionssprecher Axel Meyer zu Drehle kontert, Transparenz sei auch mit einem Verwaltungsausschuss zu erreichen. Er vermutete, die Mehrheitsgruppe schaffe den VA nur deshalb ab, weil der CDU in diesem dreiköpfigen Gremium ein Sitz zugestanden hätte.

Michael Lange (BLG) hält es „für einen guten Schritt, die Arbeit des Dreier-Gremiums auf alle Schultern zu verteilen“. Die Erweiterung des Verwaltungsausschusses um einen Sitz – um alle vier Fraktionen zu berücksichtigen – sei rechtlich nicht möglich. „Nun sitzen wir alle in einem Boot und können gemeinsam Entscheidungen treffen“, so Lange weiter. Günther Voskamp ergänzt, dass es in Gehrde bisher nur wenige Punkte gegeben habe, die nur für den VA gedacht gewesen seien. „Es ist sinnvoll, Aufgaben auf Ausschüsse zu delegieren.“ Das Ergebnis: Die Mehrheitsgruppe votiert dafür, die CDU enthält sich.

Nur ein Stellvertreter

Uneins sind sich Bündnis 90/Die Grünen/BLG/SPD und CDU auch bei der Anzahl der Stellvertreter des Bürgermeisters. Es gibt künftig nur noch einen Stellvertreter. Das Amt bekommt Ingrid Thesing. Sie wird mit acht Ja-Stimmen gewählt, die CDU und sie selbst enthalten sich.

Die Christdemokraten hätten es bei der bisherigen Regelung belassen. Demnach hätte es einen ersten und einen zweiten Stellvertreter gegeben. Ein zweiter Stellvertreter aus den Reihen der CDU „hätte von Transparenz gezeugt und wäre ein Zeichen für eine überparteiliche Zusammenarbeit gewesen“, so Meyer zu Drehle. Ein zweiter Vize-Bürgermeister sei angesichts der überschaubaren Arbeit nicht notwendig, sagt der neue Bürgermeister.

Der hatte kurz noch einen Ausblick auf die kommenden Jahre gewagt: „Was können, wollen, müssen wir?“ Angesichts von 1,6 Millionen Euro Schulden gelte es, kreativ zu sein und auch „unkonventionelle Wege zu gehen“. Wichtig seien ihm die Pflege des Ehrenamtes und die Bürgerbeteiligung. „Wir sind ein gutes Team, es ist jung und hat viele Ideen“, so Voskamp. Der schließt nach Bürgerfragestunde und weiteren Geschenkübergaben nach einer Stunde die Sitzung. „Das hat gut geklappt“, sagt er. Es klingt zufrieden.


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