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Professionelle Vielseitigkeit Kunst- und Kulturwerkstatt im Kirchspiel Engter präsentiert regionale Künstler

Von Holger Schulze

<em>Vielseitig und professionell:</em> Anna (Reutepöhler) am Mikrofon und die anderen an den Instrumenten waren der Programmschwerpunkt bei „Live Musik“ in Engter. Foto: Holger SchulzeVielseitig und professionell: Anna (Reutepöhler) am Mikrofon und die anderen an den Instrumenten waren der Programmschwerpunkt bei „Live Musik“ in Engter. Foto: Holger Schulze

hols Engter. Zum zweiten Mal eröffnete am Samstagabend die Kunst- und Kulturwerkstatt im Kirchspiel Engter ihre Veranstaltungsreihe im Herbst mit „Live-Musik“ regionaler Künstler. Hierfür reicht der Raum der Kulturwerkstatt nicht aus, daher ging es auch in diesem Jahr in den Saal von „Bei der Becke“. Zwei bereits aus dem vergangenen Jahr bekannte Formationen mit Neuerungen sowie ein neues Unterhaltungselement gaben dem Abend sein Gesicht.

Den Auftakt machte wie 2011 Reinhard Schlüter mit seiner A-cappella-Gruppe. Neu an dieser Formation war der Name, für den man sich nach ein paar Jahren der Suche endlich entschieden hatte. „earsinn“ wird künftig auf den T-Shirts stehen, die die Gruppe dann bei den Auftritten tragen wird.

Weit entfernt vom Irrsinn war hingegen das Programm, das von „earsinn“ zu Gehör gebracht wurde. Reinhard Schlüter ist ein Chorleiter, dem ganz klar Qualität vor Quantität geht. So wächst das Repertoire nur langsam, aber beständig und in dann wackelfreier, fein aufeinander abgestimmter und präziser Aufführungsreife. Sechs Titel trug die Gruppe zum Abend bei.

Der Tango gab danach den Ton an. Uschi und Eddy Schiebener schoben sich in dieser leicht frivol aufreizenden Manier der getanzten Leidenschaft geschmeidig wie leichtfüßig über den Saalboden. Wie anstrengend der von ihnen vorgetanzte Tango, der Vals, der Tango Nuevo sowie der Milonga dann doch sind, merkte man erst nach Beendigung der Tänze an der Atemlosigkeit des Duos.

Atemlos wurde sie nicht bei ihrem in diesem Jahr schon recht umfangreichen Programm, das Anna Reutepöhler im Anschluss an den Tango zu Gehör brachte. Doch sie erzeugte mit ihrer Stimme zuweilen atemlose Stille im Publikum, die dann zum jeweiligen Liedende einem mitunter tosenden Applaus weichen musste.

Im letzten Jahr, bei ihrer Premiere außerhalb von Auftritten im privaten Umfeld, hatte sich Anna Reutepöhler gemeinsam mit der Pianistin und Sängerin Hanna Steffan noch schwerpunktmäßig auf ein klassisches Repertoire beschränkt.

Bei der zweiten Auflage von „Live Musik“ nun waren Stilrichtung und Begleitung erheblich erweitert worden. Kein Problem für eine Sängerin, die über 200 Titel im Angebot hat.

Neu dabei in diesem Jahr traten neben Hanna Steffan am Klavier, Annas Schwester Thea Reutepöhler und Björn Timm am Cello, Jannis Eckert mit Gitarre und Gesang sowie am Kontrabass Annas Vater Martin Reutepöhler auf.

„Anna und die anderen“ wurden sie in der Ansage von Petra Tüting, die als Vorsitzende der Kulturwerkstatt für die Begrüßung der zahlreich erschienenen Gäste sowie für die Vorstellung der Auftretenden zuständig war, angekündigt.

14 Titel sangen und spielten „Anna und die anderen“. Darunter ein Gospel, ein Top-Ten-Titel des letzten Jahrhunderts, ein reines Instrumentalstück, Evergreens, geistliche Klassik sowie ein russisches Volkslied.

Anna Reutepöhler ist genremäßig überhaupt nicht festgelegt. Sie singt, weil ihr Gesang gegeben ist und dies am liebsten mit möglichst vielen unterschiedlichen Menschen gemeinsam. Ihr Mezzosopran ist klassisch ausgebildet. Ihre Musikalität hingegen und ihren Musikgeschmack hat sie in keiner Schublade einsortiert. Ein reiner Arienabend ist für sie ebenso möglich wie ein komplettes Programm, bestehend aus Titeln der Popmusik. Zudem verstand sie es mit ihren verschiedenen Begleitern, jedem Vortrag ein individuelles Klangbild zu verleihen. „Big in Japan“ beispielsweise wurde von ihr völlig frei von der trägen Larmoyanz des Originals interpretiert. Andere Songs veränderte sie im Tempo sowie in der Dynamik so gekonnt, dass sie zunächst unbekannt erschienen, um anschließend wieder, im gewohnten Duktus vorgetragen, als ein Stück, das fast jeder kennt, hörbar zu werden.

Hier war professionelle Vielseitigkeit am Werk, die natürlich nicht ohne Zugabe bleiben konnte.

Selbst hierbei gingen Anna und die anderen andere Wege. Als Zugabe animierten sie das Publikum erfolgreich zum Mitsingen, sodass der „Live Musik“-Abend in einem vielstimmigen Gesang endete, der aus vier unterschiedlichen Volksliedern bestand, die so ausgewählt worden waren, dass sich aus ihnen eine Art Kanon singen ließ.


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